Presseschau
Große Sorge um's maue US-Wachstum

Die internationale Presse diskutiert, ob Fed-Chef Ben Bernanke den Faden verloren hat, Smart Company zieht Marketinglektionen aus der königlichen Hochzeit und US-amerikanische Kids retten den Euro. Die Presseschau.
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Das US-Wachstum enttäuschte mit mageren 1,8 Prozent im ersten Quartal, doch das Wall Street Journal teilt die Meinung vieler Ökonomen, dass dies nur eine „vorübergehende Schwäche“ sei, vor allem ausgelöst von schlechtem Wetter und steigenden Preisen. Die das Wachstum bremsende Ausgabenzurückhaltung im Verteidigungsministerium werde nämlich nicht anhalten, die Nachfrage aus dem Ausland sei gut und viele Unternehmen würden ja auch bereits wieder investieren und Stellen schaffen. Die Ökonomen der Federal Reserve glaubten daher, dass der Inflationsdruck von derzeit 3,8 Prozent im Jahresverlauf wieder abnehmen werde. „Die Privatwirtschaft erholt sich,“ zitiert das Blatt den Chefvolkswirt von J.P. Morgan, Bruce Kasman, „und die Konsumenten halten sich wacker, sogar trotz des Preisschocks bei Energie“. 

Die New York Times sieht die US-Notenbank Federal Reserve in der Klemme, selbst wenn die Delle im US-Wachstum wirklich nur zeitweilig sei, wie viele Experten glaubten. Das Blatt befürchtet, es könnte Ärger aus Asien drohen. In China würden die Stahlpreise schon seit Wochen sinken, was wohl bedeute, dass Chinas Staatswirtschaft deutlich langsamer wachse. Auch Japans Wirtsschaftsleistung werde nach dem Tsunami im zweiten Quartal ebenfalls um fünf bis acht Prozent schrumpfen. Diese Aussichten sollten „die Welt wenigstens ein bisschen nervös machen“, zumal sich Europa offenbar der Schuldenbremse verschrieben habe die EU-Zentralbank die Zinsen erhöhe.

„Wenn man sich China als Hauptmotor des Weltwirtschaft vorstellt und Europa als ihre Bremse“, könne es unter den Umständen ja wohl kaum Wachstum geben - selbst wenn die USA wieder Fahrt aufzunehmen versuchten. Die Fed stecke daher fest zwischen Inflation und Wachstumsschwäche. Falls der Sturz der Stahlpreise in China wirklich die befürchtete Bedeutung habe, bestehe die Gefahr einer „impotenten“ US-Regierung. Politischer Druck könnte die Finanzpolitik weiterhin „ausgekuppelt“ lassen und eine weitere Lockerung der Geldmarktpolitik so lange verhindern „bis es zu spät ist, um eine neue Rezession zu verhindern“.  

Die Financial Times findet, Ben Bernanke habe längst den Faden verloren. Seine Ausführungen, warum der Dollar so schwächle, seien zwar „nicht total unglaubwürdig“, weil die Währung schon seit 2004 um rund 25 Prozent schwanke, aber dennoch hätten seine Argumente „große Löcher“, denn gegen die „grobe finanzpolitische Unverantwortlichkeit“ der US-Politiker sei auch er machtlos. Deren billiges Geld habe die Inflation in den vergangenen Monaten schon gewaltig steigen lassen. Die Story der Fed-Gegner sei da doch deutlich überzeugender: Eine funktionierende Anti-Deflationspolitik könne auf die Dauer nur Inflation bedeuten, das werde die Fed aber trotzdem nicht von ihrem billigen Geld abhalten, weil sie unbedingt Arbeitsplätze erhalten wolle. So erodierten „die USA die finanzielle Glaubwürdigkeit, die sie selber so verzweifelt brauchen“, schreibt das Blatt.

Die Geldpolitiker in der Fed, die sagen sie könnten „nicht sehen, dass die temporäre Inflation tatsächlich in eine Kerninflation durchsickere, möchten doch bitte mal ihre Augen aufmachen,“ spottet der australische Business Spectator. Es sei nämlich erstaunlich, was man alles wahrnehmen könne, wenn man sich mal die Zeit nähme, richtig hin zu gucken. Von Überraschung in Sachen Inflation könne nämlich keine Rede sein, denn viele Analysen des produzierenden Gewerbes, auch die aus der Feder der Fed selbst, zeigten schon seit geraumer Zeit einen scharfen Preisanstieg. Auch dass 75 Prozent aller Unternehmen, die schon Zahlen vorgelegt haben, die Erwartungen übertroffen hätten, sei doch „ziemlich erstaunlich für eine Wirtschaft, die angeblich so zerbrechlich und schwach ist.“

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  • @keeper
    Toller Kommentar, mit wenig Worten exakt die Probleme geschildert, von denen man jedes Einzelne mit mehreren Seiten füllen könnte.

    Aber ich glaube wir unterschätzen die amerikanische Finanzelite. Die werden sich den Wert ihres zusammengeraubten Geldes/Vermögensanlagen nicht einfach auf Null setzen lassen.

    Ihren Joker haben die noch im Ärmel: Kriege anzetteln und führen und mit den Reparationszahlungen wieder sehr gut leben. Adäquat zu der Zeit von 1945 bis in die sechziger. So würde man das Problem der Bevölkerungsexplosion / Hungerkrisen auf unserem Planeten auch gleich lösen, die parallel dazu unseren westlichen Wohlstand bedrohen.

    Ich traue denen jede Schandtat zu, um sich auf Kosten anderer weiterhin zu bereichern.

    Schade um dieses wunderschöne Land.

  • Die USA haben kein "Glaubwürdigkeitsproblem" - und brauchen sich auch vor keinem solchen zu fürchten.
    denn: zum einen "drucken" sich die USA ihre Dollars selbst;
    und zum anderen: spätestens seit PIMCO's Austritt aus den US-Staatsanleihen haben die USA sämtliche Glaubwürdigkeit verloren.
    Die einzig verbliebenen Investoren im USD sind staatlicher Natur und verfolgen politische Ziele.


    Selbst bei einer Neuverschuldung von 1500 MRD USD in 2010 (1640 MRD für 2011 geplant)
    werden nur mickrige Wachstumszahlen erreicht, bei:
    - 40 millionen Essensmarkenbezieher;
    - steigende Arbeitslosigkeit (trotz massiver Manipulation, Stichwort: "out of labor force");
    - Immobilienmarkt geht weiter in die Knie;


    Die USA werden wohl erst ihre Schulden weg-inflationieren müssen,
    bevor sie wieder auf Wachstumskurs kommen können.

    Entschulden - und anschl. weitermachen mit dem "Konsum-auf-Pump".
    Die Menschen und deren Fähigkeiten - die Wettbewerbsfähigkeit der USA - ändern sich nicht über Nacht.
    ... und für mind. 50% der US-Bevölkerung sehe ich auch längerfristig nicht den Hauch einer Chance, mit ihrem Können und ihren Fähigkeiten auch nur annähernd Weltmarktfähig zu werden.

    Zu teuer für die Chinesen - zu ungebildet für die High-Tech-Industrie.

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