Presseschau
Die G20-Politik der kleinen Schritte

Die internationale Wirtschaftspresse zieht eine ernüchternde Bilanz des Treffens der G20-Finanzminister in Paris. MarketWatch hält Ben Bernanke für den gefährlichsten Diktator der Welt - und die Fed für ein weltweites Risiko.
  • 0

DüsseldorfStatt „großer Antworten“, die sich G20-Präsident Nicolas Sarkozy vom G20-Meeting erhofft habe, hätten sich die Finanzminister lediglich auf „einen ersten Absatz“ geeinigt, kommentiert das Manager Magazin - auf ein Bündel von Wirtschaftsindikatoren, anhand derer künftig Fehlentwicklungen aufgezeigt und damit letztlich Krisen verhindert werden sollen. Damit habe man nach zähen Verhandlungen doch noch ein Ergebnis vorweisen können. Ein Misserfolg wäre nicht nur für Sarkozy eine „peinliche Ohrfeige“ gewesen: „Mehr stand für die G20-Gruppe insgesamt auf dem Spiel: Nach dem Krisenmanagement der vergangenen Jahre wäre sie ohne vorweisbares Resultat als offizielles internationales Abstimmungsgremium in finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen massiv entwertet worden“, meint das Blatt. Mit welch großen Abstimmungs- und Verständigungsproblemen die G20 zu kämpfen hätten, sei einmal mehr in den inhaltlichen Debatten deutlich geworden. Es gebe eine riesige Vielfalt von unterschiedlichen Politikverständnissen, -systemen und Interessen, unter den Mitgliedsstaaten existierten Tabus, die nur langsam aufzulösen seien, und sehr verschiedene Diskussionskulturen. Dennoch gebe es keine Alternative: „Die Gruppe der großen Wirtschaftsmächte muss ihren Weg noch finden. Als Schaltstelle für Währungsfragen müssen sich die G20 erst qualifizieren. Eine andere Instanz, die diese Aufgabe übernehmen könnte, ist nicht in Sicht.“

Ganz im Zeichen der Kompromisssuche mit China habe das G20-Treffen gestanden, meint die Financial Times. Man habe sich zwar auf Indikatoren zur Verhinderung künftiger Finanzkrisen einigen können, doch China habe erfolgreich verhindert, dass auch ausländische Devisenreserven und Währungskurse als Indikatoren genannt wurden. „Die Wortwahl, die ausgehandelt wurde, vermied außerdem jeglichen Bezug zum Begriff der aktuellen Ungleichgewichte in Leistungsbilanzen - auch dagegen hatte sich China gestellt.“ Selbst bei dem Vorhaben der G20, Ägypten und Tunesien offiziell Unterstützung zuzusichern, habe China neben anderen Mitgliedsländern verhindert, dass die G20 noch deutlichere Worte pro Demokratie fanden. Immerhin sei China von Beginn des Treffens an praktisch isoliert gewesen, und es sei dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble zu verdanken, dass sich China ein wenig bewegt habe, zitiert die Zeitung Teilnehmer des Meetings. Immerhin ebne der Deal den Weg für die nächste Etappe im G20-Prozess: die Festlegung von indikativen Richtlinien für jeden der Indikatoren.

Auch aus Sicht von Reuters ist der Kompromiss des G20-Meetings ein hart erkämpfter. Zwar verfüge man nun über eine Liste mit Indikatoren, doch jetzt stehe die Gruppe vor noch härteren Diskussionen zu der Frage, wie diese Liste zu nutzen sei. China habe verhindert, dass Währungskurse und Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen dazu zählen, doch die Frage sei ohnehin, ob es hilfreich sei, die aktuelle Liste um zusätzliche Indikatoren zu erweitern: „Das macht die Suche nach konkreten Schritten, die effektive Lösungen für die globalen Ungleichgewichte bringen, nicht leichter“, zitiert der Wirtschaftsnachrichtendienst einen Barclays-Experten. Die tatsächlichen Diskussionspunkte seien nicht vom Tisch: Die USA wolle, dass China seinen Wechselkurs anpasst, China wolle seinen Export durch niedrige Wechselkurse weiter fördern. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn habe denn auch ein Wiederaufleben nationaler Interessen beklagt, der die Wirksamkeit der G20 unterminiere. „Es ist so schwer wie nie zuvor, Einigkeit zu erzielen.“

Seite 1:

Die G20-Politik der kleinen Schritte

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Presseschau: Die G20-Politik der kleinen Schritte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%