Presseschau: Griechenland greift nach dem Rettungsring

Presseschau
Griechenland greift nach dem Rettungsring

Die Wirtschaftspresse misst der Einigung über ein weiteres Sparpaket für Griechenland keine allzu große Bedeutung bei. Die Nachricht aus Athen sei lediglich ein Hoffnungsschimmer, denn letztlich entscheide das Volk.
  • 0

Wiesbaden„Stell dir vor, es ist Krise, und keiner guckt hin“, seufzt die Börsen-Zeitung. Außerhalb von Griechenland, wo die neue Sparrunde ja durchaus ans Eingemachte gehen würde, könne und wolle man es einfach nicht mehr hören und lesen – „eine Art Wulff-Effekt“, ausgelöst durch politischen und medialen Overkill. Da „muss es zunehmend schwerfallen, Fortschritte überhaupt noch wahrzunehmen und dann tatsächlich positive von nur vermeintlich konstruktiven Entwicklungen zu unterscheiden“, stellt das Blatt fest

Letztlich seien die jüngsten Nachrichten aus Athen nicht mehr als Wasserstandsmeldungen. „Und mag der Pegel am Donnerstag auch gesunken sein: Das Wasser steht allen Beteiligten auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichem Ausmaß immer noch bis zum Hals. Mindestens“, unkt die Zeitung.

„Mit der Einigung der drei wichtigsten Parteien Griechenlands auf ein weiteres, rigoroses Sparprogramm ist das Land noch nicht am Ziel“, kommentiert L‘Expansion die aktuelle Entwicklung in dem südeuropäischen Land. Der genaue Inhalt der Einigung sei noch nicht bekannt, die „dunklen Schatten“ über Griechenland hätten sich noch nicht aufgelöst. „Diese Unsicherheit war auch an den Märkten zu spüren: Sie schlossen gestern Abend nur ganz leicht im Plus.“

Auch Europas Finanzminister hätten sich ob der Nachricht zurückhaltend gezeigt. „Schließlich bedeutet diese Einigung nicht, dass das griechische Volk zustimmt. Die nationalen Medien sprechen von einer bitteren Pille, die Griechenland schlucken müsse, die Gewerkschaften haben zu Streiks aufgerufen.“ Doch das Land habe letztlich keine Wahl: „Das Angebot des zweiten Rettungspakets in Höhe von 130 Milliarden Euro ist Griechenlands Rettungsring.“

Die Einigung zwischen der griechischen Regierung und den internationalen Geldgebern löse auf keiner Seite große Hoffnungen aus, stellt Die Welt fest. „Hellas verspricht, was es versprechen muss, um das neue Hilfspaket zu bekommen. Und die Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission tut so, als wenn sie – wider besseres Wissen – an die Gesundung der griechischen Wirtschaft glaubte.“ Doch auf die Reformbereitschaft der Politiker komme es nicht an. Entscheidend sei der Wille des Volkes.

Auch mit dem neuen, noch größeren Hilfspaket werde es alle paar Monate erneut Krisensitzungen, nächtliche Verhandlungen und vermeintliche Durchbrüche geben, erwartet die Zeitung. „Doch machen wir uns nichts vor: Eine echte Rettung Griechenlands lässt sich auf diesem Weg nicht erreichen.“ Wirtschaftlich müsse das Land den Euro-Klub verlassen. Doch die Furcht davor sei politisch zu groß. Lieber drückten die Geber die Augen zu, als die Konsequenzen zu ziehen. Und je mehr Steuergelder im Feuer sind, desto geringer werde die Wahrscheinlichkeit, dass die Gläubigerländer die Hilfe einstellen. Früher oder später würden sich die Proteste der griechischen Bürger auszahlen – „auf unsere Kosten“, unkt das Blatt.

Kommentare zu " Presseschau: Griechenland greift nach dem Rettungsring"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%