Presseschau: Heiße Internet-Blase heiß diskutiert

Presseschau
Heiße Internet-Blase heiß diskutiert

Die Internationale Wirtschaftspresse piekst hier und da in die neue Internet-Blase, den EU-Bonds werden dagegen gute Chancen gegeben. Fortune und MoneyCNN beobachten den Doppelangriff auf PayPal. Die Presseschau.
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Bei den Milliardenbewertungen, die junge Internetfirmen wie das Businessnetzwerk LinkedIn oder die russische Suchmaschine Yandex gerade an der Börse erzielten, könne einem schwindlig werden, schreibt die Financial Times Deutschland. Wie bei der ersten Internetblase. „Gingen nicht auch damals kleine Programmierklitschen in den Handel und kassierten dort Millionen zu absurd hohen Bewertungen?“ Doch heute reichten blumige Versprechen immerhin nicht für Wertschätzungen von bis zu 70 Milliarden Dollar für große Internetunternehmen wie etwa das soziale Netzwerk Facebook. Das Problem seien die kleinen Internetklitschen, die zu hohen Bewertungen Millionensummen an Risikokapital einstreichen. Und Investoren, die übersähen, dass Firmen wie der chinesische Facebook-Klon Renren oder die russische Firma Yandex auf Märkten aktiv sind, auf denen das Regime ihnen schnell die Geschäftsgrundlage entziehen kann oder dass sie nur Geschäftsideen und Modelle kopieren, die andere auch schon hatten. „Das sind beste Voraussetzungen für eine erneute Blase. Zumindest eine kleine.“

Mit mehr als 55 Prozent über dem Ausgabepreis am ersten Handelstag sei der russische Suchmaschinenanbieter Yandex unter den Top 4 unter den Eröffnungstag-Gewinnern, lässt Daily Finance einen Analyst der Fondsgesellschaft Morningstar vorrechnen. Aber könne Yandex auch Profite finden, die seinen heißen IPO rechtfertigten? Es gebe durchaus Bedenken. In der globalen Sucharena rangiere Yandex auf Platz sechs. Der russische Suchmarkt werde zwar in den kommenden fünf Jahren um 15 bis 25 Prozent wachsen, doch Yandex sei gerade bei dem Werbesegment schwach, dass besonders konkurrenzfähig sein dürfe. Verglichen mit Google sei das Wachstum auf dem Heimatmarkt deutlich kleiner. Investoren sollten zudem im Auge behalten, ob Yandex außerhalb der Grenzen der früheren Sowjetunion nach Wachstum suche. Der gute Börsengang sei erfreulich, lobt das Internet-Finanzportal. Ein Vergleich falle trotzdem schwer. Schließlich seien die Bedingungen ganz anders als früher.“

Blase oder keine Blase? Sicher sei, dass der IPO-Markt von „dem Tode geweiht“ zu „enthusiastisch“ übergegangen sei, hält Portfolio.com fest. Am Donnerstag Linkeden, am Dienstag Yandex. „Und nun kommt Zynga.“ Wie viel die Social Gaming-Firma auf diesem schaumigen Markt wohl einsammeln werde? Mit ihren 500 Millionen Dollar von der jüngsten Fundraising-Runde sei das Unternehmen schon mehr wert als LinkedIn mit zehn Milliarden Dollar. Gar nicht zu reden von den heißesten von allen: Groupon und Facebook. Da könne die Phantasie wirklich wild werden. Habe Groupon doch dieses Jahr 950 Millionen Euro eingesammelt. „Bevor der Markt wirklich heiß wurde.“

EU-Bonds als Ausweg aus der schlechtesten aller Welten

Die Nachfrage nach den Bonds, mit denen der europäische Rettungsfonds EFSF die Anleiheinvestoren Mitte Juni gleich zweimal umwerben werde, werde mehr als solide ausfallen. Garantiert, erwartet die Börsen-Zeitung. Die Nervosität an den Märkten werde hoch bleiben – bis Juni sei nicht von einem kompletten Umschuldungsplan für Griechenland auszugehen. Die Nachfrage nach sicheren Assets sei schon jetzt groß. Und hinter dem Rettungsfonds stehe nicht nur ein Land, sondern letzten Endes eine Staatengemeinschaft. „Wohl nur sehr wenig Ausfallrisiko. Das zieht Anleger an.“

Griechenland bekomme derzeit das Schlechteste aus allen möglichen Welten, stellen zwei Forscher vom Peterson Institute for International Economics in einem Gastkommentar in der britischen Financial Times fest. Es trage die politischen und ökonomischen Kosten der Einsparungen, ohne das Investorenvertrauen zu gewinnen, dass da Licht am Tunnelende sei. Es laufe Gefahr, zum europäischen Mündel zu werden. „Die Zinsspannen griechischer Papiere legen einen fast sicheren Ausfall nahe, was die Investitionen im Lande nur dämpfen kann.“ Ein leichter Weg für zusätzliche Unterstützung seien die kürzlich vorgeschlagenen Blue Bonds. Der Vorschlag, sie so zu modifizieren, dass sie unter anderem Deutschland garantierten, finanziell zu profitieren, begegne dabei einem höchst verständlichen deutschen Vorbehalt zum simplen Blue Bond-Vorschlag, finden die FT-Gastkommentatoren.

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