Presseschau
Griechenland drängt Euro-Zone an den Abgrund

Die internationale Presse kritisiert angesichts der erneuten Krisensituation Griechenlands das Management der Euro-Zone. Von einem Austritt des Landes aus der Währungsunion halten die Leitartikler aber wenig.
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Düsseldorf„Sie können noch nicht mal ein Geheimtreffen organisieren, wie wollen sie eine Schuldenkrise lösen?“, höhnt die Financial Times angesichts der Gerüchte, am vergangenen Freitag hätten die Euro-Finanzminister in einem Meeting den Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion diskutiert. Der Grund für den Aktionismus sei, dass der Eurozone einfache Lösungsansätze für die Schuldenkrise Griechenlands ausgehen, denn zu jedem gebe es valide Gegenargumente. Ob Ausstieg, Umschuldung oder Anleihetausch - das wahre Problem seien nicht die hohen Schulden der Peripherie-Staaten, diese seien winzig im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt der EU: „Makroökomoisch gesehen ein Sturm im Wasserglas.“ Das wahre Problem sei, dass die Eurozone politisch unfähig sei, mit der Krise umzugehen. „Die Lösung der Krise hat gerade erst begonnen, die Verantwortlichen realisieren erst jetzt, dass sie Milliarden kosten wird, und kein Staat Transfers leisten wird ohne entsprechende Konditonen.“ Es fehle an gemeinsamem Handeln. „Die EU-Elite hat Angst zuzugeben, was Wirtschaftshistoriker seit langem wissen: Eine Währungsunion funktioniert nicht ohne eine politische Union. Wir haben keine Schuldenkrise, wir haben eine politische Krise.“

Ein Déjà-vu-Eindruck
Die Financial Times Deutschland kann sich nicht eines Déjà-vu-Eindrucks verwehren: „Schon wieder stellt sich heraus, dass das Rettungspaket für Griechenland nicht ausreicht. Schon wieder treffen sich die Euro-Finanzminister, um mitten in der Nacht hektisch über Hilfen zu beraten. Schon wieder hoffen sie, dass es diesmal zum letzten Mal geschieht.“ Dabei sei das Land nicht allein schuld: Die drastischen Einschnitte hätten die Konjunktur geschwächt und die Steuereinnahmen einbrechen lassen, die aber für den Abbau der Schulden nötig seien. Nun wollten die Euro-Länder Athen bei den Sparvorgaben zeitlich entlasten. „Doch auch das ist nur eine weitere Notoperation, um den Kollaps zu verhindern - mehr nicht.“ Noch immer fehle eine Antwort darauf, wie das Land finanziell wieder gesunden solle. Deshalb würden nun selbst abstruseste Vorschläge die Finanzmärkte verunsichern, wie der Ausstieg Griechenlands aus dem Euro oder der Ruf nach einer schnellen Umschuldung. Realistische Lösungsvorschläge seien dagegen der Rückkauf der Staatsschulden aus dem Rettungsfonds, langfristige Umschuldungsprogramme oder Milliardentransfers.

„Die europäische Schuldenkrise ist nicht vorbei, und Staatsinsolvenzen werden immer wahrscheinlicher“, zeigt sich die Financial Post aus Kanada alarmiert. Wie habe es nach den Rettungszahlungen dazu kommen können? „Zum einen sind Staaten, die den UA in der Hypothekenkrise zur Hilfe eilten, selbst von der Krise geschwächt. Zum anderen haben Staaten wie Griechenland und Portugal ihr eigenen Finanzgrab geschaufelt, weil sie chronische Defizite anhäuften und kurzfristige Interessen über langfristige Sicherheit stellten. Irland oder Spanien haben ihre Defizite den Banken zugeschoben, was zu Immobilienblasen führte. Und schließlich zeigt sich nun, dass die europäische Währungsunion nicht ohne eine parallele Finanzunion nicht trägt und schwache und starke Mitgliedsstaaten immer mehr auseinanderdriften.“ Der Rettungsfonds widme sich dabei nur den Symptomen, löse aber nicht das primäre Liquiditätsproblem. Griecheland, vermutet die Zeitung, werde in den nächsten zwei Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent Konkurs anmelden müssen, für Portugal und Irland sei damit zu 60 Prozent zu rechnen. „Der Dreifach-Konkurs wird das Europas Banken ins Wanken bringen, sollten diese nicht rekapitalisiert werden.“ Am Ende werde die Weltfinzanz- und Weltwirtschaft leiden. „Es zeigt sich, dass der Grund, auf dem Staatsanleihen fußen, rutschig ist. Andere ausgabefreudige Staaten sollten gewarnt sein.“

Schlechte Karten für Griechenland
„Griechenlands Kreditgeber haben schlechte Karten“, analysiert die Wirtschafts-Woche die aktuelle Lage: Hielten die Euro-Länder und der IWF die Auszahlung der Kredite zurück, weil das Land seine Hausaufgaben nicht erfülle, fehlte Athen das Geld, um seine Altschulden zu tilgen. „Das Land wäre bankrott, die Gläubiger müssten auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichten.“ Verließe Griechenland die Währungsunion, würde die Tilgung der in Euro denominierten Schulden für Griechenland unbezahlbar, es würde seinen Schuldendienst einstellen. Auch in diesem Fall verlierten die Gläubiger einen Großteil ihrer Forderungen. „Solange die Euro-Länder und der IWF einen Forderungsverzicht mit Rücksicht auf die Banken ablehnen, sind sie erpressbar.“ Athen werde das ausnutzen, um weichere Anpassungsauflagen für seine Hilfskredite durchzudrücken, Irland und Portugal könnten ähnlich agieren. Damit würde die Währungsunion endgültig zur „Transferunion“, in der die Steuerzahler aus den soliden Ländern, allen voran Deutschenland, „genesungs- und reformunwilligen“ Dauerpatienten alimentieren. Fazit: Der gesunde Kern Europas müsse sich sich von den kranken Ländern abspalten und die Währungsunion verlassen. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

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  • Hätte ich dem Beamten einen kleinen Briefumschlag mit einigen Scheinen übergeben, dann hätte er sich wohl dazu bequemt nicht nur den Hörer abzuheben, sondern auch den Mund zu öffnen um zu reden.

    Hab´s vergessen! Mein Fehler!


  • Kennst Du nicht den Zusammenhang zwischen Spaß und Risiko?

    No risk no fun!

    Je größer der Spaß, desto größer das Risiko. Je größer das Risiko, desto höher der Zins.

  • 2/2

    Und jetzt wollen sie auch noch Anleihen an die Diaspora-Helenen verkaufen. Diese Leute sind nicht ohne Grund im Ausland! Von mir bekommen diese faulen Säcke, diese Diebe und Wegelagerer, von griechischen Beamte und Politiker, die in den letzten Jahrzehnten das ganze Land auseinandergenommen haben um sich persönlich aus den vollen Töpfen zu bereichern, keinen einzigen Cent. Die müssten erst ganz weit unten ankommen, die vorhandenen Strukturen müssten gnadenlos zerschlagen werden damit ein neuer Anfang gemacht werden kann.


    So schlimm kann die Krise dort unten gar nicht sein, dass GR fremdes Geld bräuchte! Streikende Mitarbeiter in privaten Unternehmen werden aus der Staatskasse bezahlt. Gewerkschaftler wurden und werden aus der Staatskasse mit Millionen finanziert und wälzen sich immer noch genüsslich wie die Made im Speck. Bekamen Jahrzehnte aus der Staatskasse luxuriöse Auslandreisen in Milliardenhöhe!!! finanziert. Sowohl sie als auch Politiker und deren Kumpels. Ohne irgendwelche Angaben über Sinn und Zweck dieser Reisen ohne Ergebnisse, ohne Namen der Teilnehmer. Selbstverständlich jeweils mit der ganzen Sippe im Schlepptau. Wo sind die Verantwortlichnen? Wo diejenigen, die das Geld im Fluss hielten? Wo sind die Köpfe, die rollen? Soll sich der griechische Staat bei denen die Kohle holen!
    Soll mir keiner sagen, dass Europa nichts wusste! Solange die Kohle floss hat sich keiner daran gestört. Alle haben angestrengt weggeschaut! Der Karren wird solange auf Kurs gehalten bis er gegen die Wand kracht! Dass die Kohle irgendwann nicht mehr fließen könnte, auf die Idee ist wohl keiner gekommen. Beamte sind eben Beamte! Sie denken wie Beamte und sie handeln wie Beamte. Auf welcher Ebene auch immer!
    In meiner Heimat sagt man, dass man durch Leid weise wird und dass die Prügelstrafe aus dem Paradies kommt. In D sagt man, dass jede Krise auch eine Chance in sich birgt. Man sollte GR nicht die Gelegenheit nehmen zu lernen. Den Gläubigern übrigens auch nicht.

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