Presseschau
"G20 war gestern, morgen heißt es G18 gegen G2"

Die internationale Wirtschaftspresse liefert eine Nachlese des G20-Gipfels - und zeigt sich von den Ergebnissen überwiegend enttäuscht. Forbes und Fortune vermelden Neuigkeiten vom US-Automarkt. El Economista entlarvt José Zapateros leere Visionen. Vedomosti begrüßt neue Ermittlungen im Daimler-Korruptionsskandal des Kreml. Fundstück: Die Zehn-Millionen-Dollar-E-Mail.
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"Dass der G20-Gipfel in Seoul nicht enttäuschte, lag nur daran, dass die Erwartungen im Vorfeld heruntergeschraubt wurden. Bezüglich der wichtigsten Themen - der Währungskrieg und die makroökonomischen Ungleichgewichte - gingen Beobachter von nur wenig Einigkeit aus. Tatsächlich wurde keine Einigkeit erzielt", resümiert die Financial Times aus London. Die G20-Staaten hätten versprochen, den Ungelichgewichte mit "nebulösen" indikativen Richtlinien zu begegnen, ganz wie China behaupte es zu tun. Sie hätten sich verpflichtet, Abstand von wettbewerbverzerrenden Währungsabwertungen zu nehmen, ganz wie die USA behaupte schon jetzt nicht zu tun. "In anderen Worten: jedes Land kann weiter so verfahren wie bisher. Indem sich die G20 darauf einigten, keine koordinierte Maßnahmen zu ergreifen, haben sie der Welt es selbst überlassen, die Ungleichgewichte auszuräumen." Ohne politische Führung sollten die Staaten nun selbst auf nationalem Level die Probleme angehen, das mache es für jeden einzelnen schwerer. "Dies ist keine kollektive Führerschaft, sondern ein gemeinsamer Verzicht auf Macht."

"Die G20-Staaten haben den Gipfel mit fast soviel Uneinigkeit beendet wie sie ihn begonnen haben", lautet das Urteil des Wall Street Journals. "Damit wird die Idee, dass die G20 ein noch am Anfang stehendes Forum für die Diskussion globaler Politik sind, ad absurdum geführt." Zwar sei der Ton auf dem Treffen höflicher gewesen als der Ton der Diskussionen im Vorfeld, doch in den meisten drängenden Fragen hätten die Staaten sich geweigert, Einvernehmen zu erzielen, um ihre nationalen Interessen zu wahren. "Der einzige wirkliche Kompromiss ist der gemeinsame Wille, die internationale Währungspolitik zu prüfen." Dieser Kompromiss verdeutliche die Grenzen, auf die das Forum treffe, sobald die Interessen der einzelnen Mitglieder auseinandergehen. Möglicherweise sei es heute, wo die globale Finanzkrise abklinge, schwerer, die Mitgliedsstaaten von unbequemen, aber notwendigen Maßnahmen zu überzeugen.

"Stillstand" hat die Financial Post aus Kanada in Seoul beobachtet. Zwar seien die G20-Staaten einig, dass zügelloser Konsum und Schulden in einigen Staaten, zu sparsame Verbraucher in anderen Staaten die Welt in eine neue Krise führen und beide Trends gestoppt werden müssen. "Doch wann und wie, war in der Abschlusserklärung nicht zu finden", moniert das Blatt. Ein mageres Ergebnis des Gipfels sei, dass die G20 immerhin das Währungsproblem als solches wahrgenommen hätten. "Interessant" sei auch, dass die G20 in ihrer Erklärung eingeräumt hätten, dass noch weitere Probleme auf sie zukommen - und "unkoordinierte, politische Aktionen" die Lage nur verschlimmerten. "Das war ein Schlag auf Amerikas Finger, der weltweit gehört wurde."

"Haben wir wirklich geglaubt, dass der G20-Gipfel Lösungen für die aktuellen Probleme des Währungskrieges präsentieren würde?", fragt der Financial Express aus Indien - und plädiert dafür, dass Positive zu sehen. Auf Fragen, die seit Monaten diskutiert würden, könne niemand in zwei Tagen Antworten entwickeln. Immerhin hätten sich die G20 darauf geeinigt, dass es tatsächlich ein Problem - den sogenannten Währungskrieg - gibt und sie dafür ein Lösung finden müssen. Auch hätten die Schwellen- und Entwicklungsländer ein wenig Hoffnung mitgenommen: "Für fünf Bereiche wollen die G20 indikative Richtlinien erarbeiten: Währungen, Wechselkurse, Handel und Entwicklung, Steuer- und Finanzreformen." Dass noch keine Details genannt wurden, sei wohl nachvollziehbar: Kein Staat habe sich bindend verpflichten und die Verantwortung übernehmen wollen, dies sei normal bei solchen Treffen. Und schließlich sei es begrüßenswert, dass der Gipfel nicht in Bitterkeit geendet sei.

Les Echos hat eine Studie des britischen Think Tanks CEPR gelesen, die den wachsenden Protektionismus in der Welwirtschaft evaluiert. "111 protektionistische Maßnahmen haben die G20-Staaten seit ihrem letzten Treffen im Juni in Toronto verabschiedet", zitiert das französische Wirtschaftsblatt aus dem Dokument. Weil die Krise noch weiter andauere, seien viele Mitgliedsstaaten der G20 offen für protektionistische Thesen. Das Ziel der G20, zu kooperieren, rufe deshalb eher Furcht hervor. Ohnehin entwickle sich derzeit ein Wettstreit zwischen den USA und China, innerhalb der G20 heiße es mehr und mehr "G18 gegen G2". Europa müsse dabei die Führungsrolle übernehmen. "Amerika muss schnell handeln und das Feuer löschen, dass das Land mit seiner Währungspolitik entfacht hat, China muss seinem industriellen Nationalismus entsagen oder den Yuan ernhaft aufwerten, wenn es nicht mit ansehen will, wie seine Kunden Zollbeschränkungen anpassen." Es sei an Europa, den Vorsitz der G18 gegen die G2 zu übernehmen."

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