Presseschau
Eurozone zwischen Depression und Verzweiflung

Die Wirtschaftspresse zeichnet ein düsteres Bild der Situation in Europa und sieht kaum Chancen, den Euro zu retten. Schuld sind in den Augen ausländischer Kommentatoren besonders die EZB und die deutsche Regierung.
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Die Börsen-Zeitung erkennt in der aktuellen Schuldenkrise manisch-depressive Züge, denn die Stimmung wechsele zwischen übertriebenen Erwartungen und tiefer Ernüchterung. Dabei kritisiert das Blatt, dass sich die Debatte vor allem um die EFSF drehe. Einige Medien hätten es zur Schicksalsfrage erhoben, ob der Rettungsschirm ihre Schlagkraft auf eine Billion Euro hebeln kann. Dabei sei dies nicht spielentscheidend, schließlich werde der Schirm immer nur Teil einer Lösung, jedoch nicht die ganze Lösung sein. Die Währungsunion brauche vielmehr eine glaubwürdige Haushaltspolitik und eine EZB, die an der Zukunft des Euro interessiert sei. „Finanztechnik und Hebelphysik allein können Italien oder Spanien nicht vor dem Schlimmsten bewahren“, schreibt das Blatt. Dabei sei es egal, ob mit 900 Milliarden oder 1,1 Billionen Euro kalkuliert werde.

Der australische Business Spectator sieht es als Zeichen der Verzweiflung, dass der zwischenzeitlich gescheiterte Plan, per Hebel mit den Schulden fertig zu werden, wieder hervorgeholt werde. Selbst der jüngste Dreh, die ersten 20 bis 30 Prozent der möglichen Verluste der Anleihekäufer zu versichern, würde nicht ausreichen, um Investoren anzulocken, da selbst Deutschland Probleme bei der Bonds-Emission bekomme. Investoren wünschten sich, nichts mit der Eurozone zu tun zu haben. Sie hätten jeden Glauben an die Fähigkeit der Eurozone, sich selbst zu reparieren, verloren. Es sei auch unwahrscheinlich, dass das Vertrauen der Anleger zurückkomme, solange Europa keine fundamentalere Lösung anbiete als das Spiel mit der Finanztechnik.

Die Eurozone nähere sich ihrem Ende, ist die Wirtschaftsagentur Bloomberg überzeugt und verweist ebenfalls auf die enttäuschende Auktion deutscher Anleihen. Die Rendite auf 30-jährige Bundesanleihen sei von 2,61 auf 2,83 Prozent gestiegen. Die Message: „Deutschland ist kein sicherer Hafen mehr“, so Bloomberg. Keiner der Wackelkandidaten von Irland bis Italien werde in naher Zukunft in der Lage sei, Kredite am Kapitalmarkt aufzunehmen. Auch eine EZB-Bazooka, wie vielerseits gefordert, könne das Problem nicht lösen. Vor allem, weil das Inflationsrisiko auch für Deutschland zu höheren Zinszahlungen führen würde. Daher werde es keine schmerzlose Lösung des Problems geben. „Einige Länder werden gezwungen sein, die Eurozone zu verlassen“, meint Bloomberg.

Die New York Times kritisiert Deutschland und die EZB, die es ablehnten, Schulden von Krisenländern im großen Stil aufzukaufen. Die Politik der Deutschen wirke verrückt. Sie schauten mit Verachtung auf die Griechen, die es ihrer Meinung nach lernen müssten, im Rahmen der eigenen Mittel zu leben, wie die Deutschen es tun. „Sehen die Deutschen nicht, dass sie die größten Profiteure der Blasenwirtschaft gewesen sind, schließlich haben Griechen und andere Problemländer deutsche Exportgüter gekauft?“, fragt das Blatt. Ein Zusammenbruch des Euro würde Deutschland mehr wehtun als Griechenland. Andere Währungen würden gegenüber der deutschen stark abwerten, was die Exporte verteuern würde. Außerdem stünden deutsche Banken, vollgepackt mit Staatsanleihen, vor einer Solvenzkrise. Die Frage der Fairness überstrahle jedes ökonomische Argument, nach dem eine Rettung Griechenlands auch Deutschland nutzen würde. Momentan sei jedoch nicht wichtig, was fair ist, sondern was funktioniere.

Die britische Financial Times fragt sich, wie schlimm die aktuelle Krise noch werden könne, verglichen mit der Zeit der Großen Depression und der Weltkriege. Ein Chaos in Europa – der größten Volkswirtschaft der Welt – würde sich zwangsläufig global ausweiten. Die Lehre der 30-er-Jahre zeige, dass globale Krisen Demokratien schwächten und radikalen Kräften Auftrieb verliehen. Auch in Europa sei eine neue Generation nationalistischer Politiker entstanden. Und doch gebe es Gründe, warum es nicht so schlimm kommen werde. Zum einen hätten Politiker aus den Fehlern vor 80-Jahre gelernt. Zum anderen stünden die 66 Jahre Frieden in Europa für zivilisatorischen Fortschritt und nicht nur für eine glückliche Fügung. Schließlich zeigten die Beispiele von Litauen und Spanien, dass auch in schweren Wirtschaftskrisen gemäßigte Regierungen Wahlen gewinnen können.

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  • @obstsalat: „selbst eine NEW YORK TIMES bietet keine Gewähr, dass dort die dümmsten Schreiberlinge eine Anstellung finden“. Voll ins Schwarze getroffen!

    Wir in DE haben aktuell ein Lohnniveau wie anno 1990. Die Kaufkraft hat sich durch den Euro und Inflation mehr als halbiert.
    Wir produzieren Träume auf 4 Rädern mit Minijobbern, Aufstockern, Zeit- und Kurzarbeitern für Länder, in denen das Lohnniveau bereits 50% und höher liegt als bei uns.
    Bezahlt werden unsere Exporte mit Krediten, die wir jetzt auch noch selbst zurückzahlen müssen. Mathematisch gesehen haben wir also alles verschenkt.
    Nach der Finanzbetrugskrise 2007, ausgelöst durch amerikanische Weihnachtspäckchen, alle mit AAA bewertet und heißer Luft gefüllt, hat die EZB ca. 340 Mrd. und die DBB nochmals ca. 200 Mrd. an die Zentralbanken der PIGG(F)S überwiesen, damit die unsere Exportrechnungen bezahlen können.
    Weihnachten schon seit 10 Jahren – aber nicht für uns in DE!! Wer hat da in der Schule nicht aufgepasst, der davon schwadroniert, dass gerade wie in DE die Profiteure des Euros sind. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir haben genügend Wissenschaftler und Ökonomen, die diese Situation bereits schon vor Einführung des Euros publizierten. Kein Politiker kann also behaupten, er hätte von nichts gewusst. Früher musste man noch Kriege führen, um andere Länder auszuplündern, heute genügen ein paar „Guillaumes“ in der Regierung, die auch Willi Brandt stürzten, die erfüllen den selben Zweck.
    http://siggi40.de/geld/

  • selbst eine NEW YORK TIMES bietet keine Gewähr, dass dort die dümmsten Schreiberlinge eine Anstellung finden.

    Wenn ich mir das Haus von einem Handwerksbetrieb von Grund auf sanieren lasse und ihn bitte, er möge doch bitte auch noch 100.000 Euro mitbringen, weil ich sonst seine Rechnung nicht bezahlen kann - ja wer hat dann von einer Blasenökonomie enorm profitiert??

    mann, soviel Blödheit, von unseren Euro-Fanatikern angefangen von Schäuble bis zu den zwei großen deutschen sog. Finanzzeitungen (HANDELSBLATT und vor allem FTD) dem Bürger täglich vorgebetet, tut weh

  • Der Unsinn wird durch ständiges Wiederholen nicht richtiger.

    Das BIP der USA ist ähnlich groß wie das der Eurozone. Da leben auch ähnlich viele Menschen. Und da sind unter dem US-Dollar auch Bundesstaaten mit extrem unterschiedlicher Leistungsfähigkeit vereint. Einige Bundesstaaten erzielen ein Pro-Kopf-BIP von fast 50.000 USD. Andere Bundesstaaten kommen gerade mal auf 24.000 USD. Die USA haben natürlich auch Schuldenprobleme, aber bemerkenswerterweise wirft den USA niemand vor, dass das nicht gut gehen kann, wenn so unterschiedliche Länder unter einer Währung vereint sind

    Übrigens: In Ecuador, Panama und anderen Ländern ist der US-Dollar auch offizielles Zahlungsmittel bzw. die lokelen Währungen sind fest an den Dollar gekoppelt. Die Länder habe auch keine eigene Währungspolitik und Abwertungsoption mehr. Und die haben teilweise nur 3.000 USD pro-Kopf-BIP. Wie geht das nur.

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