Presseschau
Die Welt braucht keinen Währungskrieg

Die internationale Wirtschaftspresse warnt in der sich zuspitzenden Währungsdebatte vor den Folgen eines möglichen Währungskrieges. Der Economist fordert mehr Beachtung für Mikroökonomie. Die Börsen-Zeitung jubelt über den Vorschlag für die Nachfolge Thilo Sarrazins bei der Deutschen Bundesbank. Die Business Times registriert einen neuen Trend zu Nationalismus. Fundstück: Ein wahrlich elektrisierendes Geschäft.
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„Die widerstreitenden Interessen in der Währungspolitik werden zur größten Gefahr für die Konjunkturerholung“, warnt die Financial Times Deutschland. Die US-Notenbank Federal Reserve habe ein weiteres Programm der Stützungskäufe amerikanischer Anleihen angekündigt - eine Politik der quantitativen Lockerung, die nicht nur der Europäischen Zentralbank äußerst ungelegen käme, habe sie doch gerade den langsamen Ausstieg aus ihrer Niedrigzinspolitik angedeutet, oder in Deutschland den Export aufgrund eines möglicherweise überbewerteten Euros einbrechen lassen würde, sondern auch globale Folgen habe: „Würde sich die Fed als Weltzentralbank verstehen, eine Rolle, die sie wegen des Dollar als Weltreservewährung indirekt innehat, dann wäre sie sicher vorsichtiger im Umgang mit der quantitativen Lockerung.“ Dann hätte sie die Wechselkurs- und Kapitalflussauswirkungen genau im Auge, denn eine quantitative Lockerung führe nicht nur zu einem Fall des Wechselkurses, sondern erhöhe auch die Kapitalflüsse aus den USA in die Schwellenländer. „Dies wiederum nährt die globalen Ungleichgewichte und indirekt das Risiko einer neuen Finanzblase.“

Auch die Wall-Street-Journal-Schwester MarketWatch sieht die Währungsmanipulationen und das exzessive Drucken von Geld kritisch und meint obendrein, dass die bisherige Aufwertung des Yuan um zwei Prozent seit Juni beachtlich, aber manchen offenbar nicht genug sei. „Wir befinden uns nicht in einem Währungskrieg, aber es scheint so, als ob einige Beteiligte - darunter US-Finanzminister Timothy Geithner - auf einen Kampf aus sind.“ Der US-Congress habe sich eingeschaltet. Das würde unter anderen ökonomischen Bedingungen Sinn machen, aktuell aber wäre es unklug: „Wir brauchen keinen Währungskrieg und auch keine weiteren, von der Politik inspirierten Handelsbeschränkungen. Eins von beiden, oder beides, wird die Lage unsere Wirtschaft nur noch verschlimmern.“

Trotz der „Rufe nach Ordnung“ von Zentralbankern und Währungsexperten in der aktuellen Währungsdebatte, glaubt das Portal Daily Finance, dass die involvierten Politiker es mit einem zunehmend gefährlichen Szenario zu tun haben, an dessen Ende kontraproduktive Ergebnisse und unbeabsichtigte Folgen stehen könnten: „Es könnte eine Verschiebung hin zu protektionistischen Haltungen nach sich ziehen, die alle Beteiligten nur schaden würde.“ Die Maßnahmen in Japan zeigten bislang nicht die gewünschte Wirkung auf den Yen. In Europa könne eine Aufwertung des Euro die Hoffnung auf eine exportgestützte Erholung gerade in den südeuropäischen Ländern zunichte machen. Und China warne vor Unruhen und ökonomischen Folgen bei einer massiven Aufwertug des Yuan. Wozu also ein Währungskrieg? Da bliebe nur die Hoffnung, dass mit den zunehmenden Spannungen die Liste derer wachse, die zu Ruhe mahnten.

Der australische Business Spectator zeigt Verständnis für die Haltung Chinas, eine massive Aufwertung des Yuan würde soziale Konflikte im Reich der Mitte auslösen und die globale Stabilität gefährden. Abgesehen davon, dass US-Unternehmen von den niedrigpreisigen Importen aus China profitierten und unter einem stärkeren Yuan leiden würden, müsse das Land tatsächlich Negativentwicklungen befürchten: „Eine höher bewertete Währung würde die Mittelklasse zu mehr Konsum anregen, die Armen dagegen nicht, weil sie sich kaum Importe leisten können.“ Chinesische Banken würden bei einer Aufwertung Verluste mit ihren US-Dollar-Anlagen schreiben. Und schließlich könnten Unternehmen wie Wal-Mart oder Hewlett Packard bei steigenden Kosten ihr Engagement in China reduzieren, die Arbeitslosenquote würde somit steigen. „Wir dürfen den sozialen Druck in China nicht unterschätzen. Als die Nachfrage aus den USA während der Krise sank, wurden 20 Millionen Chinesen arbeitslos. Eine Aufwertung des Yuan mag aus Sicht der westlichen Welt Sinn machen, aber China würde sie hart treffen.“

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