Presseschau
Ein historischer Sieg für die US-Regierung

Die internationale Presse begrüßt die Verurteilung von Raj Rajaratnam im größten US-Insiderhandel-Prozess, Respekt für Silvana Koch-Mehrin nach ihrem Rücktritt, und Easyjet spielt das Inflations-Orakel. Die Presseschau.
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DüsseldorfDie Verurteilung des Hedge-Fonds-Gründers Raj Rajaratnam sei mit Abstand der größte Sieg der amerikanischen Regierung in ihrem Kampf gegen den Insiderhandel in der Fonds-Branche, schreibt die Wirtschaftsagentur Reuters. Die Untersuchungen hätten insgesamt in den vergangenen zwei Jahren zu 34 Verurteilungen gegen Wall-Street-Experten, Insider und Anwälte geführt. In einem zweiten Artikel stellt Reuters jedoch die Methoden der Staatsanwaltschaft in Frage, deren Beweise größtenteils aus abgehörten Telefonaten stammten. Eine Abhöraktion sei nur möglich gewesen, weil gegen Rajaratnam zunächst wegen Geldwäsche ermittelt worden sei – ein Delikt, das diese Methode rechtfertigen würde. Insiderhandel gehöre allerdings nicht dazu. Der Fonds-Gründer werde mit großer Wahrscheinlichkeit in Revision gehen.

Die Financial Times findet den Schuldspruch nicht nur begrüßenswert, sondern auch wichtig. Willkommen sei er, weil auf beiden Seiten des Atlantischen Ozeans die Meinung geherrscht habe, Geschworene könnten komplexen Betrugsfällen nicht in Gänze folgen. Dies habe Kläger oft davon abgehalten, Fälle vor das Gericht zu bringen, aus Angst, sie zu verlieren. „Die Lektion aus der Verurteilung ist, dass die Behörden Fälle von Insiderhandel aggressiver verfolgen sollten“, fordert das Blatt. In der Vergangenheit sei man „zu nachlässig“ gewesen. In Großbritannien seien etwa 30 Prozent der wichtigen Unternehmensmitteilungen „ungewöhnliche Preisschwankungen“ vorangegangen. „Nur eine nachdrückliche Strafverfolgung kann den Angst-Faktor für die Schurken erhöhen“, glaubt die Financial Times. Angesichts immer aggressiverer Beschaffung von Informationen durch professionelle Investoren sei es für die Behörden an der Zeit, härtere Saiten aufzuziehen.

„Läutet die Glocken“, stimmt das US-Magazin Fortune einen Artikel zu dem Thema an. „Der Regierung ist es gelungen, jemanden bei der Abzocke derer zu überführen, die ihre finanzielle Zukunft den Finanzmärkten anvertrauen“, freut sich das Blatt. Raj Rajaratnam drohten nun 20 Jahre hinter Gittern. „Auf dass sie den Schlüssel wegwerfen“, poltert das Magazin. Die Regierung habe einen wichtigen Sieg in einem bisher „oft erniedrigenden Kampf gegen die Schurken von der Wall Street erzielt, die beinahe die Welt in die Luft gejagt haben“. Seit 2008 hätten die Ermittler nur einen einzigen hochkarätigen Fall von Insiderhandel vor Gericht gebracht, gegen zwei Hedge-Fonds Manager von Bear Stearns, und seien damit gescheitert. Die gestrige Verurteilung sei eine gute Nachricht für alle, deren Rentenersparnisse davon abhingen, dass Märkte nicht von solch „gierigen, nihilistischen Dummköpfen wie Rajaratnam gemolken werden“.

Respekt für Koch-Mehrin

Das Internetportal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung Der Westen empfindet Respekt angesichts des Rücktritts der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin. Lange Zeit habe sie zu den Vorwürfen geschwiegen, bevor sie sich nun am Mittwoch mit einem „Paukenschlag“ gemeldet habe. Anders als Ex-Minister zu Guttenberg habe sie sich und ihrer Partei so einen „Abschied auf Raten“ erspart. „Dafür verdient sie Respekt“, schreibt das Portal. Für die ehemalige Hoffnungsträgerin der FDP sei dies das „jähe Ende eines steilen Aufstiegs“. Die Frage, ob Koch-Mehrin wirklich getäuscht habe, sei damit noch nicht geklärt. Es sei jedoch zu vermuten, dass die Politikerin nicht die letzte bleiben werde, die über einen Doktortitel stolpern werde. „In akademischen Kreisen herrscht bereits eine gewisse Unruhe“, will die Seite erfahren haben.

Die Welt sieht das Schicksal von zu Guttenberg und Koch-Mehrin als heilsame Warnung für die Politiker. In den USA sei die Ausleuchtung der politischen Rivalen bis in den letzten Winkel ihres Lebens längst eine äußerst wirksame Wahlkampfmethode geworden, die als Gegnerforschung bezeichnet werde. Diese werde von beiden großen Parteien praktiziert und habe bereits schon viele Opfer gefordert, die geendet seien wie zu Guttenberg und Koch-Mehrin. In Deutschland habe man noch nicht begriffen, wie sehr sich ein vermeidbarer Fehler rächen könne.

Das Magazin Wirtschaftswoche bezeichnet Griechenland als Milliardengrab für Hilfen, für die am Ende vor allem die deutschen Steuerzahler gerade stehen müssten. Die Rettung des Landes werde zum Desaster. Falls die Gerüchte über einen weiteren Bedarf an 60 Milliarden Euro für Griechenland sich bewahrheiteten, beliefen sich die Kredite und Bürgschaften bereits auf 170 Milliarden Euro für das kleine Land mit etwa 11 Millionen Einwohnern. Wirtschaftsexperten seien dagegen überzeugt, dass Griechenland bei einer Verschuldung von 150 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung das Geld nie werde zurückzahlen können. „Es ist faktisch pleite, doch die Regierungschefs ignorieren das“, so das Magazin. Wenn die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble Griechenland weiter Geld leihen wollten, dann sei das „fast schon kriminell“. Damit treibe man das Land weiter in die Schulden, statt für einen Abbau der Last zu sorgen. Der einzige realistische Weg dabei sei ein Gläubigerverzicht von mindestens 20 Prozent.

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Griechenlands Rettung wird zum Desaster

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