Presseschau
Hände weg von Hochtief!

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die politische Reaktion aus Berlin auf die geplante Übernahme von Hochtief durch ACS. New York Times und Wall Street Journal sind uneins in der Bewertung des neuen Programms der Fed. Der Financial Express ermuntert Yahoo zum Widerstand gegen die Übernahme durch AOL. Fundstück: Der beste Lehrer ist der finanzielle Verlust.
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In der Debatte um Hilfe für den Konzern Hochtief gegen die Übernahme durch ACS empfiehlt die Financial Times Deutschland Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich herauszuhalten. Es ausländischen Investoren zu erschweren, deutsche Firmen zu kaufen, ginge zu weit: "Zum europäischen Binnenmarkt gehört es, dass spanische Konzerne die gleichen Kaufrechte haben wie deutsche. Man kann nicht die Vorteile des Binnenmarkts genießen und sich zugleich vor ihm abschotten wollen. Die europäische Wirtschaftsunion funktioniert nur ganz oder gar nicht." Es sei daher "außerordentlich bedenklich", wenn die Bundesregierung überlege, eine Art Lex Hochtief zu schaffen. "Das widerspricht allen ordnungspolitischen Ansprüchen, die Schwarz-Gelb an sich selbst gestellt hat." Zudem habe ACS weder eine Lücke des Übernahmerechts ausgenutzt, noch irgendjemanden über die Absichten getäuscht. Es sei ein offenes Geheimnis gewesen, dass ACS sich nicht dauerhaft mit seiner Beteiligung von knapp unter 30 Prozent zufrieden gibt. "Das Kanzleramt sollte sich aus solchen Marktvorgängen tunlichst heraushalten. Sonst kann es sich nicht beschweren, wenn die anderen Länder sich künftig ebenfalls abschotten - das wäre weit schädlicher für die deutsche Wirtschaft, als wenn ein Spanier eine hiesige Firma kauft."

"In Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und Irland sind die Vorschriften bei Firmenübernahmen viel strenger als in Deutschland", argumentiert die Süddeutsche Zeitung. In diesen Ländern seien Beteiligungen zwischen 30 und 50 Prozent an einem Unternehmen nur dann erlaubt, wenn der Investor die Anteile nur langsam aufkaufe, etwa zwei Prozent binnen zwölf Monaten. Die angekündigte Prüfung der Koalition zur möglichen Verschärfung des Übernahmerechts könnte für den Baukonzern Hochtief aber zu spät kommen. "Neue schärfere Regeln sind aber umstritten", gibt die Zeitung zu Bedenken. So habe Wirtschaftsminister Rainer Brüderle gesagt, "ein aktives Eingreifen der Politik" sei "ordnungspolitisch nicht angezeigt." Skeptisch äußerten sich auch mehrere CDU-Wirtschaftsexperten.

Auf dem "Holzweg" sieht die Rheinische Post die Regierung beim Versuch, Hochtief durch schärfere Übernahmeregeln zu retten: "Wer das deutsche Übernahmegesetz verschärfen will, um die heimischen Großkonzerne vor dem Zugriff möglicher Käufer aus dem Ausland zu schützen, der schränkt den freien Wettbewerb ein." Man könne nicht den falschen Protektionismus anderer Länder wie Frankreich und Spanien dadurch bekämpfen, dass man die gleichen Waffen anwende. "Die Bundesregierung sollte vielmehr darum bemüht sein, in Brüssel eine europaweite Lösung zu erreichen", rät das Blatt.

Neben dem "Armdrücken" der Anwälte und Berater von ACS und Hochtief in Europa weite sich das Kräftemessen der beiden Unternehmen nun auch auf die Golden-Gate-Brücke bei San Francisco aus, konstatiert die spanische Wirtschaftszeitung Expansión. Ungeachtet der Tatsache, dass die beiden Bauunternehmen je nach Ausgang des feindlichen Übernahmeversuchs womöglich bald zum weltweit größten Konstruktionskonglomerat verschmelzen, wetteifern die Konkurrenten aus Deutschland und Spanien erbittert um den Zuschlag des lukrativen Auftrags. Schließlich handele es sich bei diesem um nichts Geringeres als die Neugestaltung und Konstruktion des Südtors der emblematischen Golden-Gate-Brücke. Die bisherigen Mitbieter, FCC und Globalvía, seien überraschend aus dem Projekt ausgeschieden, was möglicherweise auf die hohe Verschuldung des von Arnold Schwarzenegger regierten Bundesstaates Kalifornien zurückzuführen sei, spekuliert das Blatt.

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  • na endlich haben wir mal wieder die Woche der Planwirtschaft, hurra

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