Presseschau
Europa steht am Abgrund

Die Internationale Wirtschaftspresse sieht nicht nur Griechenland, sondern auch Europa vor der Auflösung. Und ist sich nicht einig, wie sie das finden soll. Die Presseschau.
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„Griechenlands Regierung steht vor der Implosion: Ist das Ende Giorgos Papandreous gekommen?“, fragt der Nouvel Observateur aus Frankreich nach den jüngsten Turbulenzen in dem südeuropäischen Land und dessen Absage an das geplante Referendum. Noch dementierten die Mitstreiter des griechischen Premierministers, dass er seinen Hut nehmen soll, doch die Medien im Land glaubten bereits den Namen seines Nachfolgers - Lucas Papademos, einst Vize-Gouverneur der EZB - zu kennen. „Papandreou würde zwar noch Unterstützung von einigen Abgeordneten bekommen, doch sein Überleben an der politischen Spitze wird schwer.“ Das Angebot der konservativen Opposition, der Nea Dimokratia, mit Papandreous Sozialisten eine Übergangsregierung zu bilden, scheine für ihn letztlich ein Schritt zurück zu sein. „Es herrscht Untergangsstimmung in Papandreous Regierung.“

Nicht nur dort. Wenn die Eurozone ein brennendes Haus ohne Ausgänge sei, sei die wichtigste Herausforderung, das Feuer zu löschen, hält Jean-Claude Piris, einer der EU-Architekten, in einem Gastkommentar in der britischen Financial Times fest. Aber das Haus müsse auch repariert, wenn nicht gar auf ein neues Fundament gestellt werden. „Es wird Zeit zuzugeben, dass die EU-Erweiterung von 15 auf 27 Mitglieder zu schnell ging“, schreibt der FT-Gastkommentator. Die Legitimität der EU selbst stehe auf dem Spiel. „Die EU kann es sich nicht leisten, nur als Sparsamkeitssymbol herzuhalten.“ Sie müsse für ein breiteres politisches Projekt stehen. Die Probleme innerhalb geltender Regeln und mit allen Mitgliedern zu lösen, scheine unmöglich. Eine temporäre Avantgarde-Gruppe könne die Krise der EU bewältigen und den Weg zu mehr demokratischer Legitimität pflastern. „Die Lösungen sind vorhanden. Was fehlt, ist der politische Wille“, bedauert die FT.

„Katapultiert sich Griechenland aus der Euro-Zone, wäre das ein großes Unglück für das Land, ein noch größeres Unglück aber wäre die Kapitulation für die Euro-Gemeinschaft“, gibt die Süddeutsche Zeitung im ersten Teil eines Pro-Contra-Kommentars zu bedenken. „Und das alles, weil ein Land, das die Wirtschaftskraft Hessens hat, vielleicht zahlungsunfähig wird?“ Weil es vor lauter Sparerei keine Chance auf Gesundung sehe? Europa hätte so kein einziges Problem gelöst: die Ansteckungsgefahren in Italien und Spanien nicht, die Kapitalnot der Banken nicht, den Mangel an gemeinsamer Wirtschafts- und Fiskalpolitik nicht, gibt das Blatt zu bedenken. Die Befürworter eines Austritts argumentieren gern, die griechische Hilfsaktion sei ein Fass ohne Boden. Frage sich nur, ob das Loch im Fass noch viel größer wird, wenn Europa Athen fallenlässt.

Ein Austritt müsse gar nicht sein. „De facto würde es reichen, wenn man den Geldhahn zudreht. Dann kommt die Drachme ganz von selbst“, antwortet der Contra-Kommentator. Sorge vor Destabilisierung hat er nicht. Am Ende hätten die Griechen womöglich sogar – „historisch pikant“ – durch ihren Austritt die politische Stabilität der Euro-Zone gestärkt. Der Abschreckungsfaktor, der vom Beispiel Athens ausgehe, sei nicht zu unterschätzen. „Die Rückkehr zur Drachme ist verglichen mit dem EU-Rettungspaket der ungleich härtere Weg, weil das Land quasi über Nacht - ohne die internationalen Kreditpuffer - nur noch auf sich allein gestellt wäre.“ Der Wohlstandsverlust werde sofort massiv spürbar werden, die Bürger womöglich noch radikaler demonstrieren. „Kaum vorstellbar, dass Portugal dann noch den Euro aufgeben möchte.“ Griechenland indes könne neu anfangen, schuldenfrei und mit dem Gefühl, es fortan aus eigener Kraft schaffen zu müssen. „Eine solche Stunde null kann die Nation zusammenschweißen, trotz Nebenwirkungen.“

Kommentare zu " Presseschau: Europa steht am Abgrund"

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  • ....und das deutsche Volk schläft noch immer !

  • das Volk muss immer bluten !

  • @ Domenq: "Unsere europäischen Schein-Demokratien kippen in Richtung zentral-gelenkte "Wirtschafts-Diktatur".
    Der Sachzwang erfordert die Festigung der Bürokraten-Herrschaft.
    "Zuviel" Demokratie ist gefährlich für die herrschende Klasse; auch wenn es selbstverständlich diskreditiert ist, von herrschender Klasse zu sprechen."

    Sind Sie mit folgender Formulierung einverstanden?

    Unsere europäischen Partei-Oligarchien (sind eine Art von Scheindemokratien) kippen in Richtung zentral-gelenkte "Finanzwirtschafts-Diktatur, auch Euro-Kapitalismus genannt".
    Der Sachzwang erfordert die Festigung der Parteien-Herrschaft in den Ländern und der EU-Bürokraten-Herrschaft in Brüssel, Straßburg und Luxemburg.

    Selbst ein bisschen Demokratie ist nicht hilfreich für die herrschende Klasse; auch wenn es selbstverständlich nicht politisch korrekt ist, von herrschender Klasse geschweige denn von Euro-Kapitalismus zu sprechen.

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