Presseschau
Die Chaos-Truppe beim Klimagipfel

Die internationale Wirtschaftspresse übt Druck auf die Teilnehmer des Klimagipfels in Kopenhagen aus. Der Economist sieht den Status von London als Finanzmetropole gefährdet. Das Manager Magazin beobachtet die Erfolgsserie von Audi. Die FTD hinterfragt die optimistische Prognose des US-Solarkonzerns First Solar. Fundstück: Enron-Pleite am Broadway.
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Klimagipfel, Kundus-Affäre, Guttenberg und die nervige FDP – die Süddeutsche Zeitung sieht Angela Merkel am Tiefpunkt ihrer Macht angelangt. Zwar könne man ein mögliches Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen Merkel kaum zur Last legen – Wohl und Wehe der Kopenhagener Klimakonferenz hingen vor allem von China und den USA ab. „Und dennoch: Scheitert ein Folgeabkommen für Kyoto, wird Angela Merkel sich in Deutschland massive Kritik gefallen lassen müssen.“ Dann hätte die „Klimakanzlerin“ in der öffentlichen Wahrnehmung auf einem der wenigen Felder, auf denen sie noch habe imponieren können, versagt. „Angela Merkel, die Strategin der ,kleinen Schritte’, dachte anscheinend, sie kann nach dem Regierungswechsel einfach weitermachen wie bisher - eher moderieren als entscheiden. Dieser Ansatz scheitert. Sie muss ihre Rolle neu definieren und sie mit Leben füllen. Sonst könnte dies der Anfang ihrer letzten Legislaturperiode als Kanzlerin sein.“

„Wir hoffen, dass Präsident Obama und die anderen Staatschefs erkennen, wie viel auf dem Spiel steht, und dass sie in letzter Minute den Durchbruch erzielen“, schreibt die New York Times. Immerhin habe sich bisher abgezeichnet, dass es eine vorsichtige Einigung gibt: Die reichen Länder bezahlten die ärmeren Staaten dafür, dass diese die Regenwälder der Welt retten. „Das wäre ein guter Deal, sowohl für die reichen als auch die armen Länder und noch besser für den Planeten“, applaudiert das Blatt. Auf dieser Grundlage müssten die verhandelnden Parteien zumindest einen vorläufigen politischen Konsens erzielen, der wiederum die Voraussetzungen für ein detailliertes, umfassendes und rechtlich bindendes Agreement im kommenden Jahr schafft.

Die Wirtschaftswoche meint, dass der sich in Kopenhagen abzeichnende Kampf Reich gegen Arm nicht neu sei. „Neu ist allenfalls die Tonlage der Debatten. Den Afrikanern reicht es längst nicht mehr, nur am Tisch der Europäer Platz zu nehmen. China und Indien wollen ihren wachsenden Wohlstand nicht durch CO2-Ziele bremsen. Aber die Amerikaner sind auch nicht bereit, mit leuchtendem Beispiel voran zu gehen.“ Die „Chaos-Truppe an den Verhandlungstischen“ sei nicht viel besser als die Krawallmacher vor den Türen der Konferenz. Wenn jeder nur aufs Ganze gehe, komme hinterher kein vernünftiger Kompromiss heraus, moniertdas Blatt. „Das schadet dem Klima – auch dem der internationalen Diplomatie. So scheitert die Rettung der Welt zuletzt an ihren Rettern.“

Die Börsen-Zeitung zeigt sich überrascht, dass sich Industrie- und Entwicklungsländer auch nach wochenlangen Gesprächen auf Ministerebene derart unversöhnlich in Kopenhagen gegenüber stünden. „Offenbar haben es die zahllosen Politikberater und Spin-Doctors, die das Treffen seit Monaten weltweit vorbereiten, nicht geschafft, die Wogen so weit zu glätten, dass am Ende mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung herauskommt.“ Im Grunde seien sich ja alle einig, dass die Treibhausgasemissionen reduziert werden sollten – strittig sei nur, wer dafür aufkommen müsse.

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