Presseschau
Goldman, Gottes Werk und Bankers Beitrag

Die internationale Wirtschaftspresse debattiert über Erfolg und Mission von Goldman Sachs und entdeckt dabei eine zweifelhafte Stiftung. Vedomosti zeigt sich von der Rede des russischen Präsidenten zur Lage der Nation unbeeindruckt. Veckans Affärer untersucht das skandinavisch-russische Mobilfunkkarussell. Fundstück: Der Duft der Banker.
  • 0

Bloomberg hinterfragt das Dementi von Goldman-Chef Lloyd Blankfein hinsichtlich seiner Aussage aus einem Interview, dass Banken, indem sie Unternehmen mit Krediten unterstützten und so für mehr Wohlstand sorgten, „Gottes Werk“ verrichteten. Der öffentliche Zorn habe Goldman offenbar dazu veranlasst, die Aussage zu relativieren. Gleichwohl stehe Blankfeins Statement in einer Reihe mit den jüngsten PR-Offensiven anderer Top-Banker. So hätten zuletzt Brian Griffiths, internationaler Berater von Goldman Sachs, und Barclays-Chef John Varley bei Gastvorträgen in Londoner Gotteshäusern das globale Bankensystem und die globale Ungleichheit, für die es verantwortlich gemacht worden sei, verteidigt. „Was ist zum Teufel los mit diesem Gott-Gequatsche des Too-big-to-fail-Clubs“, fragt Bloomberg skeptisch.

Reuters zweifelt an den Aktivitäten der Goldman Sachs Foundation, einer weltweit tätigen, gemeinnützigen Stiftung, die von der Goldman Sachs Group ins Leben gerufen wurde. Dass die Steuererklärung der Stiftung über 200 einzeilig beschriebene Seiten umfasse, zeige, wie stark Goldman selbst bei der eigenen Wohltätigkeit investiere und handele. Seltsam sei dabei, dass Goldman zwar 501 Millionen Dollar seit 1999 in die Stiftung gesteckt habe, aber nur einen Bruchteil von rund fünf Prozent ausgeschüttet und in Projekte gesteckt habe – das Minimum, das für den gemeinnützigen Status erforderlich sei. Von den meisten Aktivitäten der Stiftung profitiere am Ende Goldman selbst. Als Beispiel nennt Reuters die Asia Society an der Park Avenue in New York: eine „Quasselbude“, in der Goldman-Banker ihren ausländischen Kunden „Honig ums Maul schmieren“.

Das US-Wirtschaftsmagazin Portfolio zieht eine Verbindungslinie zwischen dem Erfolg von Goldman Sachs und dem Abschied der Investment-Boutique Greenhill & Co. aus dem Private-Equity-Geschäft. Hintergrund: Das Unternehmen wolle sich stärker auf die Beratung im M&A-Geschäft in Boom-Zeiten sowie bei Restrukturierungsfragen in Bärenmärkten konzentrieren. Erstaunlich sei der Zeitpunkt dieser neuen Ausrichtung, da aktuell einige der größten und vielfältigsten Institute wieder profitabel arbeiteten – wenn auch bei weitem nicht alle auf dem Niveau von Goldman Sachs. „Die Entscheidung (...) signalisiert: Zumindest eine Firma hat erkannt, dass der Weg, größer und vielfältiger zu werden sowie mehr Proprietary-Deals abzuschließen, nicht der einzige zum Erfolg ist. Die traditionelle Rolle der Wall Street als Vermittler ist lukrativ genug“, lobt das Magazin. In der aktuellen Debatte über Regulierung und „too big to fail“ müsse das Beispiel von Greenhill & Co. ein Impuls auch für die großen Institute wie Citigroup oder Morgan Stanley sein, sich auf die eigenen Wettbewerbsvorteile zu konzentrieren.

Seite 1:

Goldman, Gottes Werk und Bankers Beitrag

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Presseschau: Goldman, Gottes Werk und Bankers Beitrag"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%