Presseschau
„Explosion der Euro-Zone bleibt reelle Gefahr“

Die Presse kennt zum Wochenende hin nur ein Thema: Die Eurokrise und die Suche nach Lösungen. Dabei stehe man erst am Anfang. Das EZB-Maßnahmenpaket habe gezeigt, wie schlecht es Europa wirklich gehe. Die Presseschau.
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Wiesbaden„Hier kommt Santa Mario“, täuscht die Börsen-Zeitung Jubel vor. Die Augen der Banker werden geleuchtet haben, weil Eurolands oberster Notenbanker Mario Draghi die Institute mit Gaben überschüttet hätte, säuselt das Blatt. Sie könnten sich nun noch billiger finanzieren, schlechtere Sicherheiten als Pfand hinterlegen und bekämen Kredite nicht nur für ein, sondern für drei Jahre. „Geldpolitisch wäre die Zinssenkung auf das Rekordtief von 1 Prozent nicht nötig gewesen. Trotzdem danke!“, gibt die Wirtschaftszeitung Sparkassenpräsident Heinrich Haasis wider.

Angesichts einer Teuerung von drei Prozent und einer immerhin auf zwei Prozent erhöhten Inflationsprognose für 2012 sei die erneute Zinssenkung nicht zu rechtfertigen. Draghi habe damit abermals signalisiert, unter seiner Führung werde die EZB lockerer mit dem Thema Inflation umgehen. „Banker mögen noch jubeln.“ Rentner und Arbeitnehmer dafür dann unter Inflation leiden, erwartet die B.Z.

Mario Draghi versuche sich an einem Kunststück, beobachtet die Financial Times Deutschland. Und versuche einen schwierigen, riskanten Balanceakt – der nötig sei: Rhetorisch gebe der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) den eingriffsunwilligen Hardliner, um so den Reformdruck auf den EU-Gipfel zu erhöhen. „Zugleich hat er jedoch mit der Leitzinssenkung die ganze Macht der Notenbank eingesetzt, um Europas Wirtschaft vor dem Absturz zu bewahren.“.

Auch dass Draghi öffentlich behaupte, die Zentralbank werde nicht auch noch unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenstaaten aufkaufen, sei nicht überraschend. „Dass Europas Politiker leider nur unter extremem äußerem Druck notwendige Reformen angehen, haben sie in den zurückliegenden Monaten hinlänglich bewiesen. Dass der Druck dann auch mal von der Zentralbank kommt und nicht nur von den Märkten, muss ja nichts Schlechtes sein, findet die FTD.

Die Aussichten für die Euro-Zone seien schlecht. „Wer das bislang nicht geglaubt hat, der muss sich nur das Maßnahmenbündel anschauen, das die Europäische Zentralbank (EZB) beschlossen hat“, lamentiert Die Welt. Es zeige, wie schlecht die Dinge in Europa wirklich stünden. Was als Schuldendebakel in Griechenland begann, habe sich zu einer Finanz- und Währungskrise mit multiplen Ursachen ausgewachsen. „Was Europa braucht, ist ein Paket aus kurzfristigen Maßnahmen, die die Liquiditätsprobleme der Krisenländer überbrücken helfen, gekoppelt mit einem mittel- bis langfristigen Anpassungsprogramm, das zu Wirtschaftswachstum führt“, ist die SZ überzeugt.

Das heißt: Die betroffenen Länder müssen Wirtschaft und Arbeitsmarkt so reformieren, dass Löhne und Kosten stark sinken. Um international konkurrenzfähig zu werden, müssten die Unternehmen Hunderttausende Mitarbeiter entlassen. „Die EZB hat das Problem deutlicher erkannt als viele in der Bundesregierung“, lobt die Zeitung. Der Zeithorizont ihrer Maßnahmen für den Bankensektor zeige das deutlich.

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  • Dass "Merkozy" in Brüssel einiges durchsetzen konnten“ beweist nicht dass dies im Interesse der Währungsunion insgesamt gut ist.
    Mag sein dass es kurzfristig im Interesse von der Deutsch-französische Achse ist, langfristig kann sich dass wie so oft als ein fataler Fehler erweisen.
    Es darf nicht vergessen werden dass alle Probleme, die wir heute in der Währungsunion haben, auf die Achse zurückzuführen sind, da diese zwei Länder den anderen Euroländer die Regeln, die zu der Eurokrise geführt haben, diktiert haben.

  • Die Financial Times meint also immer noch, Keynes habe Recht? Derjenige Volkswirt, auf den dieser ganze Schlamassel der Staatsverschuldung zurückgeht?
    Selten so gelacht!
    Das Ergebnis von Keynes sieht man besonders in den USA und in GB. Keynes sagte übrigens selbst, er sei kein "Keynesianer".

  • Tja, ich kann nicht erkennen, wie sich das Handelsblatt bei dieser sog. Presseschau anders verhält als zu Guttenberg: Man schreibt Texte ab bzw. übernimmt Inhalte. Mit der Quellenangabe ist man dann sehr schlampig und verweigert komplette Angaben, denn die Texte wurden von Personen geschrieben und nicht von Zeitungen.
    Aber das ist nur ein Beispiel, wie die Medien für sich Rechte in Anspruch nehmen, um dann auf der anderen Seite das gleiche Verhalten in groß angelegten Kampagnen zu verteufeln.
    Ist es Schizophrenie oder einfach nur unerträgliche Überheblichkeit, oder Beides?

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