Presseschau
Europa fürchtet das Fallbeil

Die internationale Presse diskutiert den Vorschlag französischer Banken zur Rettung Griechenlands und die Rolle der Ratingagenturen. Außerdem: Autorin äußert sich zu mutmaßlichem DSK-Übergriff.
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DüsseldorfDie Financial Times bezeichnet den Vorschlag der französischen Banken, die Laufzeit griechischer Staatsanleihen, die sich in Privatbesitz befinden, zu verlängern, als „lachhaft eigennützig“. Auch die Ankündigung der europäischen Regierungen nach der Kritik durch die Ratingagentur Standard & Poor's, den Plan optimieren zu wollen, werde nichts daran ändern: „Es muss ein neuer Plan her“. Zunächst sehe die 30-jährige Verlängerung der Anleihen recht großzügig aus. „Doch schon Punkt zwei zerstreut jeden Anflug von Großzügigkeit“, schreibt das Blatt. Griechenland wäre demnach gezwungen vertrauenswürdige Anleihen, etwa des Stabilitätsmechanismus zu kaufen. Dadurch könne der Gläubiger bei einem Default etwa 40 Prozent zurückbekommen, während er bei jetzigem Stand leer ausgehen würde. Vor diesem Hintergrund sehe auch der geforderte Zinssatz von acht Prozent ungerechtfertigt aus und könne Griechenland nur weiter in den Ruin treiben. Außerdem decke der Vorschlag der Banken nur 50 Prozent der ausstehenden Schulden, womit das Land noch immer vor den gleichen Problemen stünde.

Nach der Warnung vor einem Staatsbankrott durch Standard & Poor's vor dem Hintergrund des Vorschlags zur Beteiligung privater Gläubiger dürften Ratingagenturen zunehmend in die Kritik geraten, meint der australische Business Spectator. Eine Beteiligung privater Finanzinstitute, wie sie der französische Bankenverband vorgeschlagen habe, sei eine Voraussetzung für mehr Unterstützung durch die Steuerzahler für die Rettung Griechenlands. Die Warnung durch S&P sei jedoch der Todesstoß für den Vorschlag gewesen, schließlich wolle man den Staatsbankrott um jeden Preis vermeiden. Dies sei vor allem auch ein Rückschlag für den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der noch vor kurzem den Vorschlag der Banken begrüßt habe. Bereits im vergangenen Monat habe der EU-Kommissar für Finanzdienstleistungen Michel Barnier mit härteren Regulierungen für Ratingagenturen gedroht.

„Gott muss eine amerikanische Ratingagentur sein“, ironisiert die Süddeutsche Zeitung angesichts der Reaktion europäischer Politiker auf den Kommentar von S&P. Anders sei es nicht zu erklären, dass 17 demokratische Regierungen die Fingernägel knabberten, wenn eine der Agenturen ihre Meinung zu Griechenland abgebe. Gerade habe der amerikanische Gott namens Standard & Poor's den Europäern mitgeteilt, er sei nicht einverstanden mit der Beteiligung von Banken an Finanzhilfen für Griechenland. „Wie es anders geht, verrät Standard & Poor's nicht“, kritisiert das Blatt. Fazit: Die Regierungen sollten aufhören, den Horrorszenarien der Unternehmen zu glauben, und lieber im Interesse der eigenen Bürger handeln und einen Schuldenschnitt wagen.

 

Neue Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen Strauss-Kahn

In der französischen Zeitung L’Express äußert sich die Autorin Tristane Banon erstmals ausführlich zu den Vorwürfen, Dominique Strauss-Kahn habe 2003 versucht, sie anlässlich eines Interviews in der Wohnung eines Freundes zu vergewaltigen. „Ich kann es nicht mehr hören, dass ich eine Lügnerin sein soll und daher keine Anzeige erstatte.“ Es sei unerträglich zu sehen, dass der frühere IWF-Chef wieder auf freiem Fuß sei und wieder in Luxusrestaurants verkehre, weshalb sie ihn verklagen werde. François Hollande von der Sozialistischen Partei habe von der versuchten Vergewaltigung gewusst und versucht, Banon zum Schweigen zu überreden. Die frühere Journalisten erklärt, sie sei nicht mehr in der Lage zu arbeiten und lebe zurückgezogen mit ihrem Hund außerhalb von Paris.

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