Presseschau
Die Krise ist wieder da

Nach Ansicht der Medien ist die Bereitschaft der Bundesregierung zur Aufstockung des Euro-Rettungsschirms ein schlechtes Zeichen: Die Krise sei nicht ausgestanden. Hinzu kommen neue Probleme auf den Kapitalmärkten.
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Die Bundesregierung will eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms nicht mehr blockieren: Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble geben dem Spiegel zufolge dem Druck der europäischen Partner und des Internationalen Währungsfonds nach und sind bereit, die restlichen Mittel des vorläufigen Rettungsfonds EFSF mit dem langfristigen Kapitaltopf ESM zu kombinieren – gleichbedeutend mit einer höheren Haftung der deutschen Steuerzahler. 

„Willkommen zurück in der Krise“, kommentiert die britische Financial Times. Selbst ein minimal vergrößerter ESM werde am Ende nicht groß genug sein. Angesichts der Größe solcher Hilfsfonds sei eine Gesamthaftung in der EU beispielsweise in Form von Eurobonds vonnöten.

Erneut sei eine rote Linien überschritten worden, kommentiert die Welt. „Mit ihrer Taktik, die Wahrheit immer nur in kleinen Scheiben zuzugeben, werden die Politiker langfristig weder die Märkte beruhigen noch die Wähler für ein Zusammenwachsen Europas begeistern.“ Jetzt sei das Grundprinzip der Währungsunion, dass jedes Land für seine Schulden verantwortlich sei, endgültig ausgehebelt worden. 

Das Handelsblatt misstraut Mario Draghis Versicherung, das Schlimmste der Euro-Krise sei vorüber. „Wenn wir über den Berg sind, warum muss dann der europäische Rettungsschirm unter Mithilfe Deutschlands auf mehr als 900 Milliarden Euro aufgestockt werden?“ Wer wissen wolle, wo wir in der europäischen Schuldenkrise wirklich stehen, sollte lieber auf Angela Merkel hören. Nach Meinung der Kanzlerin habe Europa den Krisengipfel noch nicht erreicht, und sie befürchte, dass dahinter noch viele „Krisenberge“ kommen.

In der vergangenen Handelswoche habe sich die Stimmung an den internationalen Kapitalmärkten merklich eingetrübt, analysiert die Börsen-Zeitung. Längst überwunden geglaubte Krisenängste machten wieder die Runde, was die Korrektur am europäischen Aktienmarkt verstärke. 

Der frühere Präsident der Bundesbank, Karl Otto Pöhl, rechnet zwar laut Finenews mit einem Überleben des Euro. Aber: Griechenland und womöglich auch Portugal sollten aus der Währungsunion aussteigen. Und auch Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin hält den Euro offenbar für überflüssig (siehe Abschnitt „Zugabe“).

Kommentare zu " Presseschau: Die Krise ist wieder da"

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  • Die deutsche Politik bemüht sich zur Zeit, mit allerlei eigenen und bestellten Nebelkerzen die Gemüter zu beruhigen, anstatt ihnen reinen Wein einzuschenken: Der Aufbau eines dauernden Rettungsschirms ist "endlich ohne Grenzen", um eine Formulierung Einsteins zu benutzen. Er muß auch ohne Grenzen sein, weil das Haftungsprinzip mit den neuen Vereinbarungen verlassen wird: Keiner haftet mehr für die eigenen Schulden. Da die Politiker der PIIGS+F-Staaten die Wünsche ihrer Klientel ohne weitere Schulden nicht erfüllen können und zu einer Stärkung der Wirtschaftskraft ihrer Länder noch nicht einmal Vorstellungen entwickelt haben, wird das Schuldenmachen weiter gehen. Die Annahme, daß das über einen Fiskalpakt in der vorliegenden Form gestoppt werden könnte, ist mehr als lächerlich. Wenn dann auch die bisher noch positiv bewerteten wenigen EU- Länder (es sind ja nur noch drei) die europäischen Schulden nicht mehr aufbringen können, wird man es über Eurobonds versuchen, um die Zinsen der Schuldenfinanzierung in den Griff zu bekommen oder überhaupt noch Investoren auf dem Kapitalmarkt zu finden, die Staatsanleihen kaufen.
    Aus der Sicht dieses Landes muß man korrekterweise davon ausgehen, daß es bereits zu 300% BIP (7.0 Bio. Euro Schulden zu 2,5 Bio. Euro BIP) verschuldet ist mit steigender Tendenz. Dem gegenüber steht ein privates Nettogesamtvermögen von 10,0 Bio. Euro, das sich zu 70% voraussichtlich im außereuropäischen Ausland befindet. Der Hinweis auf Zwangsanleihen bzw. Zwangshypotheken ist angesichts dieser Zahlen lachhaft. Angemessener wäre schon die Empfehlung für Schäuble, Konkurs anzumelden, damit er später nicht auch noch wegen Konkursverschleppung sitzen muß.

  • So sehe ich das auch.
    Letztlich ziehen die Plünderer und die Heuschrecken ja immer weiter.
    Und vielleicht geht es uns sogar besser, wenn sich, sagen wir mal, 5 Billionen Deutsches Geld in Luft auflösen.

    Diese fetten Menschen auf der Straße, Rentner, die nach Afrika reisen, Kik- und Kak-Läden für Plastikmist und Fummel, Milliardäre, Zweitwagen und Motorboote: das hört dann alles auf. Dafür wieder harte Arbeit, gesundes Schwarzbrot, gegenseitige Hilfe, arm aber ehrlich.

  • @ hallowach

    Gut das uns mal einer wachrüttelt. Das fehlte mir ja noch. Zwangshypotheken auf meine Häuser. Dann müsste ich ja die Belastungen auf meine Mieter abwälzen. Am Ende vergreift sich Schäuble noch an das gesparte. Werde mein Depot wohl kurzfristig ins Ausland verlagern. Wir brauchen wieder eine Führung die Privateigentum sichert.

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