Presseschau
Griechenland-Krise lähmt G20-Gipfel

Die internationale Presse fürchtet wegen der Griechenland-Debatte um den Erfolg des G20-Gipfels in Cannes. Sie fordert mutige Entscheidungen, liefert eigene Lösungsvorschläge und setzt auf „Super Mario“. Die Presseschau.
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WiesbadenGroße Bedeutung misst die Financial Times aus London dem heute beginnenden G20-Gipfel in Cannes bei: Die Entscheidungsträger müssten aus dem Treffen ein „Cannes-Do Gipfel“ machen. Dass ein kleines Land wie Griechenland für die Eurozone und die Welt zu einer derartigen Gefahr werden konnte, zeige, dass mit der Weltwirtschaft etwas „grundlegend nicht stimme“. Die Koordination zwischen den großen Wirtschaftsnationen weise Mängel auf, das habe Auswirkungen auf die Währungs-, Finanz- und  Währungskurspolitik. „Damit müssen sich die G20-Vertreter in Cannes beschäftigen, denn das nächste Treffen ist erst für Juni 2012 terminiert.“

Gegen den zunehmenden Protektionismus in Form von Währungsmanipulationen müsse etwas unternommen werden, die EZB müsse die Zinssätze weiter senken und sich die Fed als Vorbild nehmen, und Länder, die es sich leisten könnten, müssten die Wirtschaft stimulieren: „Deutschland muss z. B. aufhören, die Rolle der schwäbischen Hausfrau zu spielen, die selbst dann nur ihre Ersparnisse im Kopf hat, wenn ihr Dorf bereits brennt.“ Das Fazit: Noch nie seien die Hürden auf einem G20-Gipfel so hoch gewesen.

Einen Gipfel der „entsetzten Lähmung“ befürchtet das österreichische Wirtschaftsblatt. Man habe sich viel vorgenommen, doch werde Griechenland die Gipfeldebatten beherrschen, „auf Papandreous Verhandlungsstuhl möchten in Südfrankreich dieser Tage wohl nur die wenigsten sitzen.“ Doch dass die Entscheidungsträger von der „griechischen Kehrtwende“ derart überrascht wurden, überrasche. Das Timing sei zwar harsch gewesen. „Aber die Fernsehbilder von Straßenschlachten und Massenstreiks kannte eigentlich jeder.“

Dass der innenpolitische Druck mit jedem Tag zunahm, habe man gewusst, ebenso dass der vorgeschlagene Reformkurs mit Schuldenschnitt und weiteren massiven Einsparungen nicht das „letzte Kapitel des griechischen Leidensweges“ sein würde. Papandreou habe offen gelegt, was bislang von offizieller Seite geleugnet wurde: „Die Reformen, die Aufstockung des Rettungsschildes – all das geht nicht weit genug.“ Dessen werde man sich in Cannes bewusst werden, Entsetzen und Lähmung könnten die Folge sein.

Libération aus Frankreich sieht die europäischen Vertreter auf dem G20-Gipfel in einer „deutlichen Position der Schwäche gegenüber ihren Partnern.“ Man könne fast schon sagen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy „mit dem Rücken zur Wand“ in Cannes eintreffen. Die Unsicherheit, die Europa und die Eurozone ausstrahlten, verzögere den globalen Wirtschaftsaufschwung und verärgere deshalb ihre Partner. „Keine guten Voraussetzungen, um z. B. über eine Finanztransaktionssteuer abzustimmen.“ Die Verhinderung von Währungsmanipulationen, eine Regulierung für das globale Finanzsystem, Steuerparadiese, die Reform von Institutionen wie des IWFs - all das und viel mehr stünde auf der Agenda des Gipfels. „Die G20 müssen starke Lösungen entwickeln, doch wie sollen sie das tun mit einem Europa, das kurz vor dem Ertrinken steht?“

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  • Immerhin ist "schwäbische Haushaltspolitik" einigermaßen erfolgreich. Was man von der griechischen nicht unbedingt behaupten kann.
    Gute Zusammenfassung!

  • "Große Bedeutung misst die Financial Times aus London dem heute beginnenden G20-Gipfel in Cannes bei: ... Dass ein kleines Land wie Griechenland für die Eurozone und die Welt zu einer derartigen Gefahr werden konnte, zeige, dass mit der Weltwirtschaft etwas „grundlegend nicht stimme“."

    BRAVO, die FTD merkt auch schon, dass mit der Weltwirtschaft etwas „grundlegend nicht stimme“. Allerdings blendet sie natürlich die Hauptursache aus: Es ist die WeltFINANZwirtschaft, die GLOBAL FINANCE. Wir Deutsche haben mit unserer nationalen Volkswirtschaft kein Problem, wenn wir uns aus dem bevorstehenden Ackermann-Super-GAU in der IIF-Community heraushalten, ruhig bleiben und NICHTS tun. Vorallem keine hirnrissigen Schäuble-Hebeleien mehr, die uns Deutsche mit in den Abgrund reissen. In den Ruhestand mit ihm.

  • Die Vereinigten Staaten von Europa wäre heutzutage ein
    Wunsch, der einfach zu schwach ist mit den jetzigen Ländern. Warum nicht etwas großes wagen und Russland mit einbeziehen. Russland mit seinen Rohstoffen und der Westen mit seinen Technologie Vorsprung wären ideal. Auch wenn die Türkenfanatiker weinen, Russland muss es werden.
    Russland mit seinen 140 Millionen Menschen passt also
    hervorragend zu uns. Europa geht schliesslich bis zum Ural.

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