Presseschau
Die Griechenland-Phobie der Euro-Retter

Die internationale Wirtschaftspresse fragt sich, wie es mit Griechenland weitergeht. Vor allem die zögerlichen Deutschen bekommen ihr Fett ab. Andere Leitartikler wundern sich dagegen über die hitzige Debatte.
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Schmerzvolle Tage für jeden, der Griechenland liebe, sieht ein Gastkommentator der britischen Financial Times gekommen. „Vor ein paar Monaten hätte ich noch gesagt, Griechenland habe keine Alternative, als jede Medizin zu schlucken, die Europäische Union und Internationaler Währungsfonds verordnen.“. Nun zweifle er. Andererseits sei es nicht schön, über eine Pleite nachzudenken und ihre Folgen blieben unklar. Während die Staatspleite 1932 keine schlechte Idee gewesen sei – zumal vor allem Privatanleger betroffen gewesen seien – , sehe die Situation heute anders aus.

Die Leute würden keine weiteren Einschnitte hinnehmen, wenn sie glaubten, ausschließlich überbezahlte Banker würden profitieren, ist die FT überzeugt. Schwinde ihre Unterstützung für die Sparpolitik aber, treibe Griechenland in die Pleite. „Die schlechtere Option, nicht nur für Griechenland, sondern auch für Europa.“ Es liege nun bei den europäischen Führern, sich über Kurzfrist- und Wunschdenken zu erheben und weitere Unterstützung als Teil einer plausiblen Wachstumsstrategie anzubieten. „Bei ihrer Erfolgsbilanz, sollten wir aber nicht den Atem anhalten.“

In Griechenland spitze sich die Lage immer mehr zu. Der geplante Befreiungsschlag des griechischen Regierungschefs Georgios Papandreou habe zu einer ausgewachsenen Regierungskrise geführt. Zu der auf ein stark umstrittenes Sparpaket eingeschworenen Regierung der nationalen Einheit, die dem Land und den Märkten Sicherheit gebracht hätten, werde es nicht kommen. Mit der unter dem Druck der zunehmend intensiven Proteste erhobenen Forderung der wichtigsten Oppositionspartei, seien die Differenzen zwischen Regierung und Opposition zu groß, als dass beide Parteien ohne Gesichtsverlust in einer Regierung zusammenarbeiten könnten.

Die griechische Staatsverschuldung in Höhe von schätzungsweise 158 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2011 sei ohne Zweifel ein sehr ernst zu nehmender Härtetest für den Euro, räumt die WirtschaftsWoche ein. Doch bei der anstehenden Umschuldung und der abzusehenden positiven BIP-Entwicklung Griechenlands im kommenden Jahr sei sie keineswegs ein solches Drama, wie stets aufs Neue kolportiert. „Warum also die nun schon seit mehr als einem Jahr anhaltende Griechenland-Phobie?“

Vier Antworten: „1. die Durchschlagskraft angelsächsischer Medien, 2. das schlechte, unkoordinierte und zum Teil sogar schlafmützige Schuldenmanagement im Euro-Raum, 3. die Suggestivkraft von bürgerkriegsähnlichen Straßenschlachten in Athen und 4. von allem etwas.“ Ob die Straßenschlachten inszeniert sein könnten? Für möglich hält es die Wiwo. Bevor die Unruhen etwa durch eine Militärdiktatur ein Ende finde, würden viele Milliarden Euro vor allem aus Deutschland nach Griechenland fließen. Doch selbst wenn der Euro dadurch sinke: „Am Ende der ganzen Prozedur wird der Dollar wegen der massiven, viel ernsteren Schuldenkrise der USA im Vergleich zum Euro erheblich an Wert verlieren.“

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