Presseschau: Davos stellte Banken an den Pranger

Presseschau
Davos stellte Banken an den Pranger

Die internationale Wirtschaftspresse liefert zum Ende des Weltwirtschaftsforums in Davos eine Ergebnisanalyse. Report on Business sieht in China die nächste Blase heranwachsen. Der Economist bestaunt den Erfolg der Lee-Familie hinter Samsung. Les Echos und Business Times sorgen sich um die Wirtschaft Japans. Fundstück: Fit und gesund - zum Wohle der Shareholder.
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"Die Hoffnung liegt auf den Schwellenländern", benennt das Wall Street Journal ein wichtiges Ergebnis des Weltwirtschaftsforums in Davos. Die meisten Wirtschaftsexperten, die sich in dem Skiort getroffen hätten, glaubten, dass die westliche Welt und Japan in den kommenden Jahren nur schwache Wachstumsraten schaffen. Das Wachstum der Weltwirtschaft und die Erholung von der Krise werde maßgeblich von Ländern wie China, Indien oder Brasilien getragen. "Ihre Vertreter verströmten Selbstbewusstsein, denn für sie hat sich die Weltwirtschaft zu ihren Gunsten verändert, dank der Finanzkrise." Viele Vorstandsvorsitzende aus den entwickelten Industrieländern seien denn auch ernüchtert abgereist, nach dem Motto: "Ein Pessimist ist ein Optimist, der nach Davos gereist ist."

"Ein bisschen Staat muss sein", lautet nach Meinung der Financial Times Deutschland eine Lektion von Davos: "Abseits der Bühnen geht es wie immer ums Geschäft. Aber oben auf den Podien von Davos geht es in diesem Jahr vor allem um die Geschäftsgrundlage: Das Verhältnis von Politik und Wirtschaft wird nach der Finanzkrise neu ausgehandelt - und die Politik gibt die Richtung vor." Ob es die Unternehmer wollten oder nicht: Regierungen würden künftig eine größere Rolle in ihrem Leben spielen. Auf dem Weltwirtschaftsforum habe sich gut beobachten lassen, wer dabei zu den Verlierern und wer zu den Gewinnern zähle: "Da sind einerseits die gestürzten Helden der Finanzwirtschaft, die verzweifelt versuchen, den heraufziehenden Regulierungssturm zu ihren Gunsten zu beeinflussen - mit wenig Erfolgsaussicht." Und da seien die stillen Genießer, die Energiebranche, die sich stärker und zuversichtlicher denn je fühle. Denn auf lange Sicht brauche die Welt mehr Energie und mehr Energieeffizienz. "Da stellt sich auch die Politik nicht in den Weg."

Aus Sicht der Financial Times war die Stabilität des globalen Finanzsystem das dominierende Thema im schweizerischen Davos: "Im letzten Jahrzehnt haben die Banken das Weltwirtschaftsforum meist als willkommene Gelegenheit genutzt, um ihre Kunden zu unterhalten. Letzte Woche dagegen mussten sie hart kämpfen, um eine neue Welle von Bankenkontrollvorschlägen abzuwehren." Nicht nur internationale Überwachungsbehören hätten mit ihren Forderungen aufgetrumpft, auch Politiker, allen voran Barack Obama, Alistair Darling und Nicolas Sarkozy, hätten mögliche Maßnahmen formuliert - sei es zu Boni, zum Eigen- oder Derivatehandel. Ob die Banken sich in Davos erfolgreich gewehrt hätten, müsse sich noch zeigen, doch sei klar, dass sie "nicht mehr vom Haken kommen werden": "Der politische Druck ist real, die Banken sollten sich das bewusst machen."

"Es war nicht - wie 2009 - das grimmigste, aber vielleicht das grüblerischste", befindet das Wirtschaftsblatt aus Österreich zum Weltwirtschaftsforum 2010. Zu grübeln hätten vor allem die Banken gehabt, sie hätten dieses Mal "an der Wand" gestanden. Zwar seien sich auch die meisten anwesenden Banker einig gewesen, dass es Regeln für die Krisenverursacher brauche. "Offen bleibt freilich die Frage, wie diese Regeln gestaltet sein müssen." So habe Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann seine Kollegen aufgerufen, selbst aktiv die nötigen Schritte zu einer Mäßigung einzuleiten und erneut vorgeschlagen, einen von Banken und Staaten gemeinsam finanzierten europäischen Fonds einzurichten, mit dem ins Schlingern geratene Geldhäuser aufgefangen oder abgewickelt werden können. Dennoch dürfe der Wirtschaftsaufschwung nicht durch eine Überregulierung abgebremst werden. Fazit: "Eine einheitliche Linie der Spitzenmanager gab es nicht."

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