Presseschau
Finanzmärkte bleiben zittrig

Die Internationale Wirtschaftspresse denkt über die Zukunft der Eurozone nach. Die Business Times wittert dicke Luft für die Luftfahrtindustrie, Stern Online diagnostiziert der deutschen Umweltpolitik Kraftstoffmangel.
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DüsseldorfWorte seien billig, hält die Financial Times mit Blick auf die Erklärung der europäischen Regierungschefs fest, sie seien „bereit, zu tun was immer nötig ist, um die Eurozone zu schützen“. Doch in diesem Fall sollten die Skeptiker die Worte ernst nehmen, meint das Blatt. „Die Eurozone wird hoch wahrscheinlich überleben, wenn auch nicht ohne weitere Turbulenzen.“ Erstens werde sie von einer fundierten politischen Zusage gestützt, zweitens stünden die langfristigen Interessen der Teilnehmerländer hinter ihr und schließlich könnten die Mitglieder sie sich auch leisten. Bei allem Ärger in Deutschland über schlampiges Benehmen mancher Partner, sei sich die Elite der Risiken der Isolation ebenso bewusst, wie des Nutzens der Stabilität, den das europäische Projekt dem Land gebracht habe. Umgekehrt fürchteten die Führer derzeit notleidender Länder den Ausgestoßenen-Status, der einem Austritt aus der Eurozone folgen würde. Nicht dass es undenkbar sei. „Schuldenrestrukturierungen sind ziemlich wahrscheinlich, irgendeine Art von Abbruch aber nicht“, hält die FT fest.

Das Wall Street Journal fährt gleich fünf gewichtige Ökonomen zur Debatte um den Euro auf. Seiner Meinung nach solle der Euro überleben, erklärt ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Doch das hänge sehr stark davon ab, ob europäische Länder politische und private Schuldenbegrenzungen implementieren können, die den Kapitalfluss effektiv begrenzten und Krisen von vornherein verhinderten. Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen meint: Damit der Euro glücklich und gesund erwachsen werde, müssten Dinge passieren. Am wichtigsten: „Europa muss sein Bankensystem reparieren.“ Die Verantwortung müsse wieder zu den Anleiheneignern. Dass die Kreation des Euro ein wirtschaftlicher Fehler gewesen sei, glaubt Harvard-Ökonom Martin Feldstein nach wie vor. Doch Geschichte könne nicht rückgängig gemacht werden. Trotz seiner Probleme werde der Euro auf absehbare Zeit weiter existieren. „Während hart arbeitende deutsche Wähler den Transfer ihrer Steuergelder in andere Länder argwöhnisch beäugen, die sich eines früheren Ruhestandes und kürzerer Arbeitswochen erfreuten, unterstütze die deutsche Wirtschafts-Community den Steuertransfer, um den Euro zu erhalten, weil sie erkennt, dass deutsche Unternehmen von den fixen Wechselkursen profitieren, die andere Eurozonenländer davon abhalten, durch Währungsabwertung mit Deutschland zu konkurrieren, analysiert er.

Investoren seien zunehmend besorgt, dass die Schuldenkrise europäischer Staaten wieder ausbrechen könnte, beobachtet der australische Business Spectator. Doch die mit der Herabstufung des griechischen Kreditratings verbundene Nervosität, kombiniert mit Bedenken, dass die Europäische Zentralbank nächsten Monat die Zinssätze erhöhen könnte, habe bereits „andere „periphere“ Eurozonenländer infiziert“. Händler fürchteten, Portugal werde das nächste Land sein, dass seine Hand nach einer Rettungsaktion ausstreckt, beobachtet das Blatt. Gleichzeitig wachse die Erkenntnis an den Finanzmärkten, dass der derzeitige Umgang der Eurozone mit seiner Schuldenkrise versagt habe und dass letztlich eine Form der Schuldenrestrukturierung in einigen schwächeren Ökonomien unvermeidlich sein werde. Sorge bereite auch, dass der Standard des diesjährigen Banken-Stresstests niedriger liege, als im vergangenen Jahr. „Bis Investoren überzeugt davon sind, dass die Eurozone einen vernünftigen Plan für die Restrukturierung der Schulden ärmerer peripherer Eurozonenländer und die Rekapitalisierung der europäischen Banken hat, werden die Finanzmärkte extrem zittrig bleiben“, erwartet das Blatt.

„Erinnern wir uns: Der Rettungsschirm wurde geschaffen, damit die griechische Krise nicht zu Ansteckungseffekten bei anderen insolvenzbedrohten Staaten führt. Dieses Ziel hat er verfehlt“, stellen zwei Gastkommentatoren vom Plenum der Ökonomen in der Financial Times Deutschland fest: Bestenfalls könne man behaupten, dass der Schirm die Ansteckungseffekte verzögert habe. Wegen der Sorge, dass nun auch Portugal und Spanien in Zahlungsschwierigkeiten kommen könnten und um auch für Staaten wie Italien oder Belgien vorzusorgen, den Schirm zu vergrößern, eine solche Strategie sei längerfristig hochriskant. „Deshalb plädieren wir bereits jetzt für die Möglichkeit einer geordneten Staatsinsolvenz, bei der ein Teil der entstehenden Kosten von den Gläubigern der insolventen Staaten zu tragen ist.“ Auch dabei seien erhebliche Eingriffe in den Markt nötig, räumen die FTD-Gastkommentatoren ein. Aber ein gewisser Restbestand an Marktregeln könne und solle erhalten bleiben. „Diese Auffassung vermissen wir bei jenen, die alle Risiken dem europäischen Steuerzahler aufbürden wollen, indem sie das gegenwärtige Rettungsschirmkonzept im bloßen Vertrauen darauf erweitern, dass die insolvenzbedrohten Staaten künftig Haushaltsdisziplin üben und international wettbewerbsfähig werden.“

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  • Der deutsche Steuerzahler wird sich wehren - zu Recht. Die EU kann selbstverständlich ohne den Euro Bestand haben. Die Idee, dass der Euro nicht rückgängig gemacht werden kann, ist falsch. Die Aufladung des katastrophalen Experiments einer Währung, die nicht passt mit politischen Einschätzungen, dass die EU zerbröckelt ohne Euro ist ebenfalls falsch. Die EUliten werden lernen müssen, dass man nicht alles gegen die Bevölkerung machen kann. Die deutsche Wirtschaft ist da zweitrangig - die hat auch früher immer gegen eine Aufwertung der DM mobilisiert. Entscheidend ist die Währung für die Menschen, die hier leben. Und es ist absolut ungehörig, den Wohlstand, der hier (oder in anderen Geberländern) erzeugt wurde, leichtfertig zu verteilen. Widerstand ist da absolut zweckmässig und wird auch kommen!

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