Presseschau
Hasta la vista, Hochtief!

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert den Versuch der spanischen Baufirma ACS, Hochtief zu übernehmen, das Wall Street Journal und das Manager Magazin beschäftigen sich mit dem Geld der Chinesen. Die Automotive News meldet, der neue GM-Chef wolle keine Partner für Opel. Fundstück: So finanziert man den Papst!
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"Hochtief ist eine leichte Beute," schreibt die Financial Times Deutschland über den Versuch des spanischen Baukonzerns Actividades de Construccion y Servicios, die Hochtief AG zu übernehmen. Der Konzern sei zwar solide geführt und mache ordentliche Ergebnisse in einem schwierigen Umfeld, doch die Versuche von Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter, den Aktienkurs in die Höhe zu bringen und damit einen Schutzwall vor Übernahmen zu schaffen, hätten sich nur als "mäßig erfolgreich" erwiesen. Zwar sei die Hochtief-Aktie mit derzeit gut 58 Euro mehr als doppelt so teuer wie im Winter 2009, von den Höchstständen im Jahr davor sei sie aber weit entfernt. Das sei "bitter für Lütkestratkötter": Wenn ACS-Chef Florentino Pérez die Kontrolle über Hochtief bekomme, reiche ihm rechnerisch der Verkauf der Ertragsperle des Konzerns - der 55-prozentige Anteil an der australischen Baufirma Leighton -, um den kompletten Kaufpreis für den Gesamtkonzern wieder rein zu holen. An eine Zerschlagung sei allerdings nicht gedacht, versicherte ACS eilends.

2,8 Milliarden Euro wolle ACS in die Übernahme der deutschen Hochtief investieren, berichtet die spanische Wirtschaftszeitung Expansión. Bereits jetzt sei ACS mit einem Aktienanteil von 29,9 Prozent der größte Aktionär von Hochtief. Ob ACS die anderen Hochtief-Aktionäre jedoch von einer hundertprozentigen Übernahme überzeugen könne, sei mehr als fraglich, zitiert die Zeitung Alexander Groschke von der Landesbank Baden-Württemberg. Die Übernahme durch den überschuldeten spanischen Bauunternehmer sei wenig attraktiv. Allerdings würde nicht nur die Bilanz der Spanier von einem möglichen Kauf des deutschen Wettbewerbers profitieren, sondern auch der Aktienkurs von Hochtief, der kurz vor offizieller Bestätigung der Übernahmepläne um bis zu elf Prozentpunkte gestiegen sei.

Das Angebot von ACS sei ziemlich niedrig, findet The Australian, schließlich habe Hochtief volle Auftragsbücher und eine starke Präsenz weltweit. Diese Billigheimer-Strategie sei riskant, urteilt das in Sydney beheimatete Blatt und vergleicht den Übernahmeversuch mit dem Angriff von Schaeffler auf Continental in 2008. Der Automobilzulieferbetrieb hätte damals auch so ein niedriges Angebot gemacht in der Hoffnung, die Mehrheit an dem Reifenkonzern übernehmen zu können ohne gleich das ganze Kapital für eine Komplett-Übernahme aufbringen zu müssen. Doch dann seien die Aktienkurse gesunken und Schaefflers Angebot sei immer attraktiver geworden. Schließlich sei Schaeffler mit 90 Prozent der Anteile dagestanden - und einem ungeheuren Schuldenberg. ACS habe am Ende des ersten Halbjahrs aber schon mit 10,42 Milliarden Euro Schulden - "fast so viel wie der gegenwärtige Marktwert" des Unternehmens von 11,3 Milliarden Euro.

"Kein Baulöwe, ein Kätzchen will Pérez sein," schreibt die Frankfurter Rundschau über den 63-jährigen Chef und Mitbesitzer des spanischen Baukonzerns ACS. Der erkläre sein Erfolgsrezept so: "ACS ist das Ergebnis der Zusammenfassung von Unternehmen auf der Grundlage von Verhandlungen und Einverständnis." Das sei sein Wesen: "Toleranz, Verständnis, Dialog, Verhandlungen. Wir haben eine Gruppe geschaffen und nie einen feindlichen Akt begangen." Florentino Pérez gehöre zu den Reichen dieser Welt, auf der aktuellen Forbes-Liste stehe er auf Platz 536 mit einem Vermögen von 1,9 Milliarden Dollar. Die spanische Krise habe er überstanden, weil er außer dem Bau noch weitere Geschäftsfelder aufgetan habe. "Die Welt ist groß", sei sein Motto. Das habe er sich auch als Präsident des Fußballclubs Real Madrid zu eigen gemacht. Letztes Jahr habe er für 93 Millionen Euro - die bisher höchste Transfersumme aller Zeiten - den Portugiesen Cristiano Ronaldo nach Madrid geholt, dieses Jahr importierte er Mesut Özil aus Deutschland, der Ronaldo gerade den Rang als Lichtgestalt ablaufe.

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