Presseschau: Die Weltwirtschaft bleibt im Zangengriff der Krise

Presseschau
Die Weltwirtschaft bleibt im Zangengriff der Krise

Die Wirtschaftspresse zieht eine düstere Bilanz des Finanz- und Wirtschaftsjahres 2011. Und blickt mit Skepsis in die Zukunft. Das Vertrauen in in die Politik fehle auch zu Beginn des Neuen Jahres.
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„Vertrauensentzug“ sei das Phänomen des Jahres 2011, konstatiert die Börsen Zeitung. „Das Vertrauen, dass der Euro eine stabile Währung mit Zukunft sei: verloren. Die Zuversicht, dass die Politik in der Lage sei, Krisen zu lösen: geschwunden. Die Annahme, dass europäische Staatsanleihen sichere Anlagen seien: widerlegt.“ Die Welt sei 2011 auf  „watch negative“ gesetzt worden, und die Bürger brächten die „Herabstufung“ längst zum Ausdruck, in Demonstrationen, in der Occupy-Bewegung, in Wahlen. „Politik ist kurzatmig geworden, hechelt von Krisengipfel zu Krisengipfel. Da nimmt es nicht wunder, dass die Stimmung bei Investoren und Produzenten schlechter ist als die Lage, dass der Blick in die Zukunft von Skepsis bestimmt ist.“ Eine der wenigen Institutionen, die noch das Vertrauen der Bürger und der Märkte genieße, sei die EZB: Sie stehe deshalb 2012 besonders unter Beobachtung.

2011 sei ein „Jahr der Krabbe“ gewesen, und 2012 könnte ein weiteres werden, argwöhnt die Financial Times. Wie eine „Krabbe“ hätten sich Wirtschaft und Märkte 2011 nur seitwärts bewegt. Kleine Vorwärtsbewegungen, befördert durch die Geldpolitik der Notenbanken, seien stets durch negative Nachrichten aus der Eurozone oder die Prognose negativer, makroökonomischer Daten ausgebremst worden. Die Chancen, dass der Weltwirtschaft ein Neuanfang gelingt, stünden aufgrund der Prognosen zum Wirtschaftswachstum, nur bei zehn Prozent. Ein Desaster in der Eurozone sei zu 20 Prozent wahrscheinlich: „Die Sparpläne werden die Rezession befeuern, und die politischen Entscheidungsträger lassen kaum hoffen.“ Somit bleibe die „Krabbe“, mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent. „Die Märkte werden sich erneut seitwärts drehen, um damit auf politische und ökonomische Entwicklungen zu reagieren, und alle Risiken eines Zusammenbruchs verhindern“, prognostiziert die Zeitung. 

Report on Business aus Kanada sieht im Jahresende 2011 deutliche Parallelen zum Jahresende 2008: Wie damals halte eine Finanzkrise die Welt gefangen, wie damals drohe in vielen Staaten Rezession, wie damals habe die Flucht der Investoren in neue Sicherheiten die Preise abstürzen lassen. Zwar seien die Märkte zu Beginn des neuen Jahres 2012 nicht in einem solch katastrophalen Zustand wie im Januar 2009. „Doch 2012 hat mit vielen unbeantworteten Fragen begonnen, und es kann in den kommenden Wochen und Monaten noch eine Menge schief gehen.“ Investoren müssten sich auf ein weiteres turbulentes Jahr an den Märkten einstellen, verursacht durch politische Instabilität und Risiken, gepaart mit niedrigen Wachstumsraten und niedrigen Zinssätzen. Besorgnis erregend aber sei vor allem, dass die Weltwirtschaft noch nicht im Tal der Rezession angekommen sei: „Wir befinden uns noch auf dem Abwärtstrend, und das wird jeden sachten Aufschwung ersticken.“

2011 sei ein Jahr, das zur Demut mahne, resümiert die Japan Times. Sämtliche Ereignisse hätten gezeigt, dass sich die Zukunft weder vorhersagen noch nach Belieben formen lasse. Gefahrenquellen seien zwar gut auszumachen, doch wie sich Gefahren dann offenbarten, sei nicht vorhersehbar. Dies zeige zum Beispiel das Erdebeben im März in Japan, oder der Arabische Frühling. Verwirrend sei auch der Fast-Zusammenbruch Europas als Folge wirtschaftlicher Unglücksfälle und politischer Fehlentscheidungen. In Amerika seien ebenfalls politische Spielchen gespielt worden, als es darum ging, Verantwortung für Schulden und finanzielle Verpflichtungen zu übernehmen. Überhaupt ignorierten Regierungen die Tatsache, dass ihre politischen Entscheidungen oft kaum tragbar seien, viel kosteten und menschliche Existenzen damit verknüpft sind. In allen Bereichen von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft müssten daher so viele Sicherheitsmaßnahem wie möglich ergriffen werden, um Risken generell zu minimieren. „Traurigerweise haben wir gezeigt, wie wenig Talent wir haben, aus unseren Fehlern zu lernen.“

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