Presseschau
Hochtief in der politischen Sackgasse

Die internationale Wirtschaftspresse beobachtet die Versuche von Hochtief, sich den feindlichen Bieter ACS vom Leib zu halten. La Tribune untersucht das Comeback des chinesischen Ölriesen CNOOC in den USA. Das Wall Street Journal begrüßt die Aufhebung des Verbots von Öl-Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko. Fundstück: Probe aufs Bargeld-Exempel.
  • 0

Die Financial Times Deutschland sieht den feindlichen Bieter ACS aus Spanien nah am Ziel, den Essener Baukonzern Hochtief zu übernehmen. Spätestens am Donnerstag werde ACS bei der Wertpapieraufsicht BaFin das angekündigte Übernahmeangebot an die Hochtief-Aktionäre einreichen; aktuell fehlten den Spaniern lediglich 14.000 Aktien, um die wichtige 30-Prozent-Hürde zu nehmen. Vor diesem Hintergrund werde die Verteidigung der Selbstständigkeit aus Sicht von Hochtief ein Rennen gegen die Zeit. Doch selbst eine mögliche Kapitalerhöhung bei den Deutschen, durch die die Übernahme für die Spanier teurer würde, werde ACS nur schwer stoppen können. "Bereits bei einem Aktienanteil zwischen 30 und 35 Prozent könnten die Spanier die Hauptversammlung dominieren. In der Regel sind dort kaum mehr als 60 Prozent der Stimmen anwesend. Damit könnte der Großaktionär Vorstandsmitglieder ersetzen."

Die Wirtschaftswoche glaubt, das der für den morgigen Donnerstag geplante Besuch von SPD-Chef Sigmar Gabriel in der Hochtief-Zentrale in Essen wenig werde ausrichten können. Gabriel pflege keine besonders engen Beziehungen zum Genossen José Luis Rodríguez Zapatero in Spanien. Außerdem würde Zapatero Gabriel vermutlich postwendend antworten, dass er keinen Einfluss auf den mächtigen ACS-Chef und Real-Madrid-Präsidenten Perez habe, der politisch dem konservativen Lager nahe stehe. Insofern sei die komplette politische Schiene für Hochtief im ACS-Abwehrkampf eine "Sackgasse". Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter habe vergebens im Kanzleramt vorgesprochen, Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle habe öffentlich jede Intervention abgelehnt, und wenn Hochtief-Gesamtbetriebsratschef Siegfried Müller Ende Oktober der spanischen Botschaft in Berlin eine Protestnote übergeben wolle, sei auch das bloß "Polit-Folklore".

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus dem Aufsichtsrat solle mit der in Betracht gezogenen Kapitalerhöhung in erster Linie der Kredit eines Bankenkonsortiums abgelöst werden. Als Teil seiner Abwehrstrategie habe Hochtief einen "Ad-hoc-Ausschuss" des Aufsichtsrats gegründet, um schnell entscheiden zu können - ein ACS-Vertreter im Hochtief-Aufsichtsrat gehöre diesem Ausschuss nicht an. Problematisch sei aus Sicht der Deutschen, dass die Banken bei einem Eigentümerwechsel darauf bestehen könnten, die Kredite neu zu verhandeln (sog. "Change-of-Control"-Klauseln). Derzeit seien Kredite und Avale im Volumen von vier MilliardenEuro mit solchen Klauseln versehen.

Seite 1:

Hochtief in der politischen Sackgasse

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Presseschau: Hochtief in der politischen Sackgasse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%