Presseschau
Die Fratze des billigen Geldes

Die internationale Wirtschaftspresse debattiert den Währungskrieg, Deutschland hat laut Manager Magazin wirtschaftlich die Nase vorn, Alan Greenspan sorgt sich in der Financial Times um die US-Wirtschaft und die Japan Times berichtet, wie die JAL ihre Piloten loswerden will. Fundstück: Harley macht Tupperparties.
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Der Währungskrieg werde offenbar mit noch härteren Bandagen geführt, als bisher schon vermutet, schreibt die Financial Times Deutschland. Der US-Finanzminister Timothy Geithner habe in Washington im Vorfeld der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds von einer "schädlichen Dynamik" gesprochen, da immer mehr Staaten gezwungen seien, ihre Währungen gegen den Markttrend abzuwerten, weil Überschussländer wie China keine Aufwertung zuließen. Dieses Verhalten sei "unfair". Dennoch lehnte Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao eine kurzfristige Anpassung erneut ab, weil die zu sozialen Unruhen führen könnte. Danach hätten die Chinesen eine Pressekonferenz zum Abschluss des chinesisch-europäischen Gipfeltreffens in Brüssel kurzfristig abgesagt und so weitere Gerüchte genährt. Nun fordere der IWF eine globale Koordination in Wirtschaftsfragen, die heute sogar noch wichtiger sei als auf dem Höhepunkt der Krise. Dazu müssten alle Länder ihren Beitrag leisten: Die USA etwa dürften sich nicht mehr nur auf den privaten Konsum verlassen und müssten ihre Exporte erhöhen. Und China, aber auch Deutschland sollten die Binnennachfrage stärken, statt vor allem auf die Ausfuhren zu setzen.

China habe viel zu viel zu verlieren, um den Kurs seiner Währung den Marktkräften zu überlassen, meint das Wall Street Journal und zitiert Wen Jiabao mit den Worten: "Wenn der Yuan nicht stabil ist, wird das ein Desaster für China und die ganze Welt." Seit Juni könne die chinesische Währung in einem engen Kanal fluktuieren, aber "zum Verdruss der Europäer" habe er seither gegenüber dem Euro zehn Prozent verloren. Von den Währungsmärkten ausgelöste Spannungen hätten diese Woche so ziemlich alle Termine in Brüssel überschattet, rekapituliert das Blatt: Das Treffen von 46 asiatischen und Europäischen Regierungsvertretern genauso wie die Gipfeltreffen der EU mit China und Südkorea. Wen sprach auf einem parallel stattfindenden Wirtschaftsgipfel vor mehreren hundert Wirtschaftskapitänen. Die europäischen Chefs seien zu diesem Treffen gekommen, um ihre Sichtbarkeit auf dem riesigen chinesischen Markt zu erhöhen und die chinesischen Bosse seien erschienen, um in dem "zunehmend protektionistischen Klima" auf gut Wetter zu machen.

"Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." Diesen Informationstext hätten die Notenbanker vergessen, als sie begannen, den Märkten in höheren Dosen Liquidität zu verabreichen, schreibt das Wiener Wirtschaftsblatt. Die Rechnung dafür werde nun als "Fratze des billigen Geldes" sichtbar. Das, was sich derzeit auf den Märkten abspiele, sei aber nur ein Vorspiel für das, was noch komme. "Ein Exit-Szenario gibt es nicht. Die Arznei wurde zur Droge." Die billigen Billionen aus den Töpfen der USA, Europa und Japans kurbelten nicht die Wirtschaft in den Heimatregionen an, sondern machen sich auf den Weg in die höher verzinsten Emerging Markets, wo sie enormes Wachstum entfachten. "Was übrig bleibt, sind gigantische Verwerfungen an den Währungsmärkten." Nun blicke die ganze Welt nach China, "zu den Vollprofis der Währungsintervention". Dort heiße es aber: Der Yuan ist unsere Währung, aber euer Problem. "Der Währungskrieg ist eröffnet, als Schießpulver dient die Liquidität," schreibt das Blatt.

Die Börsen-Zeitung findet das Thema Währungen überschätzt. Die Amerikaner argumentierten, dass sich die Chinesen sich mit der Politik des billigen Yuan Vorteile auf den Exportmärkten verschafften und so Jobs in Amerika zerstörten. Diese Sicht sei falsch: Amerika habe ein Struktur- und kein Wechselkursproblem. "Der Einfluss des Wechselkurses auf die Wirtschaft eines Landes wird vor allem von Politikern überschätzt." Amerika stütze sich auf Konsum und Schulden, während viele asiatische Länder ihre Wirtschaft auf Sparen und Investitionen aufgebaut hätten. Anstatt dem Rest der Welt die Schuld an ihrer desolaten Lage zu geben, sollten die Amerikaner sich von ihrem Wirtschaftmodell verabschieden und erst mal lernen, zu sparen. Auch für das Gejammer der Europäer, der starke Euro gefährde die Erholung in Europa, gäbe es keine Beweise. Gerade deutsche Exportgüter überzeugten vor allem durch Qualität und nicht durch den Preis. Fazit des Blatts: "Die EZB jedenfalls sollte den Wechselkurs für ihre Politik am besten ignorieren. Langfristig nutzt ein starker Euro, kurzfristig schadet er kaum."

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