Presseschau: „Griechenlandpleite ist nur noch eine Frage der Zeit“

Presseschau„Griechenlandpleite ist nur noch eine Frage der Zeit“

Die Wirtschaftsmedien diskutieren im Vorfeld der Bundestags-Abstimmung über das zweite Griechenland-Rettungspaket den Ausstieg des Landes aus der Euro-Zone: Würde Europa implodieren – oder den Schock verkraften? Die Presseschau.
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Der Westen vermutet, dass zur heutigen Abstimmung im Bundestag über das zweite Rettungspaket für Griechenland wieder das Unwort „alternativlos“ fallen wird. Zwar gebe es die Alternative, das Land Pleite gehen zu lassen, doch gehe es um viel mehr als das Schicksal der Griechen: „Es geht um die Zukunft Europas.“ Würde das deutsche Parlament tatsächlich den mühsam ausgehandelten Kompromiss platzen lassen, könne man das gemeinsame Haus Europa auch gleich abreißen. Und wenn Innenminister Hans-Peter Friedrich zufällig zeitgleich mit Bayerns Finanzminister Söder diesen Kompromiss infrage stelle, blieben nur zwei Möglichkeiten: „Entweder sie haben bessere Ideen zur Krisenabwehr als Merkel und Schäuble. Oder sie gefallen sich in einer der üblichen Profilierungen der Bayern gegenüber ihrer Schwesterpartei.“

„Die Solidarität mit Griechenland aufzukündigen, gilt in Deutschland als politisch inkorrekt“, meint dagegen die Frankfurter Rundschau zur Reaktion auf Friedrichs Vorschlag - und empfiehlt, realistisch zu bleiben. „Griechenland wird es auch mit dem zweiten Hilfspaket nicht schaffen, auf die eigenen Beine zu kommen.“ Denn ein wichtiges Mittel zur Gesundung fehle dem Land: die eigene Währung. „Hätte Athen eine, könnte das Land sein Geld abwerten, um so auf dem Weltmarkt billiger zu werden. Eine schwache Währung kann wie ein riesiges Konjunkturprogramm wirken.“ Und schließlich könne Griechenland auch im Falle des Austritts aus der Euro-Zone mit Hilfe der EU-Partner rechnen. „Am Ende könnte die Rettung billiger werden und – was wichtiger ist – für die Griechen nicht ganz so schmerzhaft sein.“

Keine Angst vor der Griechenlandpleite hat der Economist. Sie erscheine Experten weltweit immer wahrscheinlicher: „Erstens wird Griechenland die Anforderungen seiner Partner nicht erfüllen können und ein drittes Rettungspaket brauchen. Zweitens gibt es nur eine begrenzte Menge an Geld, das Gläubigernationen bereit sind, zu Lasten ihrer Steuerzahler auszugeben.“ Und drittens scheine der drohende Ausstieg Griechenlands und weiterer Staaten aus der Euro-Zone nicht zu beunruhigen, viele hätten schon Notfallpläne vorbereitet. „Denn die Politiker gelangen an den Punkt, an dem sie merken, dass sie nicht unendlich öffentliche Gelder in scheiternde Länder pumpen können.“ Und sie wüssten auch, dass der darauf folgende Schock nicht das Ende bedeutet. Das habe Lehman Brothers 2008 gezeigt.

Für die Financial Times ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann Griechenland Pleite geht. Zu wünschen wäre dem Land, dass es ein Jahr Zeit habe, um sich darauf vorzubereiten. Mit der Pleite und einem Austritt aus der Euro-Zone könne Griechenland die Drachme wieder einführen, die dann abgewertet werden würde. „Doch das allein wird die Griechen nicht aus der Krise herausholen. Die Ironie ist, dass sie auch dann die Reformen, die ihnen aktuell abverlangt werden, umsetzen müssen.“ Der Staat müsse schließlich Steuern einnehmen, die Korruption müsse bekämpft, der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden. „Die weniger schmerzvollere Variante wäre eine Pleite, bei der Griechenland in der EU bleibt, unter bestimmten Voraussetzungen.“ Die EU-Partner müssten ihre Kredite an Athen abschreiben, und das Wachstum helfen anzukurbeln mit einem Investitionsprogramm. „Diese Variante ist die erstrebenswertere, wahrscheinlicher aber ist die der Pleite und des Austritts aus der Euro-Zone.“

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