Presseschau
Europa steht vor dem Abgrund

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt die Wirkung der aktuellen Krisenmaßnahmen der Eurozone - und sieht die Mitgliedsstaaten vor dem Abgrund. Das Wall Street Journal gratuliert Groupon zu seiner Absage an Google. La Tribune freut sich über das Comeback Amerikas als Industriestandort. Der Business Spectator bezweifelt, dass WikiLekas die Wall Street zähmen kann. Fundstück: Shoppen macht auch Männer glücklich.
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„Das System ist überfordert“, lautet das vernichtende Urteil der Financial Times zum Bemühen der Eurozone, die Krise in den Griff zu bekommen. „Überfordert im Sinne von hoffnungslos - wie Dantes Hölle aus der Göttlichen Komödie.“ Sechs Faktoren begründeten die europäische Unfähigkeit. Zum einen die Tendenz, Fehler zu wiederholen: „Der größte Fehler ist, dem Problem der Zahlungsunfähigkeit mit Liquiditätspolitik zu begegnen, sei es durch die EZB, die Griechenland-Rettung oder den Stabilitäts-Fonds: Er ist eine Ursache für Irlands Krise.“ Faktor zwei und drei sei mangelnde politische Koordination und der „Zusammenbruch der Kommunikation“. Viertens beschuldigten die Europäer gern die Investoren, wenn etwas schief laufe, die so genannten „gehässigen Spekulanten“, fünftens beschuldigten sie sich auch gern untereinander. Und sechstens: „Die EU ruft, wenn gar nichts mehr geht, ihren deus ex machina an, die Europäische Zentralbank (EZB), die als letztmögliche Retterin fungieren soll - dies aber allein nicht schafft.“ Fazit: „Der Euro befindet sich auf einem gefährlichem Weg. Es braucht nun eine große politische Geste, etwa eine gemeinsame Europa-Anleihe. Aber diese Geste wird es nicht geben. Denn das System ist überfordert.“

Aus Sicht von Reuters wäre eine einheitliche Steuerpolitik in der Eurozone nötig, um künftig Schuldenkrisen und das Problem der Zahlungsunfähigkeit von Mitgliedsstaaten vermeiden zu können. Zwar seien heute mehr Eurozone-Mitglieder bereit, den Einfluss anderer Eurozone-Länder auf ihre nationale Politik zu akzeptieren, und Spaniens Premierminister José Luis Rodriguez Zapatero habe jüngst eine einheitliche Wirtschaftspolitik gefordert. Doch letztlich herrsche nur oberflächliche Einigkeit, das Problem liege im Detail. Mit der Forderung aus Spanien könne z. B. eine gemeinsame Europa-Anleihe gemeint sein, die die Darlehenskosten für Staaten der europäischen Peripherie erheblich senken würde. „Diese Idee wird zum Beispiel von dem Eurozone-Vorsitzenden Jean-Claude Juncker befürwortet, doch Deutschland ist dagegen.“ Uneinigkeit, aber auch die Sorge, nationale Unabhängigkeit zu verlieren, behindere die Eurozone: „Eine EU-Steuerpolitik wird niemals kommen, weil die Staaten es sich nicht nehmen lassen wollen, selbst Steuern festzulegen.“

„Die Irland-Rettung verschiebt Europas Probleme nur in die Zukunft“, meint der Harvard-Professor und frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff in einem Beitrag für The Nation. „Die Eurozone steht damit nicht am Ende der Krise, sondern mittendrin.“ Zum einen, weil weitere Rettungen - allen voran Portugal und Spanien - folgen würden. Zum anderen, weil die Eurozone mit der Umwandlung von privaten Schulden in staatliche denselben unheilvolen Weg gehe wie Lateinamerika in der Schuldenkrise 1980. Damals hätten Regierungen für private Schulden garantiert und seien zusammengebrochen, 1987 hätten sie die Schulden zu 30 Prozent abschreiben müssen. „Experten sind sich heute einig, dass es besser gewesen wäre, hätte man frühzeitig Teile der Schulden erlassen.“ Europa brauche deshalb Konzepte zur Umschuldung, der Stabilitätsfonds sei dagegen genauso eine Leugnung der Realität wie die Stresstets europäischer Banken im Juli, die den Instituten weitestgehend Gesundheit attestierten. „Europas Politiker bewegen sich von einer Verleugnung zu nächsten. Es wäre schon viel wert, wenn sie zugeben würden, das Europa ein Problem hat.“

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  • Es würde genügen die EU-Regel so zu ändern dass den Wirtschaftsschwachen Peripherieländern (oft von der deutschen boulevardpresse als Pleitestaaten oder PiiGS genannt) die Möglichkeit gegeben wird ihre Schulden durch Arbeit und Ausfuhren zu tilgen. Man muss aber berücksichtigen dass diese Länder keine "natürliche Standortsvorteile" haben wie Deutschland oder Österreich und auch keine Rohstoffe wie Finnland außerdem einen sehr kleinen binnenmarkt. Die heutige EU-Regeln aber berücksichtigen das nicht. Es ist ein unfairer Wettbewerb. Die Verleumdungskampagne, besonders in Deutschland, hat zu falsche Schlussfolgerungen geführt.
    Das war aber gewollt und nicht wie behauptet, nur ein Fehler. Es ist eine erprobte Methode und wurde übrigens auch schon vor 80 Jahren in Deutschland eingesetzt mit den uns bekannten Folgen. Dadurch wird die Saat der nächsten europäische Katastrophe gesät. ich glaube aber nicht dass dies die Verantwortlich verstehen wollen. Europa wird ein Traum bleiben.

  • Der Euro, ein cyborg, den das deutsche Volk nie wollte. Er wurde uns von einer wirtschaftskriminellen und kriegstreiberischen Clique (Regierung Kohl= Schwarz-Gelbe Parteispenden- und Schwarzgeldartisten und Regierung Schröder = verantwortungslose Rot-Grüne Rotznasen) übergestülpt!Die Regierung Merkel ist nun - aufgrund vorsätzlicher Vertragsverletzungen ("no bail out" etc.)der Totengräber des Euros. Hierzu kann ich nur sagen:"Rettet euer Geld durch Flucht
    in die Sachwerte!"
    Die Einführung des Euros ohne Volksbefragung ist das größte Verbrechen am deutschen Volk seit der bombardierung von Dresden!

  • @ Europa steht nicht am Abgrund EUROPA gab es nicht ergo.Was es gab war die Gestaltung einer Europaweiten Umverteilung der Vorhandenen Mittel sprich Wohlstand für wenige auf Kosten vieler Tagelöhner,Deutsche Zeitarbeiter hohes Risiko der Entlassung bei minimallohn und 200% Leistung das kennzeichnet Europa der Reichen.Je grösser man diesen betrug ansetzt um so undurchsichtiger für den einzelnen,deshalb der ganze Aufwand eine Gesellschaft ohne inneren zusammenhalt geschafft zu haben,mit der begründung der individuellen Freiheit.
    Leider wurde die soziale Markwirtschaft brutal abgeschafft und nun stehen sie da unsere Lumpeneliten und werden nicht müde gebetsmühlenartig von Aufschwung zu faseln,also nichts neues.
    Ob Kohl,Merkel,Waigels Politik sind alternativlos gescheitert,genau genommen war es eine vergewaltigung der intressen des Deutschen Volkes weder Steinbrück noch sein mitverantwortlicher Staatssekreter Asmussen hatten das Recht die nachfolgenden Generationen zu verheizen,Sie sind Teil des Problems wie Frau Merkel nie die Lösung.Wenn das die Lösung sein soll VW-Leiharbeiter dürfen hoffen heisst das nichts anderes,wir brauchen Steuerzahler denen wir das geld aus der Tasche ziehen können um irgendwelche Schrottanleihen zu finanzieren.bei 1,8 billonen Schulden kann Schäuble schwadronieren was er will es gehört ein Reset her und ein Ende dieser Machenschaften.Es stinkt gewaltig in dieserabgehobenen Kaste vo Politik und finanzindustrie auch wenn teinbrück noch so viel bücher verkaufen kann er ist teil des Problems defenitief nicht die Lösung.
    Frau Merkel sollte ihren Rücktritt verkünden und mit ihr das komplette verantwortungslose auf eigene Vorteile bedachte Kabinet.Die Gruppe der Nichtwähler lässt hoffen es ist die grösste Gruppe.

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