Presseschau
„Eine Krise ohne Retter in Sicht“

Die Angst vor einer Zuspitzung der Schuldenkrise geht um. Grund ist der katastrophale Börsenstart zu Wochenbeginn. Im Fokus steht dabei einmal mehr die deutsche Politik und die Diskussion um Euro-Bonds. Die Presseschau.
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Nach dem katastrophalen Börsenmontag sieht das US-Magazin Forbes den Euro letztendlich in die Ecke getrieben. Die Märkte verlangten nun eine Entscheidung, wie die Schuldenmisere gelöst werden solle. Verschiedene Entwicklungen verdichteten sich zu einer düsteren Kulisse. Zum einen hätten die Zinsen auf griechische Anleihen die 50-Prozent-Marke überschritten, italienische Anleihen seien mittlerweile höher verzinst als spanische – und das, obwohl die EZB solche Papiere aufgekauft habe. „Der Montag war dabei nur ein Vorgeschmack darauf, wie die Börsen versuchen könnten, Deutschland unter Zugzwang zu bringen“, meint das Blatt. Der deutsche Widerstand gegen Eurobonds und ähnliche Instrumente sei so tief verwurzelt, dass nur eine drohende „Kernschmelze“ etwas an dieser Haltung ändern könne. 

Die Welt vergleicht die aktuelle Krise mit der Lehman-Pleite und stellt fest, dass heute im Gegensatz zu 2008 kein Retter in Sicht sei. Die dramatischen Kursverluste, insbesondere bei den Finanztiteln, zeigten, dass Investoren die Sicherheit fehle. Die Erkenntnis, dass Griechenland nicht mehr zu retten sei, setze sich mehr und mehr durch. Gleichzeitig habe sich die Sorge um eine konjunkturelle Schwächephase zu einer Rezessionsangst ausgeweitet. Die Parallelen zur Lehman-Krise seien bedrückend. Allerdings habe damals ein Schulterschluss aus Politik, Notenbanken und internationalen Organisationen die Vertrauenskrise besiegt. Heute herrsche Einigkeit nur über die Brisanz der Situation. 

Die Händler, die diese Woche aus dem Urlaub zurückkehrten, seien nicht gerade mit guter Laune gestartet, kommentiert das britische Magazin Economist den gestrigen Börsentag. Die Kursrutsche seien teilweise auf die schlechten Arbeitsmarktzahlen aus den USA zurückzuführen, doch Europas Probleme seien größtenteils selbstverschuldet. Gespräche zwischen Griechen und internationalen Gläubigern seien gescheitert, da die Athener Regierung ihre Sparpläne nicht einhalte. Auch die Italiener schreckten vor ihren bereits verabschiedeten Sparmaßnahmen zurück. „Plan A – die Länder senken ihre Schulden durch Finanzdisziplin – scheint immer weniger umsetzbar“, schreibt das Blatt. Plan B bedeute dagegen, die Deutschen müssten für die Schulden der Peripheriestaaten geradestehen. Nach der fünften verlorenen Regionalwahl in Folge dürfte Angela Merkel einem Blankoscheck skeptisch wie nie gegenüberstehen. Nur die deutschen Konzerne, die nach China exportierten, könnten sich in einer solchen Situation immun fühlen. 

Die britische Financial Times widerspricht der Annahme, dass es lediglich am deutschen Willen und Großzügigkeit mangelt, um den Euro zu retten. Diese Sichtweise baue auf der falschen Annahme einer unbegrenzten Wirtschaftskraft der Bundesrepublik. Schließlich sei die deutsche Schuldenquote höher als in Frankreich, Spanien und Großbritannien. Niemand wisse mit Sicherheit, ob Eurobonds, von vielen als Allheilmittel gepriesen, funktionieren würden. Mit Sicherheit würden diese deutschen Steuerzahlern mehr Kosten aufbürden. „Die Bundeskanzlerin will mit Sicherheit die gemeinsame Währung stützen, ihre guten Absichten sind unzweifelhaft“, schreibt das Blatt. Sie wäre jedoch unklug, Deutschlands eigene politische und wirtschaftliche Stabilität zu gefährden. 

Auch die Börsen-Zeitung stellt fest, dass eine Politisierung des Themas Eurobonds eine sachliche Debatte erschwere. Es sei unbestreitbar, dass deren Einführung ein extrem schwieriges Unterfangen wäre. Vor allem bedürften sie Verfassungskorrekturen und der politischen Unterstützung für ein anderes Europa mit Finanzministerium und Wirtschaftsregierung samt demokratischer Legitimation. „Dafür gibt es derzeit keine ausreichende Unterstützung“, meint das Blatt. Daher sei es besser, zunächst die vereinbarte Aufrüstung des Rettungschirms umzusetzen. Es sei zwar möglich, dass die Währungsunion irgendwann nicht ohne gemeinsame Anleihen auskomme, doch dann müsse Europa auch zu einem großen Integrationsschritt bereit sein.

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Obama fehlt ein Plan

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  • @ Schatzmeister
    Ich spreche nicht vom Niedergang, von der Entindustrialisierung durch New-Labour. Großbritannien ist pleite. Das weiß ich auch. Aber die englischen Philosophen, die britischen Denker wissen in ihrer Nüchternheit, wann Ideologie schädlich ist. Die Deutschen nicht!
    Machen Sie mal hier keinen Nebenkriegsschauplatz auf. Das sind nur semantische Strategien!

  • In 2009 konnte man in Griechenland an jeder Ecke geradezu orakelhafte Wahlplakate der heute regierenden Partei bewundern: Hammer und Sichel vor rotem Hintergrund!
    Würdet Ihr den selben Leuten, die diese Plakate aufgehängt haben, in 2011 Milliarden ohne Sicherheiten geben?

  • --@ Miss_Trauen

    also sehe ich auch in allen Punkten so.

    Es ist die dt. Überheblichkeit, der Größenwahn, den sozialisten gerne schon mal in den Kopf bekommen. vor 70 Jahren war es der braune Sozialist, jetzt spinnen dieses rot, braunen Sozies schoin weider udn wollen Europa beherrschen.

    Früher mit der Wehrmacht
    heute mit dem Euro

    Deutschland ist zwar eindeutig die No. 1 in europa, aber europa ist größer als dt. Jeder Versuch, die Dolce-Vita Staaten aus dem Schuldenloch zu heben wird nur dazu führen, dass wir auch bald voll in diesem Loch liegen.

    Auch wenn gewisse Politiker diese Hilfsmaßnahmen sooo schön umschreiben, Fakt ist, sie sind größenwahnsinnig. Nur die FDP, geprügelt durch die Wortwahl von Schwuchtellerwelle hat Bescheidenheit gelernt und berfürwortet ein EU das nicht im der stinkenden Güllgrube der Überschuldung landet.

    Wer geschickt ist, sieht in dieser Kriese eine Chance.

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