Presseschau
Der nächste Crash droht

Die internationale Wirtschaftspresse spricht sich für radikale Maßnahmen zur Restrukturierung des Bankensektors aus, um eine zweite Welle der Finanzkrise zu verhindern. Fortune kürt Apple-Chef Steve Jobs zum CEO des Jahrzehnts. Die Business Times hofft auf einen EU-Präsidenten mit Asien-Expertise. Fundstück: Krisen immer bei schlechter Laune.
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Im US-Wirtschaftsmagazin Forbes sucht Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini nach Wegen, um Banken zu verhindern, die "too big to fail" sind. Die G20-Finanzminister hätten sich zwar im September auf eine stärkere Aufsicht der Märkte geeinigt. Gleichwohl gebe es keinen Konsens, wie dies erzielt werden solle - obwohl das Problem aktuell größer denn je sei. Ein erster Schritt wäre die Wiedereinführung einer Variante des Glass-Steagall Act und dabei besonders die Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken. In einer Krisensituation würden nur die Geschäftsbanken vom "lender of last resort" (Kreditgeber der letzten Zuflucht) gerettet und per Einlagensicherung gestützt. Zu den Befürwortern dieser Strategie gehörten Ex-Fed-Chef Paul Volcker und Mervyn King, Gouverneur der Bank of England.

Bloomberg hofft, dass sich die US-Regierung ein Beispiel an Großbritannien nimmt, wo man angefangen habe, eine "aufgeblähte, gescheiterte" Bankenindustrie zu zerschlagen: Die Royal Bank of Scotland und Lloyds müssten einzelne Sparten verkaufen. "Wir benötigen mehr und kleinere Banken, die einer Vielzahl von Strategien folgen - und dem Kunden eine größere Bandbreite an Produkten und Preisen bieten", fordert der Wirtschaftsdienst. "Wenn man etwas Rasantes und Riskantes will, sollte es angeboten werden. Will man etwas Eintöniges und Sicheres, sollte dies auch offeriert werden. Aber jede Bank sollte einen definierten Platz auf dem Markt haben, und eine Reihe von Wettbewerbern für jeden Geschäftszweig." Fazit: Falls RBS zerschlagen werden könne, warum nicht auch Citigroup und Bank of America?

Aus Sicht der Süddeutschen Zeitung kündigt die Pleite der US-Bank CIT die nächste Phase des globalen Crashs an. Denn jetzt sei die Krise offenbar in der Wirklichkeit der Märkte angekommen - CIT habe rund eine Million kleine und mittlere Firmen mit Krediten versorgt, von denen viele nicht mehr zahlungsfähig seien. Daher stehe jetzt eine zweite Welle von Insolvenzen bevor: kleinere Banken, die an Unternehmen oder Privatkunden Geld verliehen haben, das wegen privater oder Firmen-Insolvenzen nicht mehr zurückfließe. "Auch Deutschland wird vor den Auswirkungen der zweiten Welle nicht verschont bleiben. Die Arbeitslosenzahlen werden nach Weihnachten erheblich steigen, was sich auf den privaten Verbrauch und die daran hängenden Arbeitsplätze auswirken wird. Der Automobilverkauf wird ebenso einbrechen wie der Absatz anderer kostspieliger und nicht zwingend notwendiger Konsumartikel."

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