Presseschau
Der Stempel des Murdoch-Sohns

Die Presse diskutiert das Ende von Rupert Murdochs Skandal-Blatt "News of the World", die FTD ist gegen Grüßonkel bei der Deutschen Bank, und die Börsen Zeitung zweifelt an der Glaubwürdigkeit der EZB. Die Presseschau.
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Weil Journalisten der Zeitung „News of the World“ Handytelefonate von Prominenten, Politikern sowie auch Royals illegal abgehört hatten, ordnete der Mutterverlag News Corp. des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch an, die 168 Jahre alte, weltweit meistgelesene englischsprachige Zeitung werde nach der Sonntagsausgabe nicht mehr erscheinen.

Das Spiel sei aus für Rupert Murdoch, schreibt die britische Financial Times. Die besondere Ironie liege darin, dass dies eigentlich eine gute Woche für Herrn Murdoch hätte werden sollen. Habe doch David Camerons Regierung sich darauf vorbereitet, ihre Zustimmung zum acht Milliarden Pfund schweren Gebot der News Corp für British Sky Broadcasting zu signalisieren. Ein Deal, der als Krönung für den Satellitenfernsehpionier gesehen werde. Stattdessen habe Herr Murdoch auf Sky News die Aufregung um den Abhörskandal seines Blattes verfolgen müssen.

Intime Nachrichten von der Mailbox eines ermordeten Schulmädchens sowie der Familien von Mord- und Terroropfern hätten die Nation geschockt. „Ekelhaft, anstößig und abscheulich sind Adjektive, die einem leicht durch den Kopf gehen“, stellt die FT fest. Herr Murdoch könne reklamieren, dass News of the World nicht allein illegal nach Scoops auf der Titelseite gefahndet habe. „Aber wie immer hat News International mit einer Rücksichtslosigkeit und in einem Ausmaß gearbeitet, das ihre Rivalen abgehängt hat“, findet die Zeitung. In der Industrie habe News of the World längst als „außer Kontrolle“ gegolten.

Nicht ohne Grund sei sie als Schmutzpresse bekannt. Der Journalismus selbst stinke. Ebenso wie Großbritanniens Politiker und vor allem seine Polizei, ist der Economist überzeugt. Ein umkämpfter Zeitungsmarkt ermutige zu schreienden Überschriften und aufdringlichem Klatsch. Vier zutiefst verstörende Fragen werfe der Abhörskandal auf. Wie ein Newsroom so außer Kontrolle habe geraten können. „Und fast sicher nicht nur ein Newsroom.“ Fragwürdig sei auch Murdochs News Corporation.

Wenn die Anschuldigungen stimmten, hätten viele Journalisten davon gewusst und nichts gesagt. Was nur passiere, wenn das Gefühl für richtig und falsch verloren gegangen sei. Auch die Polizei stehe fragwürdig da, da sie anscheinend Geld von News of the World angenommen habe. Auch die Politiker seien befleckt. Nutzlos wie die Pressekommission dastehe, sei die Versuchung da, die Presse stärker zu regulieren. „Eine gefährliche Versuchung.“ Werde Manager der News Corp Rechtsbruch nachgewiesen, sollten sie keine Zeitung oder Fernsehfirma betreien, fordert das Blatt. „Sie sollten im Gefängnis sein.“

Die Mitteilung, dass die 168 Jahre alte Zeitung am Sonntag ihre letzte Ausgabe publizieren werde, habe die Industrie geschockt, beobachtet der britische Guardian. Eine Zeitung schließen und ihr ganzes Personal von vielleicht 200 Leuten zu entlassen, das sei völlig irrational, zitiert das Blatt einen Journalistikprofessor. Doch die Tränen von Chefredakteurin Brooks bei der Mitteilung an ihre Mitarbeiter, hätten die Herzen nicht erweichen können.

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