Presseschau
Droht nun ein neuer Währungskrieg?

Die Bindung des Franken an den Euro ist nach Meinung der Wirtschaftspresse notwendig, aber riskant. Viele Anleger sind auf der Suche nach einem neuen sicheren Hafen. Manche befürchten sogar einen weiteren Währungskrieg.
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Die Schweizerische Nationalbank will künftig einen Kurs des Franken von weniger als 1,20 Franken je Euro nicht mehr akzeptieren. Die Süddeutsche Zeitung hofft, dass die Schweizer Entscheidung etwas Ruhe in die Euro-Debatte bringen wird. Ausgerechnet in dem Moment, da die meisten Deutschen das Vertrauen in die Einheitswährung verloren hätten, flüchte nun die Schweiz auf die Seite des Euro. Dies sollte allen „D-Mark-Aposteln“ zu denken geben, schließlich zeige dies, dass kein Land sich isolieren könne. Jedes fünfte Schweizer Unternehmen habe bei steigendem Franken die Insolvenz befürchtet. „Wer der deutschen Exportindustrie, ihren Beschäftigten und Aktionären vergleichbare Perspektiven eröffnen will, der muss schon sehr mutig sein“, schreibt die SZ. Überhaupt sei Hysterie wenig hilfreich. Weder die „Griechenland raus aus dem Euro“-Strategie noch die Einführung der Euro-Bonds seien vernünftige Lösungen. Vielmehr bedürfe es weiterer Reformen in Griechenland, einer gemeinsamen Finanzpolitik Europas, klarer Stabilitätskriterien und gemeinsamer Regeln für die Finanzmärkte.

Die Einführung einer Untergrenze für den Wechselkurs des Schweizer Franken zum Euro sei eine „unkonventionelle, aber wohl nötige Maßnahme“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Die Flucht in den Franken und wechselnde spekulative Erwartungen hätten der Exportwirtschaft zugesetzt. Die „Gefahr eines schwerwiegenden Schocks für die Schweizer Wirtschaft wurde immer realer“, kommentiert die NZZ. Die Wirksamkeit der Neuerung hänge vom Vertrauen der Anleger gegenüber den Notenbankern der Alpenrepublik ab. Theoretisch sei das Risiko sehr groß. Vor allem wegen Verwerfungen im Euro-Raum könnten die Schweizer gezwungen sein, riesige Mengen Fremdwährungen aufzukaufen, um den Franken zu stabilisieren. Die eigentliche Gefahr dabei liege in einer Inflation. 


Nachdem der Schweizer Franken als sicherer Hafen für Anleger weggefallen sei, bringt der Business Spectator den Australischen Dollar als Ersatz ins Gespräch. Die Entscheidung der Schweizer könnte für Australiens Währung eine Zeitbombe sein. Riesige Liquiditätsreserven weltweit seien auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten. Nachdem der Franken nun an den Euro gebunden sei, bleibe eigentlich nur noch Gold als sichere Anlage. Angesichts der hohen Leitzinsen in Australien könnte der dortige Dollar bald auch eine ähnliche Rolle einnehmen. „Es ist zwar nicht nötig, den Schweizern bei ihrer Entscheidung zu folgen“, schreibt die Zeitung. Jedoch müsste die Zinspolitik der Zentralbank überdacht werden.

„Sogar die Krisengewinner beginnen zu leiden“, schreibt das Wall Street Journal zu dem Thema. Die Euro-Bindung sei ein riskantes Spiel. Zwar sei die Grenze von 1,20 Franken pro Euro durchaus zu verteidigen, schließlich bleibe der Franken bei diesem Kurs noch immer überbewertet, gemessen an der Kaufkraft. Die Spannungen in der Euro-Zone nähmen jedoch zu, und die Investoren könnten trotzdem in den Franken strömen und die Entschlossenheit der Schweizer Zentralbanker testen, insbesondere da diese auf eigene Faust handelten. International habe die Reaktion nicht lange auf sich warten lassen. Die Suche nach sicheren Anlagen habe nicht nur die Norwegische Krone, sondern auch Gold zu Höchstpreisen getrieben. Andere Ländern, allen voran Japan, könnten nun der Schweizer Entscheidung folgen. „Politiker müssen nun aufpassen, dass dies nicht die erste Salve in einem Währungskrieg wird, der zu Protektionismus führt“, warnt das WSJ.

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  • Die CH ist ein Teich, ein DM - Währungsraum ein Meer. Kippt man eine Menge x in einen Teich schwillt der Pegel, im Meer wäre der Anstieg moderat. Ich bin aber zu faul, um mich mit weieren umsinnigen Betrachtungen des Autors auseinanderzu ZZ ZZ

  • Zwar nicht wirklich neu, aber eine gute Zusammenfassung. Und die Reaktionen von SPD und am allerverantwortungslosesten und undemokratischsten von den Grünen belegen, dass Rot-Grün ganz gewiss keine Alternative ist. Derzeit formiert sich eine vielversprechende Alternativpartei mit klarer Ansage gegen die Ausschaltung aller demokratischen Instrumentarien durch den ESM, der skandalöserweise, wie gerade bekannt geworden selbst das in letzter Zeit permanent gegen Bürgerinteressen entscheidende Bundesverfassungsgericht nichts entgegensetzt. Da bleibt dann notfalls tatsächlich nur noch der organisierte Widerstand - Verweigerung von Steuerzahlungen, permanente Proteste auf den Straßen, Beiträgen auf den einschlägigen Foren zum Thema und Abwahl aller Parteien, die diesem Wahnsinn zustimmen. So macht man Europa und die Demokratie wirklich kaputt, denn den EU-Bürokraten fehlt jede demokratische Legitimität.

  • der chf im sonderangebot - danke - greift zu solange der vorrat reicht.

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