Presseschau
Draghi muss sich als Inflationsbekämpfer behaupten

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Nominierung von Mario Draghi als Nachfolger von EZB-Chef Trichet. Und das Fundstück der Presseschau: "CIA brachte DSK zu Fall".
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Das Wall Street Journal sieht hauptsächlich drei große Aufgaben für das italienische "Top-Talent": Zum einen müsse er die Unabhängigkeit der Zentralbank gegenüber der Politik wahren, nachdem sich die EZB - ohne das entsprechende Mandat zu besitzen - in den vergangenen Jahren immer stärker bei Bailouts von einzelnen Ländern engagiert habe. "Ob Mister Draghi die Überzeugung und Autorität hat, sich gegenüber Paris, Berlin und Rom zu behaupten, bleibt abzuwarten, aber die Zukunft des Euro könnte davon abhängen." Daneben komme es für Draghi darauf an, die immer größer gewordene Lücke zwischen den EU-Mitgliedsländern im Auge zu behalten, ohne die Inflation aus dem Auge zu verlieren. Schließlich müsse Draghi die bisherige "surreale und gefährliche" Haltung der EZB gegenüber einem möglichen Schuldenschnitt in Griechenland aufgeben, weil die Glaubwürdigkeit der EZB in Bezug auf die Krise und grundsätzlich auf das europäische Experiment rasant sinke.

Die Börsen-Zeitung zeigt sich, obwohl es unter Ökonomen offenbar keine Kritik an der Personalie Draghi gebe, skeptisch. Das größte Manko des Italieniers: Draghi sei mehr Politiker als Ökonom, seine Stärke liege eher in Fragen der Regulierung als in der Geldpolitik. Schon heute zeichne sich die Gefahr ab, dass die Währungshüter aus Rücksicht gegenüber den Krisenländern zu langsam gegen die heraufziehenden Inflationsgefahren vorgingen. Doch "anders als in der Politik üblich muss das Ziel der Geldpolitik eindeutig sein und darf nicht das Ergebnis eines Kompromisses sein." Vor diesem Hintergrund müsse sich der neue EZB-Chef die Reputation für eine kompromisslose antiinflationäre Politik noch erarbeiten.

Die Welt hebt hervor, dass Draghis Nominierung in zweierlei Hinsicht eine gute Entscheidung für Europa sei. Nicht nur bekomme der in der Schuldenkrise erschütterte Euro einen "fähigen Steuermann". Hinzu komme, dass seine Nominierung ein Beleg dafür sei, wie weit die europäische Integration fortgeschritten sei - denn Draghis Herkunft aus einem "Weichwährungsland" sei kein K.O.-Kriterium gewesen.

Neuer IWF-Chef aus eigenen Reihen

Der Wirtschaftsdienst Bloomberg spricht sich für einen personellen Neuanfang beim IWF aus. Mit Blick auf die als Nachfolger von Strauss-Kahn gehandelten Axel Weber und Christine Lagarde bemerkt Bloomberg: Der Top-Job sollte weder ein "Trostpreis" für jemanden werden, der aus dem Rennen um die EZB-Spitze ausgeschieden ist, noch ein Sprungbrett für die französische Präsidentschaft. Stattdessen müsse der IWF-Chefposten angesichts der hohen Bedeutung des IWF in der aktuellen Situation der Höhepunkt einer Karriere sein. Ähnlich wie bei den Zentralbanken müsse der IWF seine Führungskräfte aus den eigenen Reihen rekrutieren dürfen, statt frühere Politiker oder Finanzminister dorthin abzuseilen. Auch die Frage, ob der neue IWF-Chef am Ende aus Europa komme oder nicht, sei nicht wichtig. Zentral sei dagegen, dass der Strauss-Kahn-Nachfolger über das nötige Wissen, die Expertise und die Vision verfüge.

Die britische Financial Times verabschiedet Strauss-Kahn in höchsten Tönen von seinem IWF-Chefposten. Anders als zunächst vom Kommentator erwartet, sei der Franzose der richtige Mann im richtigen Job zur richtigen Zeit gewesen; er sei ein Mann der klaren Entscheidungen, ein effizienter Politiker und kompetenter Ökonom. Strauss-Kahn gehöre zu den wenigen europäischen Politikern, denen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ihre Aufmerksamkeit geschenkt habe. Er habe in den entscheidenden Momenten die Europäer zusammengeführt - sogar die in sich geteilte deutsche Regierung. "Ich kann mir nicht vorstellen, wer ihn ersetzen könnte. Angesichts der vielen Spaltungen in Europa und der komplexen und nervenaufreibenden Entscheidungen, die anstehen, wird sein Fehlen deutlich zu spüren sein."

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  • Draghi muss das tun was richtig und im allegemeinen Interesse für die Eurozone ist!
    Deutschland gehört auch dazu.

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