Presseschau
„Ein Kontinent begeht Selbstmord“

In Spanien entscheidet sich das Schicksal der Eurozone, sind sich internationale Medien einig. Doch die von Berlin und der EU verabreichten Medikamente drohten die gesamte Währungsunion zu zerstören. Die Presseschau. 
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Spaniens krisengeschüttelte Banken hängen immer stärker von der EZB ab. Die Geldinstitute des Landes borgten sich im März mit rund 316 Milliarden Euro fast doppelt soviel wie im Februar von der EZB, meldet das Handelsblatt.

Die spanische Krise müsse mit einer Rekapitalisierung der Banken und einem Zurechtstutzen des Finanzsektors gelöst werden, fordert die britische Financial Times. Doch die Privatwirtschaft habe kein Interesse daran und die Regierung sei überfordert. Am Ende werde die Entwicklung entweder in einen katastrophalen Ausstieg Spaniens aus der Eurozone oder eine Fiskalunion münden, die einen gemeinsamen Unterstützungsfonds der Eurozone für den Finanzsektor umfasse.

Spanien bleibe das Schicksalsland für die Euro-Zone, kommentiert das Handelsblatt. Dort werde sich entscheiden, ob das europäische Experiment gelingen könne, durch eine rigide Sparpolitik mitten in einer Rezession wieder auf den Wachstumspfad zurückzukehren. 

Dieses Experiment sei zum Scheitern verurteilt, schimpft Paul Krugman in der New York Times. Die europäischen Staatenlenker seien dabei, für den gesamten Kontinent wirtschaftlichen Selbstmord zu begehen. Denn nach den Rettungseinsätzen der EZB setzten die Regierungen fatalerweise ihren Sparkurs fort. Mit Blick auf Spanien erklärt der Wirtschaftsnobelpreisträger, dass die fiskalischen Probleme dort eine Folge der Depression seien, nicht deren Ursache. Dennoch sehe das Rezept aus Berlin und Frankfurt weitere Sparmaßnahmen vor.

Der Spiegel zitiert David Milleker, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment, der davon ausgeht, dass der Rettungsschirm der EU nur für die Länder ausreiche, die bereits jetzt schon Hilfen bekommen (Portugal, Irland und Griechenland), nicht aber für Spanien und erst recht nicht für Italien. Allein Spanien benötige bis Ende 2015 unter optimistischen Annahmen 436 Milliarden Euro, um die alten Schulden zu bezahlen und neue Defizite zu finanzieren.

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  • " Ein Kontinent begeht Selbstmord " ---wieder mal unter Führung der Deutschen ( Inkompetenz). Mir ist schlecht. Die Geschichte wiederholt sich. Irgendwie erinnert Schäuble mich an den kleinen Rheinländer mit den vielen Kindern. Mir ist schon wieder schlecht. Magda mach mir einen Magentee.

  • Wenn die Politiker einfach die Euro-Verträge eingehalten hätten, wäre alles gut geworden. So sind die Finanzmärkte verunsichert: Was gilt denn, wenn Gesetze nicht mehr gelten? In den USA haftet auch kein einziges Land für ein anderes, und Washington haftet auch nicht für ein Land. Aber das hätte bedeutet, daß jedes Land seine in die Irre geführten Banken und Versicherungen hätte retten müssen, und das wollte man dem Wahlvolk nicht vermitteln müssen. Lieber verschleiert mit diversen Rettungstöpfen arbeiten! Dabei werden völlig falsche Signale und Anreize gesetzt. Meine Prognose: In wenigen Jahren wird die Transfer-Union unter ihrer untragbaren Schuldenlast zusammenbrechen; der Mittelstand - vor allem in Deutschland - verliert alles (die Reichen verlassen früher das sinkende Schiff...).

  • Der "ESM "wird im Sommer schon von den Abnickern zum

    Gesetz u. bis zur Wahl 2013 ist Deutschland u.die Bürger

    pleite .

    Da kann man auch keine Piraten mehr wählen !

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