Presseschau
„Die G20 kämpfen mit Bandwurmsätzen“

Die internationale Presse kommentiert den Beschluss der G20 zur Verhinderung von Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft und Überprüfung von sieben großen Wirtschaftsnationen. Weitere Themen: Der IWF findet neue Töne, Deutschland dopt sich zum Erfolg, Google ist gefährlich. Fundstück: Goldman Sachs hat H. G. Wells‘ Zeitmaschine geklaut.
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Ein „nichtssagendes Werk voll von Bandwurmsätzen“ ist der jüngste Beschluss der G20 aus Sicht der Financial Times Deutschland: „In kaum verständlichen, teils widersprüchlichen Auslassungen verpflichten sich die Unterzeichner, künftig gegen exzessive Überschüsse und Defizite bei Gütern und Geldströmen vorzugehen.“ Dennoch sei das Dokument ein „großer Schritt in die richtige Richtung“, denn erstmals könne auf höchster politischer Ebene Druck aufgebaut werden, wenn Staaten mit ihrer Wirtschaftspolitik die Gleichgewichte der Weltwirtschaft gefährden. „Das ist viel angesichts der Tatsache, dass Länder wie China und Indien, aber auch die USA sich vor der Finanzkrise energisch noch die kleinste Einmischung in ihre Politik verbeten haben.“ Erfreulich sei in diesem Zusammenhang, dass die deutsche Selbstgerechtigkeit bei diesem Thema auf offener Weltbühne einen Dämpfer erfahre: „Nun haben die Deutschen es schriftlich, was unter Volkswirten schon länger Stand der Erkenntnis ist: Es können nun mal nicht alle Länder gleichzeitig einen Exportüberschuss haben, ganz gleich, wie sie sich mühen.“ Nun müsse die G20 aber auch sicherstellen, dass das neue Instrument seine einzige Wirkung - die öffentlichkeitswirksame Ermahnung von Überschuss- und Defizitländern - auch entfaltet. Dafür brauche es klare, allgemein verständliche Grenzwerte für kritische Größen wie Handelsüberschuss, Leistungsbilanzsaldo und Währungsreserven und den politischen Willen, Verstöße tatsächlich an die große Glocke zu hängen und Gegenmaßnahmen einzufordern.

Das Wall Street Journal zweifelt am Erfolg einer Überprüfung von G20-Mitgliedsstaaten, deren nationale Wirtschaftspolitik zu Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft geführt hat bzw. führt. „Es ist nicht sicher, dass die daraus resultierenden Diskussionen die Staaten letztlich dazu animieren, ihre Wirtschaftspolitik zu ändern. Die G20 haben nichts in der Hand, um den Ergebnissen aus den Überprüfungen Relevanz zu verleihen. Und der Anreiz für die G20-Staaten zu kooperieren, hat sich mit dem Ende der globalen Finanzkrise in Luft aufgelöst.“ Am Ende werde es deshalb Aufgabe der G20-Staatschefs sein, bei ihrem Treffen in Cannes im November 2011 die Sünder zu einem Kurswechsel zu bewegen.

„Die USA und andere Mächte sollen Indiens Wirtschaft näher untersuchen und Vorschläge unterbreiten, um darin enthaltene Risiken für die Weltwirtschaft zu minimieren?“, fragt die Times of India - und beruhigt ihre Leser sofort: „Das mag ein Schock sein, doch Indien darf das - mit Blick auf die anderen G20-Staaten - genauso tun. Gemeinsam wollen die G20 im Gleichschritt gegen Währungskriege, Ungleichgewichte und andere ökonomische Turbulenzen vorgehen.“ Auf den ersten Blick scheine der Beschluss vor allem gegen China und Indien gerichtet zu sein: „Beide sind in den vergangenen Jahren rasch gewachsen, aufgrund eines auf Export basierenden Handelsüberschusses. Die anderen wollen, dass Chinesen und Inder mehr Geld ausgeben, mehr konsumieren und den Wert ihrer Währung steigen lassen.“ Doch auf den zweiten Blick werde deutlich, dass es alle gleichermaßen treffe: „Westliche Nationen wie die USA oder Großbritannien werden für ihren enormen Haushaltsdefizite und ihre Verschwendungssucht auf den Prüfstand kommen.“

Kommentare zu " Presseschau: „Die G20 kämpfen mit Bandwurmsätzen“"

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  • Goldman braucht keine "Zeitreisemaschine"
    Sie spielen mit an vordester Front in dem weltweiten korrupten Spiel. Wenn Finanzkrisen enstehen, dann produzieren sie mit. Sie SIND mit die Krise.
    Und die zukünftige Entwicklungen sind eine selbstgemachte Prophezeihung....
    Der "Traum" von der beherrschung der Erde wird vielleicht für kurze Zeit Wirklichkeit für die "Eliten" - aber deren Untergang ist sicher.....

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