Presseschau
Das jüngste Abenteuer der Fed

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert den massenhaften Aufkauf von US-Staatsanleihen durch die amerikanische Fed, die Korea Times sieht das eigene Land in der Krise und das Wall Street Journal wundert sich über die Obsession der Deutschen mit dem Naturschutz. Fundstück: Die Abschaffung des Katers.
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Der Massenaufkauf von Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar sei „fast die einzige Chance“ der US-Notenbank Federal Reserve, die US-Wirtschaft „zurück in die normale Bahn zu bringen,“ schreibt die Financial Times Deutschland. Denn mit dem Sieg der Republikaner bei den Kongresswahlen sei ein weiteres Konjunkturpaket praktisch ausgeschlossen. Es sei leicht, diese Geldpolitik zu verdammen, denn die Fed könne die strukturellen Probleme des Landes nicht lösen. Stattdessen könnte der Ankauf der Staatspapiere eine neue Spekulationsblase entstehen lassen und den Dollar schwächen. „Dennoch ist es richtig,“ schreibt das Blatt über die nach dem englischen Begriff „quantitative easing“ QE2 genannte Maßnahme, denn es gäbe Grund zur Sorge: Die Arbeitslosigkeit sei mit 9,6 Prozent „noch immer gigantisch hoch“ und die Inflationsrate liege mit rund einem Prozent in Deflationsnähe. „Die Notenbank muss handeln,“ findet das Blatt. Die US-Verbraucher seien tief verunsichert und scheuten vor neuen Ausgaben zurück, die Unternehmen dagegen schwämmen im Geld, trauten sich derzeit aber nicht, es zu investieren. Deshalb sei es gut, wenn die Fed versuche, „die Angstblockade zu lösen“.

Für Amerika und die Weltwirtschaft beginne nun eine Phase erhöhter Unsicherheit, erwartet die Süddeutsche Zeitung. Der weitere Kurs der Finanzpolitik sei unklar, und die Geldpolitik von Notenbankchef Ben Bernanke mehr und mehr umstritten. Offen sei, ob der Kongress in seiner neuen Zusammensetzung nun den Aufschwung stützen werde oder die Erholung der Wirtschaft im Gegenteil weiter erschwere. Obama jedenfalls werde in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit „wirtschaftspolitisch kaum noch etwas durchsetzen können,“ vermutet das Blatt. Viele seiner bisherigen Maßnahmen dürften stattdessen korrigiert werden, darunter die Gesundheitsreform und die Finanzmarktreform.

Auch die Neue Zürcher Zeitung findet die Politik der Fed „riskant“, denn ob tatsächlich ein Deflations-Problem bestehe, sei umstritten. Das letzte Mal – Mitte des letzten Jahrzehnts – hätten die gleiche Ängste zu einer Geldpolitik geführt, die mit zu lange zu niedrig gehaltenen Zinsen entscheidend zur Entstehung der US-Immobilienblase beigetragen habe. Auch stehe in den Sternen, ob das durch die zusätzliche Liquiditätszufuhr erhoffte Sinken der langfristigen Zinsen wirklich die Wirtschaft belebe. „Amerika und die Welt müssen sich wünschen, dass das Experiment gelingt,“ meint das Blatt. Denn „sollten sich die erhofften Wirkungen von QE 2 nicht einstellen, die garstigen Nebenwirkungen jedoch schon, so werden alle leiden.“ Nicht zuletzt verlöre die Fed ihre hart erkämpfte Glaubwürdigkeit – und möglicherweise gar die Unabhängigkeit.

Unter den US-Entscheidern sei der Fed-Chairman Ben Benanke nun der einzige, der ernsthaft versuche, die träge US-Wirtschaft anzukurbeln, alle anderen politischen Organe der USA „stehen zur Seite und lassen die Fed die schweren Brocken stemmen“, beobachtet Mohamed El-Erian, Chief Investment Officer der globalen Vermögensverwaltung Pimco in der Financial Times. Das sei jedoch nur ein Problem, das andere liege darin, dass im Ausland keiner die Extra-Liquidität gebrauchen könne. Brasiliens und Chinas Volkswirtschaften stünden schon vor der Überhitzung und die Eurozone oder Japan könnten eine weitere Aufwertung ihrer Währungen auch nicht gebrauchen. Auf dem bevorstehenden G20-Gipfel in Korea werde es daher eine Gegenbewegung zu dem geben, was im Ausland als eine „unnötige, störende Welle an Kapitalzufluss durch eine unangemessene und kurzsichtige amerikanische Politik“ empfunden werde, orakelt El-Erian. Das werde zu einem dritten Problem führen: Der Erosion von Amerikas zentraler Rolle in der Weltwirtschaft als Lieferant der globalen Reservewährung und als Heimat der wichtigsten Finanzmärkte.

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  • Falsches Denken ist System!

    Nun ist es mal so, daß unser Geld, genauer gesagt das System Geld, der Pol ist um den sich alles dreht, oder man könnte sagen die moderne Art des Tanzes ums goldene Kalb.
    Und dieses System ist schlichtweg falsch und wenn ich in einem solchen falschen System eine vermeintlich richtige Entscheidung einbringe, dann wird das Endergebnis dadurch nicht richtig.
    Eine berichtigung mit einem Korrekturfaktor, der im Moment das gewünschte Endergebnis abbildet, läuft in einem dynamischen System alsbald wieder an die Wand.

    im Kurzform heißt meine Abwandlung mathematischer Regelsätze ganz simpel übersetzt:
    Solange wir unser Geldsystem nicht wieder in den Kontext mit der Realwirtschaft bringen, solange läuft dieses immer mehr aus dem Ruder.
    Aber da diese simple einfache verständliche Maßnahme die den Finanzaguren ihr leistungsloses bonieinkommen erheblich beschneiden würde, weil „Geld macht Geld“ nicht mehr als exorbitante Wertschöpfung auf dem Markt der Anleger verkauft werden könnte, wird diese vorhandene Wissen von denen da oben unterdrückt.

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