Presseschau
Der Blick in die Glasgoogle

Nach all der Aufregung über Googles Street View ist die Internationale Wirtschaftspresse offensichtlich froh, dass Google endlich wieder etwas für sein Kerngeschäft tut. Fortune meint: Ohne Stimuluspolitik wäre es der US-Wirtschaft besser ergangen. La Tribune sieht Deutschland wieder vorn. Fundstück: Überleben mit Fantastisk.
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Wer über Google etwas im Internet sucht, erhält nun schon beim Eingeben der ersten Buchstaben Treffer angezeigt. Mit der neuen Funktion Google Instant können Nutzer schon während des Tippens erste Suchergebnisse sehen, die sich mit der weiteren Eingabe noch verändern – instantly, also sofort. Am Donnerstag stellte Google der Öffentlichkeit die neue Funktion vor. Sie sei nah dran an dem, was Google schon vor zehn Jahren einmal präsentiert hat – damals als Aprilscherz: Google MentalPlex, die Suchmaschine, die schon vor dem Suchen findet.

Nachdem der Internetkonzern mit Aufkäufen in anderen Geschäftsfeldern von sich reden gemacht habe, zeige Google mit seiner neuen Instant-Suche der Konkurrenz die Grenzen auf, ist die Financial Times Deutschland überzeugt. Von der Suchoptimierung namens „Google Instant“ würden drei Seiten profitieren. Der Nutzer erhalte einen echten Mehrwert. Die Unternehmen, die bei Google Suchwortanzeigen schalten würden durch Google Instant noch schneller gefunden. „Der Nutzer stößt vielleicht sogar auf etwas, nach dem er nicht explizit gesucht hat“, hebt die FTD hervor. „Mit dem nun entfallenden zweiten Schritt auf die Übersichtsseite für den gewünschten Suchbegriff sinkt die Hemmschwelle, eine entsprechende Anzeige anzuklicken.“ Am meisten profitiere dadurch natürlich Google selbst, da Werbetreibende für populäre Suchbegriffe nun wohl mehr Geld bieten dürften. Den einzigen Nachteil – den Flackereffekt durch den ständig neuen Seitenaufbau – könne der Nutzer leicht ausschalten.

Das US-Technik-Blog Searchengineland sieht dagegen Probleme auf Google-Nutzer zukommen. Regionale Unterschiede sowie unterschiedliche Treffer mit den verschiedenen Browsern seien für Anbieter bezahlter Internetrecherche oder Suchmaschinenoptimierung eine ernste Angelegenheit. „Wenn ich Schlüsselworte einsetze, brauche ich regionale Konsistenz“, erklärt der Blogger. Dass Pageimpressions nun nicht mehr einheitlich gezählt würden, sieht er noch verhältnismäßig neutral. Große Sorgen macht er sich um den Umgang von Google mit langen und kombinierten Suchwörtern. „Seit Jahren eliminiere ich nun schon allgemeine und kurze Keywords“, berichtet er. Der wahre Wert liege bei AdWords eben in den längeren, spezifischeren Schlüsselworten. Bisher. Mit Google Instant ändere sich das nun. So müsse ein 5-Sterne-Hotel in Las Vegas nun wohl auch schon Geld in das Suchwort „Las“ investieren. Denn schon dabei würden Hotelanzeigen angezeigt. Und warum solle ein User da noch weitersuchen? „Das bringt mich dazu, mehr Dollar in Googles Taschen zu spülen.“

Dieser Befürchtung schließt sich das US-Fachmagazins InformationWeek an. Anders als von Google beteuert, werde Google Instant weitreichende Auswirkungen für Internet-Anzeigenwerbung haben. Google Instant werde Werber dazu bringen, kostspieligere Suchphrasen und Keywords zu verwenden – allgemeinere und kürzere Suchwörter. Für Google sei das jedoch nicht wirklich ein Problem, sondern eine Chance, weiß das Blatt. Höhere Keyword-Preise brächten mehr Anzeigenerlöse ein. Von größerer Bedeutung könnte Google Instant in der Mobilfunkarena werden. Dort solle es in ein paar Monaten ankommen.

Auch der britische Guardian ist kritisch und sieht vor allem die Probleme für Suchmaschinenoptimierer und Nutzer des Google-Anzeigentools AdWords. Aber einerseits seien nicht alle Nutzer davon betroffen. Und nur wer bei Google registriert sei und von der Google-Startseite aus die Suche starte, werde es überhaupt mit Google Instant zu tun bekommen. In einem könne man jedenfalls sicher gehen: „Wenn Google Instant den AdWords-Gewinn ruiniert, wird es schneller in die Kälte befördert, als Sie Google Buzz sagen können.“

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