Presseschau „Europa kurz vor einer Bankenkrise“

Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Crédit Agricole und Société Générale befürchten die internationalen Medien weitere Schockwellen auf dem europäischen Finanzmarkt. Die Hilferufe der Kommentatoren richten sich auch an den IWF, der die Institute stützen solle. Fundstück: Bildhauer und Bücher schreiben statt Banking.
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Logos der französischen Banken Crédit Agricole, Société Générale und BNP Paribas. Quelle: AFP

Logos der französischen Banken Crédit Agricole, Société Générale und BNP Paribas.

(Foto: AFP)

DüsseldorfZwar falle das Votum von Moody’s milder aus als erwartet, dennoch seien die großen französischen Banken nicht aus dem Schneider, kommentiert das Wall Street Journal. Vor dem Hintergrund, dass die großen US-Geldmarktfonds in den vergangenen Monaten ihre Anlagen bei französischen Banken heruntergefahren hätten, blieben den Instituten nur wenige Optionen, ihre US-Aktivitäten zu finanzieren. Hinzu komme, dass Moody’s zu stark auf das Engagement französischer Banken in den Schuldenstaaten Griechenland, Irland und Portugal fokussiert habe. Sollte die „Ansteckung“ aber auch auf Italien übergreifen, wären die französischen Institute einmal mehr betroffen, weil sie ein großes Volumen an italienischen Staatsanleihen in ihren Büchern hätten.

Pimco-Chef Mohamed A. El-Erian warnt gegenüber Bloomberg vor einer „totalen Banken-Krise in Europa“. In dieser Situation seien Organisationen wie der Internationale Währungsfonds – der am 23. September mit der Weltbank zusammenkomme – gefragt, den europäischen Banken zu helfen, mit dem Risiko, in der Schuldenkrise des Kontinents zu „versinken“. Mit Blick auf die Weltwirtschaft erklärte El-Erian: „Wir befinden uns in einem synchronen globalen Abschwung. Es gibt sehr wenig Vertrauen in die US- und europäische Wirtschaftspolitik.“

„Darauf haben wir drei Monate mit Spannung gewartet? Die drei Kommentare von Moody‘s zur Notierung der großen französischen Banken sind lächerlich“, kritisiert Les Echos aus Frankreich. Nachdem die Ratingangentur bedrohliche Diagnosen habe erwarten lassen, teile sie nun mit, dass die Institute keinen Krebs, sondern nur die Grippe hätten. Moody‘s habe die Notierung der BNP Paribas nicht angerührt und die der Société Générale nur um eine Stufe heruntergesetzt. Einzig die Crédit Agricole sei wirksam herabgestuft worden, aufgrund ihrer Griechenland-Anleihen. „Das Ganze ist ein Null-Ereignis, und Moody‘s versucht von dieser Inhaltsleere abzulenken, indem die Agentur geschickt auf Liquiditätsprobleme verweist.“ Doch damit steige Moody‘s auf einen „Zug auf, ohne dafür das Ticket bezahlt“ zu haben: „Sie sagen weder, woher die Gerüchte kommen, auf die sie sich beziehen, noch klären sie Widersprüche in der Argumentation.“

In der Financial Times Deutschland mahnt Gustav Horn, Professor für Volkswirtschaft und Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung, die Lehren aus dem Untergang der US-Bank Lehman Brothers vor drei Jahren zu ziehen. „Die wesentliche ist, dass gegen die Instabilität und Panikwellen auf den Märkten nur das glaubhafte Gegensteuern des Staates hilft. Erst dann entsteht neues Vertrauen in die weitere wirtschaftliche Entwicklung, was die Märkte stabilisiert und die Panik beruhigt.“ Dies erfordere allerdings eine stabilere Steuerbasis der Staaten und verbindliche Regeln für die Einhaltung des Inflationsziels in jedem einzelnen Mitgliedsland, statt den Blick auf die Staatsverschuldung zu verengen „und öffentliche Austerität als Allheilmittel zu empfehlen“.

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5 Kommentare zu "Presseschau: „Europa kurz vor einer Bankenkrise“"

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  • So ein Quatsch mit Kuchen und Kruemel?
    Hoert sich nach Kindergeburtstag an.

    Deutschland ist Kriegsverlierer und hat nichts zu melden.

    Notfalls kommt die Nazikeule und der Viertes Reich-Dampfhammer und Deutschland ist wieder auf Linie.
    Da hilft kein Gejammer. Der deutsche Aderlass ist Programm.

    Uebrigens wird das schoen unterstuetzt von den freien Medien.

  • Wenn das alles so kritisch wäre, sollte man prüfen, ob es an der Zeit ist den Reset-Knopf zu drücken?

    Was heißt das?

    1. Welche Aufgabe ist den Banken zugedacht?

    Um die Antwort vorwegzunehmen: Aufspaltung der Banken in die kommerzielle Bank und die Investmentbank.

    2. Die kommerzielle Bank ist wichtig zum Erhalt unserer Volkswirtschaft. Sie sollte bei Bedarf staatlich gesichert sein. D.h. nicht wie nach der Lehmann-Pleite "weiter so".

    Die letzte Finanzkrise hat gezeigt, dass die Bankenindustrie nicht in der Lage war, die notwendigen Schlüsse zu ziehen und eine Bereinigung herbeizuführen. Wegen dieser Erfolglosigkeit ist zu prüfen, wie der "Managementballast" abgeworfen werden kann. Deshalb scheint es sinnvoll zu sein, die kommerzielle Bank (nach deren freier Entscheidung -Vorstand, Aufsichtsrat, HV) in staatliche "Obhut" zu übergeben. Unter einer staatlichen Obhut kann nur eine Verstaatlichung verstanden werden, nachdem alle marktwirtschaftlichen Instrumente der Eigenverantwortung ergebnislos blieben. Da die zuübergebende Bank "ausgewirtschaftet" ist, erfolgt der "Übertrag" in der Insolvenz zu 0,00 Euro bei Übernahme.

    Da Investmentbanken von den "klügsten Bankern" gemanaged werden, ist eine besondere Fürsorgepflicht seitens des Staates nicht erforderlich. Sie sind für die Volkswirtschaft irrelevant. Sie unterliegen den Vorschriften für Spiel- und Wettgeschäfte. Private, die dort ihr Geld anlegen, nehmen dies billigend in Kauf und haben keinen Anspruch auf staatliche Garantien.

    Es sollte auch überprüft werden, ob inwieweit diese "Investmentbanken" der weiteren Bankenaufsicht unterworfen werden sollen und Kosten zu Lasten der kommerziellen Banken verursachen dürfen.

    Es kann doch nicht sein, dass staatliche Gelder aufgewendet werden, solche Zockerbanken wieder mit frischem Geld zu versorgen. Welcher Politiker will Gelder z.L. der Ausbildung unserer Kinder, unserer Zukunft rechtfertigen?

  • Nur dass die drei Länder zusammengenommen nicht mal ansatzweise soviel Wirtschaftsleistung vorzuweisen haben wie Deutschland! Wo Kuchen sich unterhalten haben eben Krümle nicht zu sagen ...

  • Ohne Krise kein chaos
    ohne chaos keine Verwirrung / Angst

    Ohne Angst kann mandem Volk nie näher bringen, dass man die Henkersschlinge der verschärften Gesetze immer enger zieht.

    Auch wenn die Wirtschaft und die Banken extrem herunter crashen sollten. Was ist denn schlimm daran, jeder kann shorten. Es gibt null einen Grund, hier in Panik aus zu brechen.

    Es sei denn, man glaubt den ganzen Schrott aus den medien.



  • So gut wie kein Insider gibt noch einen Pfifferling auf die Einstufungen der Ratingagenturen bei seinen Investment-Entscheidungen. Folgerichtig reagierte der Markt gestern auch kaum auf die Herabstufung französischer Banken.
    Lehman Brothers wurde noch einen Tag vor deren Zusammbruch mit der Bestnote bewertet...
    Der S&P-CEO wurde nach der Herabstufung der USA ausgetauscht (nichts in der Mainstreampresse zu finden).
    Auch dass Deutschland alleine mit seiner Position, eine Erweiterung des Rettungsschirms nicht zuzulassen, ist Unfug. Österreich, die Slowakei, Finnland ratifizieren den Rettungsschirm nicht.

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