Presseschau
Die Bombengeschäfte von Josef Ackermann

Vor dem Abschied von Josef Ackermann steht der Deutsche-Bank-Chef noch einmal unter großem Druck. Laut einer Studie ist das Institut nicht aus der Finanzierung von Streubombenherstellern ausgestiegen. Die Presseschau.
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Die Frankfurter Rundschau berichtet von einer Studie der Organisationen Facing Finance, nach der die Deutsche Bank entgegen den Bekräftigungen von Banken-Chef Josef Ackermann nicht aus der Finanzierung von Streubombenherstellern ausgestiegen sei. Kürzlich habe das Institut noch Anleihe- und Kreditgeschäfte mit Herstellern von Streumunition in Höhe von mindestens 126 Millionen Euro abgeschlossen. Die Deutsche Bank sei das einzige Bankhaus, das derzeit Munitionshersteller weiterhin für kreditwürdig halte.

In der Studie listet Facing Finance neben der Deutschen Bank zahlreiche weitere Banken und Finanzdienstleister auf, die an Herstellern von Streumunition beteiligt seien, darunter Allianz, Commerzbank und DK Investment. Die verschlungene Wege der Bomben-Kredite hat Zeit Online in einer Infografik aufgearbeitet.

Im Interview mit der Zeit erklärt Thomas Küchenmeister, Gründer der Organisation Facing Finance, dass Ackermann sein Wort gebrochen habe. „Die öffentliche Wirkung eines solchen Wortbruches ist verheerend. Vielleicht weiß Ackermann selbst nicht mehr, was in seinem Unternehmen vor sich geht, vor allem in den Tochterfirmen in den USA. Womöglich bestimmen längst andere im Unternehmen die Richtung.“

Ohrfeige für Anshu Jain?
Gegen die jüngsten Vorwürfe gegen die Frankfurter erscheinen die Vorstands-Gefechte wie Petitessen, die allerdings tief blicken lassen: So soll der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann laut Finanzkreisen das mit Spannung erwartete Führungskräftetreffen im April abgesagt haben - der Termin wäre die Staffelübergabe für Anshu Jain und Jürgen  Fitschen gewesen. Das Handelsblatt vermutet, dass die neue Mannschaft in den Augen von Ackermann noch nicht wisse, was sie wolle.

Ein Trauerspiel, kommentiert das Handelsblatt. Ackermann verderbe sich selber seinen Abschied. „Immer deutlicher wird der offene Streit mit seinen Nachfolgern Fitschen und Jain über die künftige Ausrichtung der Bank“.

Nach Einschätzung der Süddeutschen Zeitung werten manche in der Bank Ackermanns Absage als erneute Ohrfeige Ackermanns für die Nachfolger. Diese legten sich nicht öffentlich fest, in welche Richtung die größte deutsche Bank künftig marschieren solle und kaschierten womöglich ihre Rückkehr zum Turbo-Investmentbanking. Jain und Fitschen hätten sich publikumswirksam Personen ausgesucht, aber keine Strategie.

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  • Solange Gewinnmaximierung oberstes Ziel der Deutsche Bank ist, wird die Kritik an ihren Geschäftspraktiken nicht verstummen. Ich wage eine Prognose: Am Ende der Auseinandersetzung mit der Zivilgesellschaft wird die Deutsche Bank ein unternehmerisches Handeln entwickeln, das ethische Kriterien ohne wenn und aber einschliesst und allein dem Wohlergehen der Menschen verpflichtet ist. Mehr dazu unter: http://www.oeffentlichkeitsarbeit-presse.de/news/die-deutsche-bank-im-visier-der-zivilgesellschaft-105/

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