Presseschau
Das Ende der Bescheidenheit

Trotz der Krise kassieren Top-Manager großer Banken noch immer Millionen-Bezüge. Die neu aufgeflammte Boni-Debatte entzündet sich an einem Millionen-Salär des britischen Barclays-Chefs Bob Diamond. Die Presseschau.
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Trotz der Krise kassieren Top-Manager großer Banken noch immer Millionen-Bezüge. So etwa Vikram Pandit, Citigroup-Chef, der sich nach einem Jahr der Askese über ein üppiges Mahl freut: Verdiente Pandit 2010 nur einen symbolischen Dollar, strich der gebürtige Inder im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Dollar ein – und plus Bonus und Zulagen in Bargeld und Aktien sogar 15 Millionen Dollar. Das „Ende der Bescheidenheit“ falle ausgerechnet mit rückläufigen Erträgen in der Finanzbranche zusammen, analysiert die Financial Times Deutschland. Auch wenn die Citigroup im turbulenten zweiten Halbjahr 2011, verglichen mit anderen Instituten, noch relativ gut abgeschnitten habe.

Laut New York Times sahnt auch Bob Diamond, Vorstandschef der britischen Großbank Barclays, mächtig ab: Für das vergangene Jahr könne er rund 20 Millionen Euro nach Hause tragen.

Mit „politischen Attacken“ auf Diamond rechnet die britische Financial Times, weil die Bank auch eine Steuerzahlung in Höhe von umgerechnet sechs Millionen Dollar für Diamond übernommen habe. Der Gewinn von Barclays sei 2011 vor Steuern um drei Prozent gesunken. 

Das Wall Street Journal berichtet über einen Boni-Streit in den USA, wo der Konkursverwalter des gekenterten Derivate-Händlers MF Global zwei Ex-Managern Boni auszahlen will. Louis J. Freeh, Ex-Chef des FBI, solle stattdessen das Geld an die Opfer von MF Global auszahlen, zitiert das Blatt aus einem Brief des Senators  Jon Tester.

Warum so viele Banker noch immer XXL-Boni erhalten? Das Wall Street Journal führt dies auf den menschlichen Herdentrieb zurück. Dies wiederum könne desaströs für die Gesellschaft enden.

Den Anfang der Bescheidenheit läuten dagegen die US-Regulierer der Immobilienfirmen Fannie Mae und Freddie Mac ein. Deren künftige CEOs sollen nur 500.000 Dollar pro Jahr verdienen, meldet die Financial Times. Die scheidenden Chefs Michael Williams (Fannie) und Ed Haldeman (Freddie) der Dauerkrisenfirmen hatten zuletzt allerdings ebenfalls Millionen-Vergütungen kassiert.

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  • Vonwegen Bescheidenheit

    The Times of India schreibt, dass Goldman Sachs dasa jährliche "Board Meeting" in Indien halten wird. In Indien sind im Februar die Autoverkäufe 13,1% gestiegen.

    Der Economist berichtet, dass Willem Builter , Citigroup, den Bedarf der Peripheriestaaten bis Ende 2013 berechnet hat: mindestens 2 Billionen ( 12 Nullen ) EUR.

    Die NZZ kritisiert den Schuldenschnitt. Der Steuerzahler hänge für alles Weiter am Haken, einmal mehr.

    In Tagesanzeiger ch. fachsimpelt Barry Eichengreen über die drei Leitwährungen und den Goldstandard.

    Und ich? Ich denke, dass der deutsche Finanzminister als erster die Schuldenbremse reißt und den deutschen Steuerzahler und Beitragszahler (Sytembruch Krankenversicherung und Pflegeversicherung) verhöhnt

  • Die Bibel: "Geldgier ist die Wurzel allen Übels." Kaum hat sich der Rauch etwas verzogen und sich die Lage scheinbar etwas beruhigt, spielt man das alte Spiel von Neuem. Diese Leute haben nichts gelernt, kennen kein Mass und sind der eigenen Geldgier und Selbstüberschätzung erleben. Das könnte für manchen noch böse enden, weil wir ja wissen was passiert, wenn das Volk hungert, keine Arbeit hat oder wütend über die finanzielle Enteignung ist.

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