Presseschau
Gewinner des Währungskrieges

Die internationale Wirtschaftspresse fragt, welche Länder vom Währungsstreit profitieren – und sieht bereits die beiden wichtigsten Protagonisten als heimliche Nutznießer. Wobei die Medien China auch in Schutz nehmen.
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China und die USA seien die heimlichen Gewinner des Währungskrieges, schreibt der Wirtschaftsdienst Reuters, obwohl beide behaupteten, auf der Verliererseite zu stehen. „Der Dollar ist gegenüber fast allen Währungen der Handelspartner der USA scharf gesunken“, analysiert die Agentur. Auch die Chinesen seien nicht aufrichtig. Während der Renminbi just seinen Höchststand gegenüber dem Dollar erreicht habe, sei er gegenüber allen anderen Währungen rapide abgestürzt. Die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern werden immer größer. Weil die Zinssätze im Westen auf historisch niedrigem Niveau verharrten, fließe das Geld in den Osten und in den Süden. Die Börsen in den Entwicklungsländern verzeichneten Rekordwerte. Auch der Markt für Anleihen dieser Staaten boome, was die Währungen ihrer Handelspartner weiter in die Höhe treibe. „Eine einfache Lösung gibt es nicht“, kommentiert Reuters. Steigende Zinsen in den USA könnten den Aufschwung gefährden und eine rapide Renminbi-Aufwertung zu Massenarbeitslosigkeit in China führen. Eine stetige Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar, kombiniert mit einem Stopp des Wertverfalls der amerikanischen Währung, sei der beste Weg. „Sich darauf zu einigen, während die Fronten sich verhärten, dürften schwierig werden“. Sollten beide Seite jedoch nichts tun, dann drohte der Währungskrieg zu einem Handelskrieg zu werden, in dem es nur Verlierer gäbe.

Die Financial Times Deutschland warnt vor Leichtgläubigkeit angesichts Chinas Versprechen, seine Währung aufzuwerten. So habe die chinesische Führung die globalen Märkte schon im August in die Irre geführt. „Und obwohl die Worte von Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan diesmal glaubwürdiger klingen, sind sie noch lange kein Grund für Enthusiasmus“, schreibt das Blatt. Zum einen sei der Renminbi so billig, dass China einen gewissen Spielraum zum Aufwerten habe, ohne damit der heimischen Wirtschaft zu schaden. Außerdem brächte sich das Land vor dem anstehenden G20-Gipfel international aus der Kritik. Doch selbst eine langfristige Aufwertung sei kein Allheilmittel für die Probleme der Weltwirtschaft, auch wenn Amerikaner die Sichtweise gern verbreiteten. Es sei unsicher, dass der Exportüberschuss Chinas bei einer Aufwertung tatsächlich – wie in der Theorie – sinke. Dazu müsste vor allem die Kaufkraft der chinesischen Bevölkerung gestärkt werden. Auch das Währungsproblem an sich, mit teils „erratischen Wechselkursschwankungen“, wäre nicht gelöst.

„Die Welt muss mehr Geduld haben mit China“, fordert der Wirtschaftsdienst Bloomberg. Zwar habe das Land es hinausgezögert, sich an dem Prozess der Gleichgewichtsfindung für die Weltwirtschaft zu beteiligen. Dieser Prozess sei jedoch für die chinesische Führung nie einfach gewesen. Die Verantwortlichen in Peking fürchteten nicht weniger als andere Regierungen harte Entscheidungen in guten Zeiten. „Nun sind die Zeiten schlecht, Kooperation ist nötiger denn je, aber China kann sich gar nicht so schnell an seine Partner anpassen“, argumentiert der Wirtschaftsdienst. Chinas Wirtschaftswachstum hänge sehr von dem Exportüberschuss ab. Eine rapide Aufwertung könnte das Wachstum verlangsamen, indem es die Exporteure in Turbulenzen stürze. China müsse aufwerten, um damit den realen Wert der Haushaltseinkommen – durch billigere Importe – zu steigern. Dies würde den Konsum stärken auf Kosten des Exports. „Passiert dies langsam, können chinesische Hersteller einheimische Kunden genauso schnell gewinnen, wie sie ausländische verlieren. Arbeitslosigkeit bleibt dann begrenzt“, meint Bloomberg.

„Es riecht nach Schwarzpulver auf der Währungsfront“, schreibt das russische Wirtschaftsblatt Vedomosti. Jedes Land, von Kolumbien bis zur Schweiz, habe sich an dem Abwertungswettrennen beteiligt und an der Inflationsspirale gedreht. Allein Russland scheine etwas abseits zu stehen. So habe der Rubel leicht an Wert gewonnen und werde seine Aufwertung nach den Worten des Zentralbankchefs fortsetzen. Doch dies sei kein Grund zu Freude. Das Kapital fließe in die aufstrebenden Märkte, auf der Suche nach Profit. Russland stehe vor einer Wahl: Entweder es schaue wortlos zu, wie eine Geldlawine über das Land rolle und die einheimische Währung aufwerte, den Export verlangsame und Blasen auf dem Immobilien- und anderen Anlagemärkten hinterlasse. Oder es kehre zurück zu regelmäßigen Interventionen und verstärkter Kapitalkontrolle, was zu Inflation und Verzerrungen im Handel führe. Die Geschichte des letzten großen Währungskriegs in den 1930-er Jahren zeige, dass selbst Länder, die sich nicht daran beteiligt hätten, davon betroffen worden seien.

 

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