Presseschau
Held oder Aufschneider?

Die öffentliche Abrechnung eines früheren Mitarbeiters von Goldman Sachs polarisiert. Dem Insider wird Prahlerei vorgeworfen, andere stimmen in den Chor der Goldman-Kritiker ein, darunter selbst der Urenkel des Goldman-Gründers. Die Presseschau.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Nach dem Wirbel um ihren ehemaligen Mitarbeiter Greg Smith bemüht sich Investmentbank Goldman Sachs um Schadensbegrenzung: Man werde die von ihm öffentlich erhobenen Vorwürfe prüfen, berichtet das Wall Street Journal Deutschland. 

Erste Maßnahme: Die Bedeutung Smith wurde heruntergespielt. 

„Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Aufschneider“, schreibt das Handelsblatt. Und lässt in dem Bericht Comedian Andy Borowitz zu Wort kommen: Mr. Smith kommt als ein Mann daher, der ein Gewissen, Ideale und hohe moralische Standards besitzt…. Wie konnte Goldman bloß so jemanden einstellen?“.

Die Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich mit Goldman-Chef Lloyd Blankfein: „Der behauptet, Gottes Werk zu tun, und wird als Leibhaftiger beschimpft. Nach oben kennt er keine Grenzen. Weil er von unten kommt.“

Und die Wirtschaftswoche listet gleich  das „Das Sündenregister von Goldman Sachs“ auf. 

Goldman-Rivale Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, warnt angesichts des Vorfälle in einer E-Mail an seine Kollegen vor Schadenfreude (Financial Times).

Hank Greenberg, Ex-Chef des Versicherungskonzerns AIG, hat sich auch die Debatte eingeschaltet. „Da führten keine Investmentbanker die Firma, sondern Händler", sagte Greenberg dem Nachrichtensender Bloomberg TV. "Das ist nicht das Goldman Sachs, das Unternehmen als Investmentbanker vertritt", klagte Greenberg laut Financial Times Deutschland.

Unterstützung erhält Smith auch von Henry Goldmann, Urenkel des Goldman-Gründers  Marcus Goldman, in einem Interview im Businessinsider.

Auch Dichter haben sich der Sache angenommen und einen Limerick geschrieben. Überschrift: „Grausamkeiten an Deppen“. 

Die New York Times  hat nach dem Brief des Goldman-Mitarbeiters Smith eine Debatte gestartet und bei verschiedenen Experten vielfältige Antworten auf die Frage erhalten: Hat Moral einen Platz an der Wall Street? 

Die Wirtschaftsagentur Bloomberg rechnet in einen gemeinsamen Kommentar der verantwortlichen Redakteure mit dem Smith-Brief ab. (Titel: „Ja, Herr Smith, Goldman hat immer etwas mit Geld verdienen zu tun"). Auszug: „Goldman und andere Investmentbanken spielen eine wichtigen Rolle in unserer Wirtschaft… Aber das ist keine Wohltätigkeitsarbeit“, schreiben sie.

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