Presseschau: Fällt das „Merkozy“-Tandem bald auseinander?

Presseschau
Fällt das „Merkozy“-Tandem bald auseinander?

Die internationale Wirtschaftspresse fürchtet eine Verschärfung der EU-Krise: Die Schuldenstaaten drohten ihre Reformen zu verschleppen. Deutschland und Frankreich könnten dagegen von der Innenpolitik abgelenkt werden.
  • 0

Das Wall Street Journal blickt trotz des wirtschaftlich guten Starts ins neue Jahr mit Sorge auf Europas Krisenstaaten. Die europäischen Kapitalmärkte hätten in der ersten Woche zwei Prozent gewonnen, der Markt für Bankenschulden sei nach sechs Monaten wieder angesprungen und die Zinsen für Italien und Spanien blieben stabil. Trotzdem sei die „große Frage von 2012“, ob Spanien, Italien und Griechenland die versprochenen Strukturreformen bewältigen können. Die Sparmaßnahmen seien noch der einfache Teil. „Es sind radikale Reformen auf der Anbieterseite notwendig, um über Jahrzehnte verlorene Wettbewerbsfähigkeit zurückzuholen und langfristiges Wachstum herzustellen“, meint das Blatt. In Italien sei seit Antritt von Mario Monti noch nicht viel geschehen. Auch Griechenland hinke dem Plan hinterher. Hinzu kämen Befürchtungen, der 50 % Haircut für private Gläubiger reiche nicht aus, um den Schuldenstand nachhaltig zu stabilisieren. Die Regierung in Spanien ringe trotz weitreichendem Mandat um eine Reform des archaisch geregelten Arbeitsmarktes. Die Abschwächung des Drucks der Märkte dürfe von den Regierungen nicht für eine Atempause genutzt werden.

Der australische Business Spectator sieht die Lage hingegen nicht so positiv und glaubt an eine Verschärfung nach dem Ende der Weihnachtsferien. Dafür spreche der italienische Zinssatz, der wieder auf sieben Prozent geklettert sei oder die wiederaufkeimenden Gerüchte um Griechenlands Pleite. „Es gibt genug Gründe für die Europäer, sich wieder den Kernproblemen zu widmen“, schreibt die Zeitung. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel werde jedoch von anderen Problemen abgelenkt. Mit der Wulff-Affäre drohe sie bereits den zweiten Bundespräsidenten zu verlieren und auch das Tandem Merkozy dürfte bald auseinanderfallen. „Nicolas Sarkozy braucht ein Wunder, wenn er im Amt bleiben möchte“, schreibt das Blatt. Die politische Ablenkung drohe den Kampf gegen die Krise in Europa zu lähmen. Jede nun getroffene Abmachung könnte die französische Wahl im Mai nicht überdauern, weshalb Merkel jeden Schritt ihres Partners in Europa mit Sorge betrachten werde. 

Die Financial Times fordert ein schnelles Ende im Drama um die Gläubigerbeteiligung bei der Rettung Griechenlands. Dabei sollte Europa auf einen Deal drängen, der die Belastung für Griechenland so weit wie möglich reduziere. Es gebe keinen Grund, Mitleid mit den Gläubigern zu haben. Diejenigen von ihnen, die griechische Bonds zu Niedrigpreisen erworben haben, würden von einem Tausch ihrer alten Anleihen gegen neue Papiere mit geringerem Wert sogar profitieren. Gleichzeitig müsse Europa versuchen, die Belastung andernorts zu minimieren. So würde das griechische Bankensystem von Abschreibungen belastet und müsse rekapitalisiert werden. Der Rettungsfonds könne dazu verwendet werden, der EZB die griechischen Anleihen abzukaufen. Richtig durchgeführt, werde diese Operation den Griechen einen Verbleib in der Eurozone erleichtern. Es müsse jedoch ein einmaliger Vorgang bleiben.

EU nimmt Ungarn in die Mangel

Die Financial Times Deutschland begrüßt die härtere Gangart der Europäischen Union gegenüber Ungarn und den Regierungschef des Landes Viktor Orban. Seine Partei Fidesz habe das ganze Land zur Beute erklärt und hemmungslos versucht ihre Macht zu festigen. Selbst die Unabhängigkeit der Notenbank habe Orban in Frage gestellt. Die Europäische Union nutze nun die prekäre Haushaltslage des Landes, um Einfluss auf die Situation zu nehmen. Die Drohung des Währungskommissars Olli Rehn, Ungarn das Geld aus dem Kohäsionsfonds zu streichen, ganz korrekt wegen fehlender Haushaltsdisziplin, sei mehr als ein Warnschuss. „Es ist die eindeutige Botschaft: Wer in unserem Klub mitmischen will, der hält sich gefälligst an die Spielregeln“, schreibt das Blatt. Das Land stehe kurz vor der Pleite und sei dringend auf internationale Geldgeber angewiesen. Das muss die Kommission ausnutzen und den Druck aufrechterhalten, damit sich Ungarn in Punkto Rechtsstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Notenbank wirklich bewege. Sie dürfe sich nur nicht mit Versprechen abspeisen lassen.

Seite 1:

Fällt das „Merkozy“-Tandem bald auseinander?

Seite 2:

Fundstück: Reiche Briten klauen gern

Kommentare zu " Presseschau: Fällt das „Merkozy“-Tandem bald auseinander?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%