Presseschau
Deutschland legt die Hemmung ab

Die Internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um die europäische Gemeinschaftswährung. Forbes meint, Inflation sei keine Lösung. Les Echos beobachtet einen Wandel Lagardères. Fundstück: Massive Steuerlast auf flüchtige Güter.
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Investoren in Irlands Banken und Regierungsschulden seien also nun gerettet, stellt das Wall Street Journal fest. "Nun verschiebt sich die globale Aufmerksamkeit in Richtung Portugal und Spanien." Bei Lissabons aktuellen Anleihekosten sei eine Rettung wahrscheinlich unvermeidlich. "Spanien ist eine andere Angelegenheit." Weniger eindeutig, weniger hart auf hart. "Das Problem ist, dass die Märkte nicht in der Stimmung sind, Dinge auf gut Glauben zu nehmen", hält das WSJ fest. Gut, dass Spaniens Offizielle sich anscheinend entschlossen hätten, Anleiheninvestoren bessere Versicherungen zu bieten als 'Vertraut uns'. Das Problem mit Spanien sei nur, dass es nicht nur zu groß zum Scheitern sei, sondern möglicherweise auch zu groß zum Retten, hält das Blatt fest. Das Investorenvertrauen wieder herzustellen, sei also höchst wichtig. "Je eher Spanien eine finanzielle Lady Godiva gebe - und eine wachstumsfördernde Politik implementiert - umso besser für alle in Europa und der Weltwirtschaft."

Mit einer verpfuschten Rettungsaktion nach der anderen, verlören die Stimmen an Überzeugungskraft die sagten, dass ein Auseinanderbrechen der Währungsunion undenkbar sei, beobachtet der Economist . In Europas Peripherie sehnten sich einige danach, sich die Jahre knirschender Enthaltsamkeit zu sparen, die es brauche, um bei Löhnen und Preisen konkurrenzfähig zu werden. "Im Deutschland-dominierten Herz haben sie es satt, für anderer Länder Nutzlosigkeit zu zahlen und fürchten, dass sie als Gläubiger darunter leiden würden, wenn die Europäische Zentralbank die Schulden der Nachzügler weginflationiert", beobachtet das Blatt. Tief unten lauere der düstere Verdacht, dass das ein Drama sei, das wieder und wieder zu durchleben die Eurozone verdammt sei. "Also warum nicht raus jetzt?". Die Finanzgeschichte sei übersät mit Ereignissen, die sich atemberaubend schnell von undenkbar in unvermeidbar verwandelt hätten. Doch wie sehr auch immer viele Länder auch bedauern mögen, der Eurozone beigetreten zu sein - sie zu verlassen habe keinen Sinn. Den Euro zu zerschlagen sei nicht undenkbar, "nur sehr kostspielig", meint das Wirtschaftsmagazin und warnt: Weil sie sich weigerten der Möglichkeit ins Auge zu sehen, dass es passieren könnte, schafften es europäische Führer nicht, die nötigen Maßnahmen dagegen zu ergreifen.

Die Krise des Euro sei eine Krise Europas, meint die Financial Times . Sei nationale Souveränität als Standard zuvor vor allem von britischen Euroskeptikern hochgehalten worden, werde sie nun quer über den ganzen Kontinent hinweg reklamiert. "Solidarität, die einst die Gründer der Union als Eckpfeiler von Europas Zukunft aufgestellt haben, ist als Idee in Misskredit geraten." Freude bereite es nicht mehr, sich vorzustellen, dass dieses einzigartige Experiment in supranationaler Führung erodieren könne. Verloren gegangen sei der Sinn für die gemeinsamen Interessen, auf denen die Union erbaut wurde, kommentiert das Blatt. Die geteilte Souveränität sei vor nicht allzu langer Zeit als Multiplikator für Macht und Einfluss gesehen worden. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel sage, die Zukunft des Euro und der EU seien untrennbar verknüpft, habe sie recht und tue dies in honoriger Absicht. Doch Deutschland habe sein nationales vom europäischen Interesse abgekoppelt - und nun zwei Jahrzehnte nach der Vereinigung alle Hemmungen abgeworfen, diese zu behaupten. Die Staaten Europas seien jenseits davon, gegeneinander in den Krieg zu ziehen. "Das war eine der großen Errungenschaften der Union", erinnert das Blatt. Die Gefahr sei unwichtig in einer Welt, die eher dem Pazifik gehöre, als dem Atlantik. Der neue Nationalismus könne diesen Prozess nur beschleunigen.

"Hier kommt eine Idee: Lasst uns Europa retten", schlägt die Wall Street Journal-Schwester MarketWatch vor. Die Märkte und einiges an der aktuellen Lage seien danach. "Aber Europa ist in einer Schuldenspirale gefangen, die zu richten es mehr braucht, als die üblichen Finanz-Bazookas", ist das Online-Portal überzeugt. Anders als in der US-Krise, wo der Lehman-Kollaps Regierung und Zentralbank vor der Rettungsaktioni nicht viel Zeit zum Nachdenken gelassen habe, vollziehe sich Europas Krise vergleichsweise in Zeitlupe. Der Euro werde nicht scheitern müssen. "Allem Anschein nach wäre es bei weitem kostspieliger und wahrscheinlich tödlich, als ein massives Programm, um die Kontrolle über schwache Banken zu erlangen", resümiert das Internetportal. "Aber es ist gerade jetzt auch nicht gesagt, dass er überleben wird." Investoren hätten schon recht, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen weltweit verbesserten und dass die Aktienmärkte, als ein führender Indikator, dies weiter widerspiegeln werde. Aber die Angst und Volatilität im Markt legten nahe, dass Investoren die Zentralbanker und Regierungen näher an den Rand drängen würden, bevor sie akzeptieren, dass sie wissen, was sie tun.

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  • Wohin geht die Reise Spock???


    http://www.focus.de/politik/deutschland/bayern-haderthauer-beklagt-massenhaften-asylmissbrauch_aid_578167.html


    http://www.focus.de/politik/deutschland/fdp-niebel-sieht-metzner-nicht-als-maulwurf_aid_578190.html


    http://www.focus.de/politik/deutschland/hartz-iv-neuregelung-von-der-leyen-im-kreuzfeuer_aid_578226.html

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