Presseschau
Die Sucht der Banken nach EZB-Geld

Die Rekordnachfrage der Banken nach milliardenschweren EZB-Krediten polarisiert die Medien: Wie schlimm ist es um die Institute bestellt? Und wohin führt die Hintertür zur Staatsfinanzierung?
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Ein „Weihnachtsgeschenk für 523 europäische Banken“ sieht La Tribune in der rund 500 Milliarden schweren Liquiditätsspritze der EZB. „Soviel wurde seit der Schaffung des Euro nicht ausgeschüttet.“ Die EZB verschaffe den Banken neue „Luft“ und ermögliche es ihnen, mit Staatsanleihen Geld zu verdienen. „Wenn der Plan aufgeht, können sich die Eurozonen-Mitglieder so mit Geld ausstatten, doch das Risiko, dass bei einem Staatsbankrott die Verluste steigen, wird damit auch größer“, gibt das Blatt zu bedenken. Auch habe die EZB eine neuerliche Liquiditätsspritze für den 29. Februar 2012 in Aussicht gestellt: „Bei den geringen Anforderungen, die die EZB an Garantien stellt, könnte das den Bankensektor neuerlich verführen.“  

Die Börsen-Zeitung sieht viele Gründe, die Rekordnachfrage nach dreijährigen Ausleihungen der EZB als bedenkliche Wegemarke zu sehen. „In welche Bredouille sind die Banken des Euroraums denn überhaupt geraten, dass sie solche Unsummen nachfragen müssen?“, fragt das Blatt. Öffne sich durch die langen Laufzeiten nicht eine Hintertür zur Staatsfinanzierung und drohe nicht stärkere Inflation? Bei allen Fragen tendiert das Blatt letztlich doch zu einer positiven Beurteilung. Die Zurückhaltung der Banken wäre ein noch fataleres Signal gewesen. Dass sich die Banken mit frischem EZB-Geld an der Staatsfinanzierung beteiligen, könne zwar nicht ausgeschlossen werden, doch die Banken dürften kaum gewillt sein, sich wackelige Peripheriepapiere in die Bücher zu holen. 

Die britische Financial Times zeigt sich von der hohen Nachfrage der Banken nicht sonderlich überrascht. Die nervösen Märkte hätten den Finanzinstituten bisher den Hahn zugedreht. Die Angst vor dem Kollaps einer systemrelevanten Bank dürfte damit etwas beruhigt werden. Die Frage sei nun, was mit dem Geld geschehen werde. Idealerweise werde das Geld in die Realwirtschaft fließen, doch die Erfahrungen der vergangenen drei Jahre zeigten, dass die Banken das Geld horten werden, aus Furcht vor stürmischen Zeiten im kommenden Jahr. Die Kreditklemme dürfte damit kaum behoben werden, jedoch werde der Druck von den Banken genommen. Es sei wahrscheinlich, dass ein Teil des Geldes in europäische Staatspapiere fließen werde. Abgesehen von den Bundesanleihen böten alle Papiere gute Zinsen und eigneten sich als „netter, kleiner Gewinnbringer“. Die FT gibt jedoch zu bedenken, dass gerade die Sorge um die Belastung der Banken mit unsicheren Staatspapieren die Finanzhäuser erst in die schwierige Lage geführt habe. Noch mehr von ihnen zu kaufen, löse den Teufelskreis nicht. 

Die Süddeutsche Zeitung begrüßt, dass die EZB „grenzenlos Geld in die Institute pumpt“. Die reale Gefahr eines Banken-Ruins sei heute sogar größer als im Lehman-Jahr 2008. Die Sorge vor steigender Inflation sei dagegen unbegründet. Dazu könne es nur kommen, wenn die Banken das Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpten. „Sie horten das Geld wie Onkel Dagobert seine Taler im Geldspeicher“, meint die SZ. Die Aktion müsse als Nothilfe gesehen werden, das Problem sei jedoch, dass die Banken mittlerweile süchtig nach solchen Hilfen geworden seien. Die Lösung des Problems könne nur darin bestehen, die Finanzmärkte zu überzeugen, dass kein Euro-Staat pleite gehen werde.

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  • "Die Wirklichkeit vor der Tür ist eine andere als in der Tagesschau, dem heutejournal und den "Quatschautomaten" in den Polittalkshows !"

    Schon klar, daß man irgendwie nur debilen Stuss absondert, wenn man das da oben für Informationen hält und sich lieber seine Infos bei "Schwach & Sinn" abholt.

    "Systemling"

    Uh, die Sprcahe des Analsozialismus ...

  • @@alle_ueber_mir

    Die haben doch sonst nix ausser ihrer EuroNeurose und ihren "DIE WELT GEHT UNTER! (KREIIIISCH!!!)"-Schildern, kein Leben, keine Freunde, keine Interessen nur diese anale Fixierung auf ein Thema, als ob's nicht Millionen spannender Dinge gäbe.

    Noch schlimmer: Die denken allen Ernstes, sie würden etwas von der komplexen Materie verstehen, nur weil sie irgendwo einen hysterischen Artikel gelesen haben - und schon kreischen sie "Hyperinflation" - und verstehen nicht einmal ansatzweise, daß es für die letzte 2 verlorene Kriege brauchte. Egal, Hauptsache PPPPAAAAANNNIK.

    Unterbelichtete, ungebildete, uninformierte Wichtigtuer, durchmengt mit BLÖD-verseuchten Hartz-IV Neid und der völkischen Hoffnung, das "SYSTEM <kreisch>" scheitert und es gibt endlich wieder Arbeitsplätze für debile Sadisten.

    Aber, hey, damit müssen wir leben. Nur - schweigen müssen wir natürlich nicht ;-)

    Es ist nämlich vor allem _unser_ Land.

  • Haben Sie eigentlich auch noch einen zweiten Text, den Sie mit Copy & Paste überall hin kopieren können, oder ist das das einzige, was Sie nach stundenlangen Mühen zusammengestoppelt bekommen????

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