Presseschau
Christian Wulff - Präsident in der Grauzone

Das Urteil der Kommentatoren ist eindeutig: Bundespräsident Christian Wulff hat sein Vertrauen verspielt. Die Medien erwarten weitere Fälle in der „Akte Wulff“ und fordern, im „Hannover-Biotop“ aufzuräumen.
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Bundespräsident Christian Wulff steht im Zusammenhang mit einem Privatkredit immer stärker unter Druck. Auslöser ist ein Bericht der Bild-Zeitung, nach dem Wulff 2008 ein Darlehen von der Ehefrau des Unternehmers Egon Geerkens für ein Einfamilienhaus angenommen hat. Zwei Jahre später habe Wulff – seinerzeit niedersächsischer Ministerpräsident – im Landtag geschäftliche Beziehungen zur Familie Geerkens verneint.

Der Bundespräsident sei keine moralische Instanz mehr, kommentiert die Süddeutsche Zeitung. Die Vorteile, die Wulff durch die Freundschaften zum „dubiosen Finanzjongleur“ Carsten Maschmeyer, Ex-Air-Berlin-Chef Joachim Hunold und eben Geerkens genossen habe, seien zwar rechtlich wahrscheinlich unbedenklich, moralisch aber verdächtig. Dass sich Wulff heute mit Spitzfindigkeiten herausrede, erinnert die Münchner an ein kleines Kind, das auf die Frage, ob es seinen Sandkastenkameraden gehauen habe, antworte: „Nein, das war ich nicht, das war meine Hand.“ Mit Blick in die Zukunft erwartet das Blatt weitere Fälle „in der Akte Wulff“.

In seinem Blog Sprengsatz fordert der frühere Bild am Sonntag-Chef Michael Spreng, dass im „Hannover-Biotop“ aufgeräumt wird. In dem politisch-wirtschaftlichen Netzwerk werde die Verquickung zwischen Spitzenpolitikern, Wirtschaftsbossen und Unternehmern besonders innig gepflegt, erklärt Spreng und erinnert daran, dass sich Ex-Ministerpräsident Gerhard Schröder einst von VW-Chef Piech zum Opernball habe einladen lassen und gleich mit Piech im Lear-Jet nach Wien geflogen sei. Und dass Schröder nach seinen Ausscheiden aus dem Kanzleramt von seinem Unternehmerfreund Carsten Maschmeyer eine Million Euro als Vorschuss für seine Memoiren bekommen habe – demselben Maschmeyer, der auf Mallorca Gastgeber für den ersten Sommerurlaub Christian Wulffs als Bundespräsident gewesen sei.


Die Welt meint rückblickend, eine Auskunft Wulffs über das Privatdarlehen von Geerkens sei damals angemessen gewesen. Zwar habe Wulff das Darlehen als Privatperson erhalten. Doch dadurch, dass er als Ministerpräsident Egon Geerkens mehrfach auf Dienstreisen mitgenommen habe, sei eine berufliche Verbindung gegeben gewesen. „Die Offenlegung des Privatkredits hätte dem Eindruck entgegengewirkt, es gäbe etwas zu verbergen. Dieser Eindruck ist im Begriff zu entstehen.“

Kommentare zu " Presseschau: Christian Wulff - Präsident in der Grauzone"

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  • Dies alles ist doch nur noch ein weiterer Beweis für die Verkommenheit unserer Politiker. Und wir Bürger, die dafür da sind, den Lebensunterhalt dieser Parasiten zu finazieren, lassen uns das alles gefallen.

  • Der Normalbürger muss einen Kredit bei der Bank aufnehmen und ganz hübsche Zinsen zahlen. Er verdient aber nicht so viel wie ein Ministerpräsident! Das ärgert viele Leute, wenn sie merken, dass wieder einer aus der politischen Klasse keinerlei Gespür bewiesen hat!Da sind inzwischen wirklich viele Leute sehr weit weg vom Boden. Ich habe auch ein Problem, wenn ich dann bei der Weihnachtsansprache moralingetränkte Sprüche hören muss- das klappt schon gar nicht mehr!An sich wäre die Sache nicht so tragisch, warum hat er sie aber dann damals vor dem Landtag mit gestelzten Worten zurückgewiesen? Konrad Hopf Neuötting

  • Unserem Bundespräsidenten hätte als gestandener politiker und Restanwalt klar sein müssen, als er zu geschäftlichen Verbindungen befragt wurde, dass auch ein Privatdarlehen im rechtlichen Sinne eine geschäftliche Handlung bedeutet. Ergo, er hätte die Frage nie mit "nein" beantworten dürfen. Auch sein Versuch bereits in 2010 dies durch einen Bankkredit zu legalisieren spricht nicht für Ihn.
    Ob er noch vertrauenwürdig ist als Präsident, muss er sich selber fragen. Ich hoffe für Ihn, dass er das richtige unternimmt.

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