Presseschau
Griechenlands Umschuldung darf kein Tabu sein

Die internationale Presse diskutiert über den richtigen Umgang mit einer möglichen Umschuldung Griechenlands und schaut auf mögliche Folgen der sinkenden US-Bonität für Europa. Außerdem: Platzt die Gold-Blase?
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DüsseldorfDie Financial Times Deutschland fordert eine öffentliche Debatte in den Fragen über die Zukunft des Euro. Vor allem der Widerstand gegen einen Umschuldung Griechenlands gelte es zu überdenken. Angesichts einer Rettung Irlands und Portugals, sowie der in „bedenkliche Höhen“ steigenden Aufschläge auf spanische Anleihen sei Skepsis kein haltloser Populismus mehr. „Populistisch handeln dagegen jene, die meinen, einfach Antworten geben zu können“, kommentiert das Blatt. Weder eine Rückkehr zu D-Mark noch ein schneller Bankrott Griechenlands wären für Deutschland kostengünstige Alternativen. Zwar sei ein dauerhafter Rettungsmechanismus notwendig und dürfe nicht durch Parlamentsvorbehalte geschwächt werden. Dies allein reiche jedoch nicht. „Die Regierungen müssen ihren Widerstand gegen den Schuldenschnitt Griechenlands überdenken“, mahnt die FTD.

Anstrengungen der Eurozone

So außerordentlich auch die Anstrengungen der Eurozone im Kampf gegen die Schuldenkrise gewesen sein mögen, sie alle hätten die Lösung lediglich aufgeschoben, analysiert die britische Financial Times. Das Nachdenken deutscher Parlamentarier über eine Umstrukturierung der griechischen Schulden reflektiere den mangelnden Willen oder gar die Unfähigkeit, die Investoren zurückzubringen, anstatt sie zu verschrecken. „Das muss aufhören“, fordert die Zeitung. Innenpolitische Zwänge hätten dazu geführt, dass der Europäische Stabilitätsmechanismus nicht mit zusätzlicher „Feuerkraft“ ausgestattet werden könne, daher gelte es die vorhandenen Mittel gut einzusetzen. Zuerst müsse ein Plan B entwickelt werden, falls Griechenland im nächsten Jahr das benötigte Geld nicht über die Finanzmärkte besorgen könne. Zweites müsse über den Kauf der Anleihen auf Sekundärmärkten nachgedacht werden. Der Bundestag habe kürzlich Berlin dazu bewegt, dies für den ESM auszuschließen. „Das muss die deutsche Regierung überdenken“, meint die FT. Man dürfe den Bankrott Griechenlands, dessen Folgen weit über die europäischen Grenzen wüten würden, nicht einfach hinnehmen. „Europa muss sich entscheiden, was es will, bevor es zu spät ist“, warnt das Blatt.

Das US-amerikanische Wall Street Journal stellt sich die Folgen für Europa vor, sollten die USA in ihrer Kreditwürdigkeit herabgestuft werden. Die erste Konsequenz wäre eine Geldflut in Länder, die noch immer ein Triple-A Rating besitzen. Die Rendite der deutschen Staatsanleihen dürfte unter die Tiefststände von 2009 /2010 fallen, jedoch nur wenn Berlin nicht für Schulden seiner Nachbarn gerade stehen müsse. Eine Herastufung der USA im Frühjahr 2013 käme kurz vor dem Inkrafttreten des Europäischen Stabilitätsmechanismus. In einem Finanzsystem ohne den amerikanischen Anker bliebe für Portugal, Irland und Griechenland nur eine Option: Umschuldung und Beteiligung privater Gläubiger an den Verlusten. „Sollten die Dinge für Angela Merkels Koalition sich nicht drastisch verbessern, ist es durchaus möglich, dass drei Monate vor der Bundestagswahl die Schuldenländer in einem Anfall fiskalischer Rechtschaffenheit fallengelassen werden“, mutmaßt das WSJ. Die Herausforderungen für Europa würden sich durch eine Herabstufung Amerikas intensivieren, sodass die Politiker sich nach den „guten alten Tage im Jahr 2010 sehnen werden“, prophezeit das Blatt.

Platzt die Gold-Blase?

Die Nachrichtenagentur Reuters sieht in dem Rekordpreis für Gold und andere Edelmetalle eine Blase, die über Kurz oder Land platzen werde. „Edelmetalle können nicht gleichzeitig ein sicherer Hafen und Spekulationsobjekt sein“, argumentiert das Blatt. Die Kapitalmärkte zeigten bereits eine Erholung der Wirtschaft an. Intel, IBM und Yahoo hätten kürzlich gute Zahlen vorgelegt, und die Zinsen außerhalb der USA stiegen bereits. Umfragen in USA und Deutschland zeugten von einem Boom im verarbeitenden Gewerbe, und auch das BIP-Wachstum Chinas habe im ersten Quartal bei 9,7 Prozent gelegen. Die Gold-Investoren glaubten, die amerikanische Zentralbank werde noch weitere Schulden der USA aufkaufen und so die Inflation weiter anfachen und das Edelmetall noch wertvoller machen. „In Wirklichkeit wird sich die Fed im Verlauf des Jahren dem globalen Trend steigender Zinsen anpassen“, ist Reuters überzeugt.

Trickserei bei der UBS 


Die merkwürdige Geschichte fiktiver Silberbarren bei der UBS rekapituliert die französische Moneyweek. Die Schweizer Großbank werde in den USA von einem Konzern verklagt, weil sie diesem die Kosten für die Aufbewahrung von Silberbarren monatlich in Rechnung gestellt habe, obwohl diese real nicht existierten. „So viel Imaginationskraft vermutet man nicht in Bankkreisen“, meint das Blatt lakonisch. Die Summe habe sich in den vergangenen 23 Jahren auf 8000 Dollar addiert. Viel höher soll sie im Fall eines amerikanischen Konkurrenten sein: „Auch Morgan Stanley wird für ein ähnliches Vergehen verklagt, hier geht es um Millionen.“ Die Klage gegen die UBS sei eingereicht worden, um die Machenschaften der Bank aufzudecken: „Dies scheint ein weiterer Trick der UBS zu sein“, kommentiert das Blatt. Denn natürlich habe die Bank Silberbarren angeschafft, doch diese seien nie konkreten Anlegern zugeordnet worden: „So hatte die UBS die Barren zu ihrer Verfügung für Spekulationen und konnte die Gewinne zu 100 Prozent einstreichen.“ Im Falle eines Konkurses wären die Anleger die Verlierer gewesen.


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  • Warum werden dann Pro-EURO-Rettung-Artikel gepostet?

  • Darf ich kurz daran erinnern, dass dies eine Presseschau ist? Hier gibt nicht das Handelsblatt seine Meinung wieder.

  • Da ist was dran! Mich überrascht auch immer wieder, warum die Menschen einfach nicht mehr auf ihr Bauchgefühl hören und danach handeln. Das ist urgegeben und in den meisten Fällen erfolgsversprechender als auf Ratschläge zu hören. Man muß sich aber nur eingestehen auch mal selber falsch zu liegen und die Schuld nicht immer nur anderen zuzuschieben.

    Ich sehe in den Medien Umfragen ohne Ende wo die Leute ein Kreuz machen und die Politik genau das Gegenteil macht. Größer kann der Widerspruch zwischen Politik/Staat/Regierung und Volk gar nicht mehr werden. Wir brauchen eigentlich nur eine kompetente Regierung und keinen Staat, welcher sich seine Wähler durch Geschenke (Beamte, Angestellte öffentlicher Dienst oder Firmen die von Staatsaufträgen abhängig sind u.s.w.) selber schafft! Das ist keine Demokratie!

    Ich glaube aber fest daran, das der Mensch genau das Gegenteil bewirken kann, er wird leider nur von Kindheit auf (KiGa, Schule) auf genau dieses System vorbereitet und viele Eltern nehmen sich für ihre Kinder keine Zeit mehr, weshalb sie sich gezwungenermaßen eine andere Alternative suchen müssen.

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