Presseschau
„GM ist noch nicht börsenreif“

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt den schillernden Börsengang von GM und das Engagement der Chinesen beim US-Autobauer. Das Manager Magazin sieht in der Übernahme von Roland Berger durch Deloitte eine Zeitenwende in der Powerpoint-Gemeinde. Cinco Días rät Spanien, einen Plan B aufzustellen. Fundstück: Achtung Ackermann-Schleudertrauma.
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Am heutigen Donnerstag kehrt die Opel-Mutter General Motors an die Wall Street zurück. Der US-Autobauer verlangt den maximal möglichen Preis je Anteilsschein, nämlich 33 Dollar. Damit könnte GM den größten Börsengang der Geschichte hinlegen - mit einem Volumen von 23,1 Milliarden Dollar.

Die Financial Times Deutschland meint, der Autobauer sei nicht börsenreif und habe noch nicht bewiesen, dass er über den Berg ist: Dem Konzern fehlten verbrauchsarme Autos und eine nachvollziehbare Elektro-Strategie, außerdem sei GM nur in Nordamerika wirklich stark – die deutsche Tochter Opel bereite den Managern trotz aller Sanierungsversuche große Sorgen. Schließlich fehle beim US-Konzern die Kontinuität in der Führungsetage. Der Autobauer habe binnen weniger Jahre drei Chefs verschlissen. Boss Nummer vier, Dan Akerson, müsse nun die nötige Zeit bekommen, um die Begeisterung der Investoren zu rechtfertigen.

Eine „starke Symbolik“ sieht La Tribune im neuerlichen Börsengang: „Vor zwei Jahren ausgeblutet und bankrott gegangen, alimentiert vom US-Staat, hat sich der Autokonzern wieder kühn vor die Portale zu Amerikas Finanztempeln positioniert.“ Die Börse liebe solche Geschichten, besonders vor Weihnachten, und besonders, wenn es um die ehemalige Nummer eins der globalen Autoindustrie gehe. „Die Börse zeigt, wie schnell die Finanzmärkte vergessen, wenn der Einsatz in einem neuen Spiel lohnt“, kommentiert das französische Wirtschaftsblatt. Ob die einstigen GM-Aktionäre erneut investieren wollten, sei zwar längst nicht sicher. Doch die Aussichten auf Gewinne verdrängten schlechte Erinnerungen, zumal GM sehr gute Zahlen vorgelegt habe. Die Nachfrage nach GM-Aktien werde vermutlich hoch sein. „Schließlich sieht die Börse ihre Mission darin, Unternehmen finanziell bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. Der Fall GM passt genau in dieses Schema – nicht mehr und nicht weniger.“

Forbes kommentiert den Plan von Chinas führendem Autohersteller SAIC, einen Ein-Prozent-Anteil an GM zu kaufen. Die Frage, ob man China dies erlauben solle, beantwortet das US-Wirtschaftsmagazin mit ja. Das Land sei zentral für die Zukunft von GM. In diesem Jahr werde das Unternehmen erstmals mehr Autos in China absetzen als auf dem Heimatmarkt. Hinzu komme, dass SAIC kein Fremder für GM sei. Beide Firmen kooperierten in China und Indien. Gleichwohl müssten die USA in einen Dialog mit der chinesischen Regioerung, die SAIC kontrolliere, treten, um über die angespannten wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder zu diskutieren.

Auch Sicht der New York Times ist mit dem Börsengang von GM die „Bailout-Ära“ noch lange nicht zu Ende. Washington werde möglicherweise nie mehr das Geld zurückerhalten, das die Regierung in die Wirtschaft gepumpt habe. Anders als bei AIG sei beispielsweise bei Chrysler und GMAC der Weg zur Profitabilität unklar. Die größten Sorgen bereiteten aber die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die bislang mit 150 Milliarden Dollar an Steuergeldern am Leben erhalten worden seien. Nach Prognosen könnte der Regierung am Ende bei ihnen ein Verlust von 55 Milliarden Dollar entstehen.

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