Presseschau
Frankreich kämpft um AAA

Die internationale Presse sieht nach der US-Finanzkrise nun Frankreich in Gefahr, FTD und NZZ verabschieden das Steuerparadies Schweiz und Apple geht verstärkt gegen das Nachbauen seiner Stores vor. Die Presseschau.
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WiesbadenDen plötzlichen Kurssturz der Aktien französischer Banken am gestrigen Mittwoch rekapituliert La Tribune. „Ein Hauch der Panik wehte durch die börsennotierten Finanzinstitute, die Société Générale verlor im Laufe des Tages über 20 Prozent, zu Börsenschluss waren es minus 14,7 Prozent.“ Aber auch die Aktien von BNP Paribas, Crédit Agricole und Natixis hätten nachgegeben, der französische Aktienindex CAC40 sei um 5,45 Prozent eingebrochen.

Ursache seien die schlechten Aussichten der SocGen, sie habe im Stresstest nicht gut abgeschnitten und ihre Gewinnerwartungen gedämpft. „Und dann goss die britische Zeitung Mail on Sunday Öl ins Feuer und verbreitete das Gerücht, die SocGen würde gerettet werden müssen. Auch wenn diese sofort dementierte, riss die Nachricht andere Aktien mit in den Keller.“ Der „fiebrige Markt“, aber auch das Umfeld hätten die Panik begünstigt: die stockende Umsetzung des griechischen Rettungsplans, die Gerüchte über eine mögliche Herabstufung Frankreichs durch Ratingagenturen, der weitere Rückgang des Wirtschaftswachstums - „das hat den Märkten einfach nicht gut getan.“

Frankreich steckt mitten im Kampf um sein AAA-Rating, analysiert das Wall Street Journal. Gewissermaßen hätten die Märkte das Land bereits herabgestuft, denn der Aufschlag auf französische Anleihen gegenüber den deutschen habe bereits 0,85 Prozentpunkte erreicht – drei Mal mehr als noch vor einem Jahr. Dies liege zum Teil an der hohen Schuldenquote, die mit 90 Prozent des BIP unter den verbliebenen AAA-Staaten am höchsten sei. Auch die Neuverschuldung von sieben Prozent im vergangenen Jahr werde nur von Griechenland, Irland, Spanien und Portugal übertroffen.

Im Unterschied zu den USA verfüge Frankreich zwar über einen Plan, die Verschuldung herunterzufahren, allerdings gehöre Paris zu den wichtigsten Geldgebern des Europäischen Stabilitätsmechanismus. „Eine Herabstufung Frankreichs wäre somit eine Bedrohung für den Euro“, kommentiert das Blatt.

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  • So weit so gut. Nur die Frage ist: Warum wird nicht die Verursacher der Krise zur Rechenschaft gezogen? Die letzte Finanzkrise wurde nicht durch die Girokontoinhaber der welt verursacht. Sondern durch die Banken (Lehman usw) selbst. Aber bezahlt hat am Ende der Steuerzahler. Ich weiss es nicht ob man es zusammengerechnet hat, wieviel für die Bankenrettung bezahlt werden musste und wieviel "Steuergeschenke"(wie Sie sagen) man erhalten hat?

  • Staat - Parlament - Regierung - Verfassungsgericht - Demokratie - Minderheitenschutz - Menschenrechte - Verschuldung

    Sobald der innerstaatliche Rahmen verlassen wird - hier: internationale Verschuldung, ist ein demokratischer Staat auch anderen Abhängigkeiten unterwurfen als nur der Wahlstimmen seiner Bürger.
    Insofern geht eine ausufernde Verschuldung einher mit einem Bedeutungsverlust der demokratischen Willensbildung.
    D. h. egal welche Regierung die Griechen, Iren, Portugiesen - hoffentlich nicht so bald die Deutschen - wählen, diese muss zunächst den Auflagen von Euro-Rettungs-Fonds, IWF etc. gehorchen, bevor sie ihren Wählern Geschenke geben (das war früher) oder finanzielle Härten ersparen (darum geht es zukünftig) kann.
    Jedem demokratischen Staat steht es frei - wie das ja jede Privatperson kennt - durch Rückzahlen seiner Schulden wieder Herr im eigenen Haus zu werden.

  • Wie naiv! Schon mal von Leerverkäufen gehört? Finanzspekulanten haben sehr viele andere Instrumente, den "freien Markt" zu beeinflussen, bzw. zu ruienieren um Milliarden zu verdienen. Jeder andere Investor muss zwangsläufig darauf reagieren, um sein ganzes Geld nicht zu verlieren.

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