Presseschau
Die Fed als Retterin der Banker und Lenker

Die internationale Wirtschaftspresse staunt über den Umfang der Stützungskredite der Fed in der Krise. Die Washington Post erläutert Obamas umstrittene Sparpläne, Australiens Business Spectator diskutiert Optionen für den Euro und Les Echos sieht Google eine moralische Grenze überschreiten. Fundstück: Jeder zahlt so viel Steuern, wie er mag.
  • 0

Dreieinhalb Jahre nach Ausbruch der US-Finanzmarktkrise hat die US-Notenbank eine Liste mit den Empfängern von Stützungskrediten und anderen Hilfsprogrammen veröffentlicht. Insgesamt seien 3,3 Billiarden Dollar geflossen. Die Liste der Empfänger sei wie das 'Who is Who' der Wirtschaft: Nicht nur Goldman Sachs und General Electric hätten zum Höhepunkt der Krise die Federal Reserve um Hilfe ersucht, sondern auch die Europäische Zentralbank, schreibt das Wall Street Journal. Goldman Sachs habe insgesamt 84 mal um Geld gebeten und Morgan Stanley sei gar 212 mal vorstellig geworden. Dieses Krisenprogramm sei das größte, das je durchgeführt worden sei, doch die Fed habe bislang keine Kreditausfälle aus der Initiative. Von Dezember 2007 an habe auch die EZB die tiefen Taschen der Fed 271 mal genutzt, in der jüngeren Vergangenheit mit der Schuldenkrise in Euroland hätten die Anträge auch wieder zugenommen, das sei „eine Erinnerung daran, dass der Effekt der Finanzkrise noch immer anhält“.

„Ganze Flüsse voll Tinte“ seien inzwischen über die Finanzkrise vergossen worden, schreibt die Financial Times, und nun gäbe es ihre Geschichte auch in Zahlen. Eine Anweisung des US-Kongresse haben die Veröffentlichung der 21 000 Transaktionen ausgelöst und habe so „ein Bild gemalt von einem globalen Finanzsystem auf der verzweifelten Suche nach kurzfristigen Kapitalspritzen.“ Im März 2008, als der Markt plötzlich aufhörte, Bear Stearns zu unterstützen und die Banken einander nicht mehr routinemäßig mit Geld aushalfen, habe die Fed eine „Primary Dealer Credit Facility“ oder PDCF schaffen müssen. Größter Nutznießer der dort vergebenen, so genannten Term Auction Facility, unter der Kredite mit einer Laufzeit zwischen ein und drei Monaten vergeben wurden, sei die Barclays Bank gewesen. Sie bezog Kredite in Höhe von insgesamt 232 Milliarden Dollar. Auf Platz zwei soll mit insgesamt 212 Milliarden Dollar die Bank of America liegen. Unter den zehn größten Empfängern dieses Programms befänden sich auch die Dresdner Bank, die Bayerische Landesbank, die Royal Bank of Scotland und die Société Générale.

Die BusinessWeek zitiert Goldman Sachs Chief Executive Officer, Lloyd Blankfein, der dem US-Magazin Vanity Fair im vergangnen Jahr gesagt habe, seine Bank hätte die Kreditkrise auch ohne staatliche Hilfe überstehen können. Tatsächlich habe sich die Investmentbank, die im vergangenen Jahr schon wieder Rekordprofite meldete, jedoch in 2008 und 2009 regelmäßig Geld von der Fed leihen müssen. Insgesamt hätte Goldman Sachs in den Wochen nach dem Untergang von Lehman Brothers 24,2 Milliarden Dollar von der Primary Dealer Credit Facility der Fed bezogen. Der US-Finanzminister Timothy Geithner bezweifele daher auch die Stärkebeteuerungen der Bankiers und sage: „Keine der Banken hätte überlebt.“

Seite 1:

Die Fed als Retterin der Banker und Lenker

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Kommentare zu " Presseschau: Die Fed als Retterin der Banker und Lenker"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%