Presseschau: Die Neuordnung des Weltfinanzmarktes

Presseschau
Die Neuordnung des Weltfinanzmarktes

Die internationale Wirtschaftspresse sieht eine Neuordnung des Weltfinanzmarktes zugunsten der Schwellenländer aufkommen. Der Economist hält wirtschaftspolitische Ratschläge für den neuen Labour-Chef Ed Miliband bereit. Die Economic Times erklärt, wie der A8 von Audi zum Bestseller in Indien werden soll. Fundstück: Wofür die Gier der Wall Street gut ist.
  • 0

„Westgeld ist nicht mehr alles“, übertitelt die Financial Times Deutschland einen Kommentar zur wachsenden Bedeutung der Schwellenländer auf dem globalen Finanzmarkt. Nicht nur Fakten würden dafür sprechen - etwa die geografische Verteilung der Top 100 der größten Finanzunternehmen nach Marktkapitalisierung, die Dominanz chinesischer Banken oder Finanzzentren wie Hongkong oder Singapur. Die Vorherrschaft der westlichen Geschäftsmodelle werde auch vom Westen selbst untergraben: „Ikonen wie Merrill Lynch sind tot, und einige der weltweit einflussreichsten Namen wie die US-Notenbank, die amerikanische Börsenaufsicht SEC oder die britische FSA mussten schwere Fehleinschätzungen eingestehen.“

Chinas, Indiens und Brasiliens Aufsichten hätten dagegen erfolgreich Finanztumulte vermieden, schreibt das Blatt weiter. Zudem fühlten sich die Volkswirtschaften der Schwellenländer nicht für die Krise verantwortlich. „Entsprechend niedrig ist nun die moralische Autorität des Westens.“ Die Folge: „Basel III dürfte das letzte größere internationale Regelwerk sein, das praktisch ausschließlich von den Industrienationen ausgehandelt wurde.“ Im Zuge der Neuordnung des Weltfinanzmarkts könnten etablierte Geldinstitute mithilfe ihrer Fähigkeiten und ihrer Innovationskraft aber ihren Wettbewerbsvorteil bewahren und sich auch global erfolgreich weiterentwickeln. Die Entscheider müssten offen eingestehen, dass sich die globale Finanzgeografie für immer verschiebt. „Wer sich als Etablierter jetzt auf ein vermeintliches Erbrecht verlässt, wird der nächste Verlierer im globalen Finanzspiel sein.“

Die Financial Times aus London sieht die Schwellenländer dagegen noch in der Warteposition: „Bei Finanzdienstleistungen hat die westliche Welt noch das Sagen.“ Basel III sei ein Beispiel, wie die entwickelten Länder noch immer das globale Finanzwesen formten: „Die Reformen mögen als Antwort auf die Krise wichtig sein für die Banken der Industrienationen, für die Banken der Schwellenländer haben sie aber kaum Relevanz. Diese habe stabile Bilanzen und wenig Fremdkapital.“ Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis Länder wie China oder Brasilien „ihre Muskeln spielen lassen“ und eine größere Rolle im globalen Finanzsystem übernehmen würden: „Ihre wirtschaftliche Bedeutung und ihr Einfluss wächst, das wird zwangsläufig dazu führen, dass sie aktiver den Finanzsektor gestalten.“ Ihre Märkte und Bankensysteme seien jedoch noch nicht ausgereift, sie müssten sich noch weiterentwicklen, bis sie auch auf internationalem Parkett bestehen könnten.

Eine Verschiebung im „Investment-Universum“ zugunsten der Schwellenländer progonstiziert Reuters. Verursacht werde dies durch die Industrienationen: „Eine Flut an preiswertem Geld, die aktuell von den Zentralbanken der westlichen Welt ins globale Bankensystem gepumpt wird, führt zur Abwertung des Dollars und attraktiven Kapitalgewinnen in den Schwellenländern“, erklärt der Wirtschaftsdienst. Denn das Versprechen der Fed, noch mehr Geld zu drucken zur Stabiliserung der US-Wirtschaft, Japans Intervention beim Yen und die Forderung an Großbritannien, seine Geldmarktpolitik zu lockern, resultierten in anhaltend niedrigen Zinssätzen in den Schwellenländern. Statistiken belegten bereits, dass diese mehr Geldströme verzeichneten. „Damit verwischen die Grenzen zwischen den entwickelten Staaten und den Schwellenländern. Letztere haben sich weiterentwickelt. Wir bewegen uns auf eine Welt zu, in der der Unterschied zwischen beiden Seiten an Bedeutung verliert.“

Seite 1:

Die Neuordnung des Weltfinanzmarktes

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Presseschau: Die Neuordnung des Weltfinanzmarktes"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%