Presseschau
Das Schicksal der Eurozone

Die internationale Presse beschäftigt sich mit Silvio Berlusconis Kommentaren zur Rettung Italiens und dem Heraufdämmern einer zweiten Schuldenkrise, das Wall Street Journal spekuliert auf die Nachfolger von Anshu Jain bei der Deutschen Bank und die FTD beobachtet den Kampf der Schweizer gegen den hohen Franken.
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Während die Märkte „Italien weiter schwer verdreschen“, weigere sich Italiens Regierungschef, zurück zu treten, beobachtet die New York Times das Theater in Rom. Berlusconi habe in einer Reden vor dem Parlament und dem Senat vielmehr betont, seine Regierung „sei der Aufgabe gewachsen“ Wachstum zu generieren. Sein Land sei wirtschaftliche und finanziell solide aufgestellt. Doch diesen Optimismus teilten weder die Opposition noch die Finanzmärkte, die Zinsen für italienische Staatsanleihen werden weiter steigen, schließlich hätte Berlusconi „außer Aufrufen zur Geschlossenheit“ ja auch keine konkreten Vorschläge gemacht. Da habe man sich doch mehr erwartet - und auch die Märkte glaubten nicht an die von dem „Verkäufertypen und  schwungvollen Redner  verkündeten „soliden wirtschaftlichen Fundamente“. Wenn das so weitergehe sei das Land demnächst reif für eine Krise nach dem Muster Griechenlands, Irlands und Portugals.

Die Verteidigung Spaniens und Griechenlands werde das Schicksal der Eurozone entschieden, schreibt die Financial Times. In beiden Ländern hätten die Kreditkosten bereits sieben Prozent erreicht, ein Zinssatz, den die Märkte als den Punkt identifizierten, an dem die „Dynamik der Staatsverschuldung aus dem Ruder läuft“. Das allerdings sei Kaffeesatzleserei, meint das Blatt, welche Kreditkosten ein Land schultern könne, hänge auch noch von ganz anderen Dingen ab: Der Gesamtschuldenlast, Wachstums- und Inflationsraten, die Fähigkeit einer Regierung, Überschüsse zu erwirtschaften und dem Reifegrad der ausstehenden Schulden. So gesehen könnten es sich beide Länder leisten, eine Zeitlang sieben Prozent zu bezahlen. Rom und Madrid seien allerdings hilflos, wenn die Bond-Händler nun doch aussteigen würden, da müsse dann die Eurozone als Ganzes ran. Ihre Führer hätten ja schon vereinbart, Anleihen zur Not auch vorsorglich zu kaufen. Bislang hätten sie ihre Vereinbarung bloß noch nicht umgesetzt und auch den EFSF nicht auf ein entsprechendes Niveau gehoben: „Das ist eine grobe Pflichtverletzung“, findet das Blatt. 

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Thilo Sarrazin in Australien

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  • Die wohl bemerkenswerteste Meldung fehlt hier leider. Sie sollte auc deutschen Schulden- und Euro-Politikern zu denken geben:
    Ungarns Premier Orbán will seine Vorgänger nachträglich wegen der hohen Verschuldung des Landes bestrafen lassen. Ungarns hohe Staatsverschuldung sei ein „politisches Verbrechen“, das den von 2002 bis 2010 regierenden Sozialisten und Liberalen anzulasten sei, so Orbáns Sprecher Péter Szijjartó. Der Parlamentsausschuss für Verfassungsfragen solle nun überprüfen, ob und wie die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden könnten: Falls das nicht möglich sei, werde Fidesz „die notwendigen Maßnahmen“ ergreifen.

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